Direkt zum Inhalt
Polens Partnerschaftsgesetz
ANZEIGE

Polens Partnerschaftsgesetz Meilenstein für Schwule und Lesben im Land

ms - 21.10.2024 - 09:30 Uhr
Loading audio player...

Es war ein zähes Ringen, auch unter der neuen polnischen Regierung mit Ministerpräsident Donald Tusk, doch jetzt endlich hat das Parlament einen ersten Gesetzentwurf zur Einführung von rechtlich anerkannten Partnerschaften für schwule und lesbische Paare vorgelegt – ein Meilenstein für das Land, dessen Vorgänger-Regierung unter der PiS-Partei  alles unternommen hatte, um die Rechte von Homosexuellen zu beschneiden inklusive der Einführung von „LGBT-freien Zonen“.  

Wann kommt das Gesetz?

Immer wieder war zuvor auch massiv Druck auf Polen ausgeübt worden, sowohl seitens der EU selbst wie zuletzt durch den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR). Polen ist aktuell eins von fünf Ländern in der EU, welches solche Partnerschaften bisher nicht anbietet. Wann das Gesetz aber tatsächlich in Kraft treten kann, ist noch offen, selbst wenn das Gesetzesvorhaben jetzt zeitnah verabschiedet werden sollte, denn der konservative polnische Präsident Andrzej Duda, Freund der homophoben Vorgänger-Regierung, kann sein Veto einlegen. Duda ist noch bis 2025 im Amt. 

Zivile Partnerschaft, keine Adoption

Das vorgeschlagene Gesetz würde es zwei unverheirateten Erwachsenen, unabhängig von ihrem Geschlecht, ermöglichen, eine eingetragene Partnerschaft bei einem Standesamt einzugehen. Dies würde ihnen erweiterte Rechte und Pflichten unter anderem in Bezug auf Steuern, Gesundheitsfürsorge und Erbschaft einräumen.

„Die eingetragene Partnerschaft wird auf den Grundsätzen der Gleichheit und Nichtdiskriminierung beruhen und sicherstellen, dass alle Menschen, unabhängig von ihrem Geschlecht, die Möglichkeit haben, ihre Bedürfnisse und Lebenswünsche zu erfüllen. Der Gesetzentwurf ist eine Antwort auf die sozialen Bedürfnisse von gleichgeschlechtlichen Paaren, die keinen Zugang zur Institution der Ehe haben, aber auch von verschiedengeschlechtlichen Paaren, die in informellen Beziehungen leben und aus verschiedenen Gründen keine Ehe eingehen können oder wollen. Sie wird diese Menschen vor Ausgrenzung schützen und auch die Möglichkeit bieten, die gegenseitigen Rechte und Pflichten klar zu definieren“, heißt es in dem Gesetzentwurf.

Kompromisse in vielen Bereichen

Nicht vorgesehen im Gesetzentwurf ist die Möglichkeit für einen der Partner, die Kinder des anderen Partners zu adoptieren. „Hier haben wir einen Schritt zurück gemacht, einen Kompromissschritt“, betont Gleichstellungsministerin Katarzyna Kotula, die für die Ausarbeitung der Gesetzesentwürfe verantwortlich war, gegenüber dem Fernsehsender TVN. 

Die Polnische Volkspartei (PSL), das konservativste Element der Regierungskoalition, hätte ansonsten dem Gesetzesvorhaben mit Sicherheit direkt nicht zugestimmt. Ob die PSL nun final zustimmen wird, ist trotzdem noch offen, schon jetzt betonten einzelne Abgeordnete, man habe sich nicht ausreichend genug im Vorfeld mit der Partei abgestimmt. Innerhalb der Partei gibt es zudem generell Streit über die Einführung einer zivilen Partnerschaft – nach jetzigem Stand scheint es möglich, dass die PSL-Mitglieder bei der finalen Abstimmung schlussendlich dann koalitionsfrei abstimmen werden dürfen. Ob so eine Mehrheit zustande kommen wird, ist offen.

Laut der jüngsten Ipsos-Umfrage von September dieses Jahres unterstützen inzwischen 62 Prozent der Polen die Einführung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften. Nach wie vor versucht indes, die katholische Kirche ein solches Gesetz mit aller Macht im Land zu verhindern.  

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Vom Popstar zum Berater

Grammy-Gewinner wechselt Seiten

Der schwule, frühere Clean-Bandit-Musiker Neil Amin-Smith ist vom Grammy-Gewinner zum Wirtschaftsberater aufgestiegen.
Vom Chatroom zur Dating-App

30 Jahre digitale Schwulenszene

Von Gay.com bis Grindr: Das Internet hat die schwule Kontaktkultur grundlegend verändert – und ständig neue Formen des Kennenlernens geschaffen.
Serie setzt Zeichen in Mexiko

Amazon Prime zeigt neues Hit-Format

Die Prime-Serie „No One Will Miss Us“ verändert im Herkunftsland Mexiko den Blick auf schwule Liebe. Hauptdarsteller Alejandro Puente erklärt, warum!
Versteckte Zeichen an Bord

Flirten auf dem Kreuzfahrtschiff

Auf Kreuzfahrtschiffen können Ananas, schwarze Ringe oder Einhornmotive versteckte Hinweise auf lustvolle Interessen sein. Kennst Du dich aus?
LGBTIQ+-Netzwerk gibt auf

Putin zwingt Verein in die Knie

Das Russische LGBT-Netzwerk stellt jetzt seine öffentliche Arbeit ein, nachdem ein Gericht die Organisation als „extremistisch“ eingestuft hat.
Lehrer und LGBTIQ+-Schüler

Rückhalt bringt bessere Noten

Eine neue US-Studie zeigt: Unterstützende Lehrkräfte und Freunde verbessern die Schulerfahrungen und Leistungen von queeren Jugendlichen deutlich.
Venedig zeigt queere Vielfalt

LGBTIQ+-Filmfest feiert Jubiläum

Der Queer Lion wird in Venedig zum 20. Mal vergeben. Zwölf Filme konkurrieren um den LGBTIQ+-Filmpreis beim internationalen Filmfestival.
Nancy Pelosi zieht Bilanz

Kampf für LGBTIQ+-Rechte

US-Politikerin Nancy Pelosi zieht eine Bilanz ihres LGBTIQ+-Engagements und blickt mit kritischem Blick in die Zukunft.
Heated Rivalry auf Blu-ray

Collector’s Edition kommt raus

Freude für die Fans: „Heated Rivalry“ erscheint mit Bonusmaterial auf DVD und Blu-ray, während die zweite Staffel bereits produziert wird.