Homosexuelle in Turkmenistan Berichte dokumentierten Verschlechterung der Lage
Turkmenistan zählt zu den autoritärsten Staaten der Welt, in dem politische Freiheit, Pressefreiheit und Versammlungsfreiheit praktisch nicht existieren. Das Land wird vom Präsidenten geführt, wobei die Macht nahezu vollständig in den Händen des Staatsoberhauptes liegt. Die Verfassung räumt zwar einige Rechte ein, doch diese werden in der Praxis kaum gewährt. Internationale Beobachter stufen das Land als „nicht frei“ ein, da es keine freien Wahlen gibt, die Opposition repressiv verfolgt wird und die Medien vollständig kontrolliert werden. In diesem repressiven Klima sind LGBTIQ+-Menschen besonders gefährdet.
Radikalisierung im Land
Im Turkmenistan ist männliche Homosexualität illegal und wird gemäß Artikel 135 des Strafgesetzbuches mit Gefängnisstrafen von bis zu fünf Jahren bestraft. Weibliche Homosexualität wird nicht geahndet. Es existieren keinerlei rechtliche Schutzmaßnahmen gegen Diskriminierung von schwulen oder lesbischen Personen, und die Polizei ist regelmäßig in Folter und Misshandlungen involviert. Verfolgung und soziale Ausgrenzung sind für viele homosexuelle Menschen in Turkmenistan trauriger Alltag – die jüngsten Berichte aus dem stark abgeschotteten Land legen nahe, dass sich die Lage zuletzt weiter radikalisiert hat.
Arslan, ein junger Mann aus Turkmenistan, erzählt in einem Bericht von EQUAL PostOst von den dramatischen Folgen seiner sexuellen Orientierung in einem Land, in dem Homosexualität als Verbrechen gilt. Geboren 1995 in Turkmenabat, wuchs Arslan in einer armen und religiösen Familie auf. Schon im Teenageralter entdeckte er dank des Internets, dass seine sexuelle Orientierung keine Schuld war. In seinem Land aber war seine Identität ein gefährliches Geheimnis, das er vor der Gesellschaft verbergen musste.
Berichte von Betroffenen
Arslan zog nach Aschgabat, der Hauptstadt des Landes, und trat einer geheimen Schwulengemeinschaft bei. In dieser Zeit führte er eine lange, geheime Beziehung. Doch das Glück währte nicht lange. Als der Partner von Arslan verhaftet und gezwungen wurde, Namen von weiteren homosexuellen Männern zu nennen, folgte die Verhaftung von Arslan. Ihm wurde vorgeworfen, „Sodomie“ begangen zu haben. Der Prozess fand hinter verschlossenen Türen statt, und Arslan wurde zu zwei Jahren Haft verurteilt.
Im Gefängnis erlebte Arslan die grausame Realität für homosexuelle Insassen: Sie wurden in einem separaten Gebäude untergebracht, wo sie systematisch misshandelt und vergewaltigt wurden – ohne dass die Behörden eingriffen. Arslan, der während dieser Zeit auch versuchte, seinem Leben ein Ende zu setzen, fand sich in einem Teufelskreis von Gewalt und Verzweiflung wieder.
Flucht nach der Haft
Nachdem er dank einer Amnestie aus dem Gefängnis entlassen wurde, hatte Arslan keine Rückkehrmöglichkeit. Von seiner Familie wurde er verstoßen und als Homosexueller sozial geächtet. Um das tägliche Überleben zu sichern, musste er Zwangseinweisungen in psychiatrische Einrichtungen ertragen. Die Perspektive auf eine sichere Zukunft war ihm genommen, die ständige Gefahr neuer Verhaftungen ließ ihm keine andere Wahl, als schlussendlich zu fliehen.
Arslan gelang es, mit Unterstützung der Nichtregierungsorganisation EQUAL PostOst, die sich für verfolgte LGBTIQ+-Personen in den ehemaligen Sowjetstaaten einsetzt, das Land zu verlassen. Die Organisation half ihm mit Dokumenten, einer Notfall-Evakuierung und einem Asylantrag. Heute wartet Arslan auf eine Entscheidung über seinen Antrag auf internationalen Schutz, während die Organisation weiterhin nach einer sicheren Lösung für ihn sucht. „Die Verhältnisse für homosexuelle Menschen in Turkmenistan bleiben desaströs und verschlimmern sich zusehens, und Arslan ist nur eine von vielen tragischen Geschichten aus einem Land, in dem die Hoffnung auf Veränderung kaum greifbar scheint“, so ein Sprecher von EQUAL PostOst abschließend.