Razzia in Aserbaidschan Polizei stürmt queere Diskothek in Baku
In der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku ist am 27. Dezember 2025 eine Razzia im queeren Labyrinth Club durchgeführt worden, bei der 106 Menschen festgenommen wurden. Die Opfer berichteten von brutalen Bedingungen und schwerwiegenden Misshandlungen durch die Polizei. Der Fall wurde erst jetzt publik.
Misshandlung durch die Polizei
Laut mehreren Menschenrechtsorganisationen erfolgte die Razzia gegen ein Uhr nachts ohne Vorwarnung. Die Gäste des Clubs, darunter Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans* und queere Personen, wurden gewaltsam zum Verlassen des Lokals gezwungen und in Polizeifahrzeuge verladen. Anschließend wurden sie zur Polizeiwache im Nasimi-Bezirk von Baku gebracht, wo sie stundenlang im Freien in der Kälte festgehalten wurden, ohne sich setzen zu dürfen – viele in leichter Kleidung. Anschließend wurden sie einzeln verhört, wobei die Fragen als demütigend beschrieben wurden, da sie persönliche und intime Fragen zur sexuellen Orientierung beinhalteten. Viele Betroffene berichteten überdies von körperlicher Gewalt. Die Polizei soll die Gefangenen körperlich misshandelt, verbal beschimpft und mit Drohungen sowie sexueller Gewalt erniedrigt haben.
„Wir bekamen eine leere Flasche und sollten sie mit Wasser aus der Toilette füllen und es trinken – alle 106 von uns“, berichtete eines der Opfer. „Als ein Mädchen einen epileptischen Anfall hatte, wurde sie ins Badezimmer gebracht, angeschrien und gesagt: ‚Du hast kein Recht, hier das Bewusstsein zu verlieren.‘“ Die Person erinnerte sich auch an einen weiteren Vorfall: „Eine meiner Freundinnen wurde wegen ihrer sexuellen Orientierung beschimpft, und jemand urinierte auf ihren Kopf.“ Zudem wurden alle Handys konfisziert, private Inhalte durchgesehen und kopiert, begleitet von Beleidigungen und psychologischen Druckmaßnahmen. Laut der queeren Organisation Qiy Vaar forderte die Polizei schlussendlich Bestechungsgelder, erst danach wurden die 106 Personen nach mehreren Stunden des Martyriums wieder freigelassen.
Forderung nach unabhängiger Untersuchung
„Staatliche Institutionen nutzen die fehlende rechtliche und institutionelle Absicherung der queeren Gemeinschaft aus und führen immer wieder geplante, massenhafte Razzien durch“, erklärte Qiy Vaar in einem Statement. Weiter hieß es, dass ähnliche Razzien auch im vergangenen Jahr durchgeführt wurden und dass solche Einsätze ein systematisches Problem darstellten. Eine ähnliche Razzia im Jahr 2017 hatte ebenfalls über 100 Festnahmen zur Folge, bei denen die Betroffenen misshandelt wurden.
Die europäische LGBTIQ+-Organisation ILGA Europe zeigte sich „zutiefst besorgt“ über die Vorwürfe und erklärte: „Wir stehen in Solidarität mit der LGBTIQ+-Gemeinschaft in Aserbaidschan und unterstützen unsere Mitgliedsorganisation Qiy Vaar in ihrer Forderung nach einer dringenden Untersuchung und einer öffentlichen Erklärung der Behörden.“ Die Organisation forderte außerdem, dass „die Menschenrechte und die Würde aller Menschen in Aserbaidschan gewahrt werden müssen“.
Trotz der Legalisierung homosexueller Handlungen in Aserbaidschan im Jahr 2000 bleibt Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität weiterhin rechtlich ungestraft. Gleichgeschlechtliche Ehen werden in Aserbaidschan nicht anerkannt. Homophobe Gewalt ist weit verbreitet und wird selten strafrechtlich verfolgt. Die Polizei wird immer wieder für Misshandlungen, Erpressung und Ausbeutung von LGBTIQ+-Personen kritisiert. Das Land wird von einem autoritären Regime unter Präsident Ilham Aliyev geführt, der seit 2003 an der Macht ist. Aserbaidschan hat ein stark zentralisiertes System, das die Pressefreiheit, politische Opposition und die Zivilgesellschaft stark einschränkt.