Direkt zum Inhalt
Wahlkrimi in Polen

Wahlkrimi in Polen Eine Stichwahl soll nun nach der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen Klarheit bringen - es steht viel auf dem Spiel

ms - 19.05.2025 - 10:00 Uhr
Loading audio player...

Ähnlich wie in Rumänien steht auch in Polen eine Richtungswahl an – nachdem bereits Ende 2023 die homophobe PiS-Partei im Land final abgewählt und der liberale Donald Tusk zum neuen Ministerpräsidenten des Landes ernannt worden ist, erlebte das Land und vor allem auch die LGBTIQ+-Community seitdem eine Patt-Situation. Grund dafür war Polens Präsident Andrzej Duda, ein konservativer Hardliner und Freund der PiS, der alle Bemühungen um mehr Rechte für Homosexuelle mittels Veto verhinderte. Am Wochenende waren die Polen nun aufgefordert, einen neuen Präsidenten zu wählen – Ausgang offen.

Stichwahl in Polen

Zur Wahl standen der pro-europäische Warschauer Bürgermeister Rafał Trzaskowski sowie der Nationalkonservative Karol Nawrocki – einen eindeutiger Sieg hat der Wahlabend nicht gebracht, nach den bisherigen Prognosen und Auszählungsergebnissen kam der liberalkonservative Trzaskowski aus dem Regierungslager von Tusk auf rund 31 Prozent der Stimmen, der parteilose Nawrocki und PiS-Kandidat auf etwa 29 Prozent. Damit wird es höchstwahrscheinlich am 1. Juni zu einer Stichwahl. Insgesamt standen 13 Kandidaten zur Wahl.

Trzaskowski erklärte: „Ich habe gesagt, es würde knapp werden, und es ist knapp. Es liegt viel Arbeit vor uns, wir brauchen Entschlossenheit, wir brauchen Ihre Stimmen.“ Der homophobe Nationalkonservative Nawrocki beteuerte indes, die Wähler sollten ihm im zweiten Wahlgang die Stimmen geben, um „Polen zu retten.“ 

Schicksalswahl für LGBTIQ+

Für die LGBTIQ+-Community steht viel auf dem Spiel – nach zehn Jahren Anti-Homosexuellen-Regierung inklusive „LGBT-freier Zonen“ will die Tusk-Regierung ein Partnerschaftsgesetz umsetzen. Zudem soll es mehr Schutz vor Diskriminierung und auch anderweitig mehr Rechte für die Community geben. Gewinnt Nawrocki, dürfte der Blockade-Kurs im Land weitergehen und Tusk liefe Gefahr, vieler seiner versprochenen Reformen nicht umsetzen zu können. Ein Präsident in Polen wird für fünf Jahre gewählt und hat deutlich mehr Befugnisse als der deutsche Bundespräsident. 

Ministerpräsident Tusk  erklärte nach dem gestrigen Wahlabend: „Das Spiel um alles oder nichts hat gerade erst begonnen. Dies ist ein erbitterter Kampf um jede Stimme. Diese zwei Wochen werden über die Zukunft unseres Vaterlandes entscheiden!“ 

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Neue Gefahr im Senegal

Bald 15 Jahre Haft für Schwule?

Im Senegal droht eine Verschärfung des Anti-Homosexuellen-Gesetzes. Muslimische Gruppen machen gezielt massiv Druck auf die Regierung.
Streit um Ben-&-Jerry’s

Appell an queere Kunden

Ben-&-Jerry’s war lange Zeit ein Ally der Community, seit 2025 bröckelt das Image. Mitbegründer Cohen hofft nun auf eine Rettung der Firmenwerte.
Bewaffnung in den USA

Lesbische Frauen auf Einkaufstour

Offenbar immer mehr lesbische Frauen bewaffnen sich in den USA aus Angst vor dem politischen Klima und realer Gewalt gegenüber der Community.
Viel Hass bei Olympia

Angriffe auf Athleten in Italien

Athleten in Olympia erleben derzeit viel Hass online, insbesondere LGBTIQ+-Menschen. Mittels KI soll jetzt nach Tätern gefahndet werden.
Stärkung im Fall Tilly

Karneval-Chef bekräftigt Haltung

Der Kölner Karnevalschef Kuckelkorn hat mit deutlichen Worten Wagenbauer Jacques Tilly verteidigt, dem derzeit in Russland der Prozess gemacht wird.
Aktion für die Ehe für alle

Homosexuelle Paare in den USA

Mit einer besonderen Aktion soll in den USA die Sichtbarkeit von homosexuellen Ehepaaren gestärkt werden.
Fataler Rückschritt in England

LGBTIQ+-Gleichstellung gestoppt

Großes Entsetzen: Die Kirche von England hat jetzt alle Reformen im Bereich LGBTIQ+ gestoppt. Viele liberale Geistliche fühlen sich verraten.
Interne SPD-Debatte

Diskussion um Social Media-Verbot

Nach der Union diskutiert jetzt auch die SPD über ein mögliches Social-Media-Verbot für Minderjährige – trotz massiver Kritik zahlreicher Vereine.