Attacken in der U-Bahn Die Angriffe in der New Yorker U-Bahn gegen LGBTIQ+-Menschen nehmen massiv zu – was kann dagegen getan werden?
Hasskriminalität in der New Yorker U-Bahn: Attacken, sexuelle Übergriffe und Gewalttaten gegenüber LGBTIQ+-Menschen haben in den letzten Monaten massiv zugenommen. Das Medienportal Uncloseted Media befragte dazu homo- und bisexuelle sowie queere Menschen aus dem Big Apple und zieht ein düsteres Fazit: Die New Yorker U-Bahn ist die Brutstätte der Bestie geworden.
Hier wähnen sich Gewalttäter und Angreifer trotz Überwachungskameras in Sicherheit. Während der U-Bahn-Wagen rollt, kann ihnen zumeist sowieso nichts geschehen, danach sind sie binnen kürzester Zeit im Trubel der Menschenmenge verschwunden, lange, bevor Wachpersonal oder die Polizei eingreifen könnten.
Brutale Gewalt im Schutz des Untergrunds
Nach Angaben des New York City Police Departments (NYPD) ist die Gesamtkriminalität zwar um ein Drittel zurückgegangen, Überfälle, Belästigungen und Morde haben in der U-Bahn hingegen massiv zugenommen. Mehr als jeder zweite U-Bahn-Fahrer fühlt sich nicht mehr sicher im Untergrund. Zurecht, denn gerade für LGBTIQ+-Menschen wird die Lage immer dramatischer.
Die jüngste Kriminalstatistik des FBI zeigt auf, dass die Angriffe binnen eines Jahres um 53 Prozent zugenommen haben. Jedes fünfte Opfer eines Hassverbrechens ist schwul oder trans*. Es gibt dokumentierte Fälle, in denen trans* Menschen sowie schwule Männer schwer verstümmelt wurden, ihre Beine verloren haben oder zu Tode kamen, weil sie Unbekannte aus Hass vor die Gleise einer einfahrenden U-Bahn geworfen haben. Also, was tun?
Selbstverteidigung als letzte Chance?
In der Community fordern inzwischen immer mehr, dass sich LGBTIQ+-Menschen bewaffnen und sich selbst wehren müssten, die Behörden indes warnen davor, dass so die „Situation weiter eskalieren könnte“. Das Problem sind auch die Entfernungen selbst – zwischen manchen Haltestellen liegen mehrere Kilometer, in denen die U-Bahn über fünf Minuten lang durchfährt; viel Zeit also, in der Täter und Opfer alleine sind.
In der Realität greifen bei Attacken in der U-Bahn in nur 15 Prozent der Fälle unbeteiligte Passanten tatsächlich ein und helfen den Opfern. Das Verhalten verschärft die Problematik laut der Forschungsleiterin Annelise Mennicke vom Gewaltpräventionszentrum der Universität von North Carolina noch einmal, denn dadurch werden die Taten in gewisser Weise legitimiert. Es scheint okay zu sein, die „Schwuchtel“ in der U-Bahn zu attackieren.
Dazu kommt: Die steigende politische Feindseligkeit gegenüber der LGBTIQ+-Community in den USA schafft ein Klima, das die Bereitschaft der Öffentlichkeit zur Hilfe noch weiter verringert, so Brenden Lance, Direktor des Hate Crime Research and Policy Instituts an der Florida State Universität. Dem Wegsehen der Passanten steht aber auch eine andere Statistik gegenüber: Die USA sind das Land mit den meisten Schusswaffen pro Kopf in der Welt (120,5 Schusswaffen auf 100 Einwohner) – die Angst vor den möglichen Konsequenzen eines Eingreifens ist also berechtigt. Was also tun? Die Community und die Stadtverwaltung der Gay-Metropole suchen derzeit händeringend nach einer passenden Antwort.