Direkt zum Inhalt

Die USA wählt Das Zünglein an der Waage in den Swing States ist die LGBTI*-Community

Von ms - 05.11.2024 - 09:00 Uhr
Die USA wählt
Foto: IMAGO / Bihlmayerfotografie
ANZEIGE
Loading audio player...

Jetzt zählt es – die USA wählt heute eine neue Person ins Weiße Haus. Wird Donald Trump zum zweiten Mal Präsident der Vereinigten Staaten? Oder zieht erstmals mit Kamala Harris eine schwarze Frau ins White House ein? Die letzten Umfragen versprechen ein Kopf-an-Kopf-Rennen, das Zünglein an der Waage könnte sehr gut die LGBTI*-Community sein. 

Entscheidung in vier Bundesstaaten 

In den meisten US-Bundesstaaten ist bereits klar, dass die Stimmen entweder zu den Republikanern oder den Demokraten gehen – entscheidend für den Ausgang der Wahl sind die sogenannten Swing States, also jene Staaten, in denen die Wähler in den letzten Jahrzehnten unterschiedlich gewählt haben. Um diese Wähler von sich zu überzeugen, traten gestern sowohl Trump wie auch Harris noch einmal in Pennsylvania sowie in North Carolina auf. Ein besonderes Augenmerk liegt in diesem Jahr zudem auf zwei weiteren US-Bundesstaaten: Georgia und Michigan. 

Hohe Wahlbeteiligung bei LGBTI*

Dorian Rhea Debussy, Dozentin für Frauen-, Geschlechter- und Sexualstudien an der Ohio State Universität, erklärte dazu: „Als Wissenschaftlerin im Bereich der LGBTI*-Politik, denke ich, dass LGBTI*-Wähler in diesen Staaten eine überragende Rolle spielen werden.“ Homosexuelle und queere Menschen wählen seit Jahren besonders stark, meist sind über 85 Prozent der Community mit dabei. Laut Umfragen wollen heute weit über 93 Prozent der LGBTI*-Menschen wählen gehen. Zum Vergleich: in der US-Gesamtbevölkerung gehen etwa 55 bis 60 Prozent im Durchschnitt wählen. 

„Normale Schwulenstimmen“?

Die Frage ist nur, was wählt die Community? Zuletzt gab rund jeder dritte Homosexuelle Donald Trump seine Stimme – bei dieser Wohl sind für fast 90 Prozent der Schwulen und Lesben LGBTI*-Themen außerdem nicht mehr wahlentscheidend. Schwule Republikaner erklären seit Monaten, die Community sei offen gespalten, in diesem Jahr würden bis zu 50 Prozent der Homosexuellen Trump ihre Stimme geben. Trumps Vize-Kandidat J.D. Vance sorgte die letzten Tage außerdem für Schlagzeilen mit der Aussage, Trump werde viele der „normalen Schwulenstimmen“ jenseits von queer und trans bekommen. 

Queere Verbände in den USA wie GLAAD sehen das ganz anders, sie versuchen seit Monaten, die ganze Community zunächst hinter Joe Biden, dann hinter Harris zu vereinen – die Wahl jetzt sei eine Schicksalswahl für die Community. Wem am Ende die Homosexuellen mehr Glauben schenken werden und wem queere Menschen, ist bis zum Schluss vollkommen offen. Die Mehrheit der LGBTI*-Amerikaner hat bisher immer demokratisch gewählt, dabei kommt es heute zumindest in den Swing States auf jede einzelne Stimme – bei der letzten Wahl hatten ein paar tausend Stimmen den maßgeblichen Unterschied gemacht. 

LGBTI*-Menschen in den Swing States

Georgia, Michigan, North Carolina und Pennsylvania haben alle einen Bevölkerungsanteil von LGBTI*-Erwachsenen, der deutlich größer ist als der Vorsprung, mit dem die Bundesstaaten 2020 gewonnen worden waren. Ein Beispiel zur Verdeutlichung: In Georgia gewann Joe Biden im Jahr 2020 die 15 Wahlmännerstimmen des Bundesstaates mit einem Vorsprung von rund 11.800 Stimmen. In Georgia gibt es dabei über 400.000 erwachsene LGBTI*-Amerikaner. Laut einer Umfrage von September dieses Jahres von der Human Rights Campaign sind rund 20 Prozent der LGBTI*-Menschen nach wie vor unentschlossen, wen sie wählen werden.  

Die Community kann also tatsächlich sehr einfach zum Zünglein an der Waage werden und entscheidend dazu beitragen, mitzuentscheiden, wohin das Land in den nächsten Jahren politisch marschiert. Die Entwicklung setzt sich indes weiter fort: „Die LGBTI+-Wählerschaft wächst jedes Jahr, und bis 2030 wird erwartet, dass sich einer von sieben Wählern als LGBTI* identifizieren wird“, so Expertin Debussy weiter. Die ersten Wahlergebnisse werden in Deutschland am frühen Mittwochmorgen erwartet.  

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

DER STANDARDHomophobe Hassdelikte: Fast jeden Tag ein FallBerliner MorgenpostNach Razzia gegen queeres Gesundheitsprojekt: Demo in Berlin angekündigtSWRGrüner Sozialminister BW sorgt sich um Minderheiten: Hildenbrand will "Anwalt" der queeren Community seinFalterBlauland: Zum Jubiläum ein Regenbogen-HirschgeweihAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Wie wichtig ist dir ein LGBTIQ+-freundliches Arbeitsumfeld bei der Wahl eines Arbeitgebers?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Heated Rivalry im Kino

Romanze auf großer Leinwand

„Heated Rivalry“ kommt im November in britische und US-Kinos. Zugleich erscheint ein weiterer Film mit Hauptdarsteller Connor Storrie.
Letzte Küsse in der Kutsche

Romantik auf Abschiedstour

New York hat das Ende der Pferdekutschen im Central Park beschlossen. Für schwule Paare verschwindet damit ein besonders romantisches Erlebnis.
Schwuler Volleyballstar

Japan erlebt einen Wandel

Japans Volleyballprofi Rui Takahashi spricht über sein Coming-Out, die Angst vor dem Karriereende und die Unterstützung seines Bruders Ran.
Schwere Vorwürfe gegen Graham

Drei schwule Sexarbeiter berichten

Drei Sexarbeiter behaupten in einer neuen Dokumentation, vom verstorbenen US-Senator Lindsey Graham für sexuelle Kontakte bezahlt worden zu sein.
Haiti verschiebt die Wahlen

Zehn Jahre ohne Urnengang

Haitis Wahlen werden erneut verschoben. LGBTIQ+-Aktivisten warnen vor wachsender Unsicherheit und einer politischen Krise ohne absehbares Ende.
Neue Vorwürfe in Turkmenistan

Psychiatrie wird zum Albtraum

Neue Berichte über Zwangseinweisungen und Misshandlungen zeigen die dramatische Lage homosexueller Menschen in Turkmenistan.
Gewalt gegenüber Asexuellen

Studie zeigt starke Diskriminierung

Ein neuer internationaler Bericht dokumentiert Gewalt und Diskriminierung gegen asexuelle Menschen und fordert besseren gesetzlichen Schutz.
Regenbogenfamilien im Fokus

Rund 300 Menschen feiern Vielfalt

Bei der Regenbogenfamilienkonferenz in Mannheim forderten LGBTIQ+-Familien mehr rechtliche Sicherheit, Unterstützung und gesellschaftliche Anerkennung
„Glee“-Stars kehren zurück

Diese Stars sind wieder dabei

Die Musicalserie „Glee“ bekommt eine Neuauflage bei Disney+ und Hulu. Die ersten Stars der Originalbesetzung haben jetzt ihre Rückkehr bestätigt.