Direkt zum Inhalt

Entfesselter Missbrauch Human Rights Watch veröffentlicht Bericht zur Lage von Homosexuellen in Uganda

Von ms - 28.05.2025 - 13:00 Uhr
Entfesselter Missbrauch
Foto: IMAGO / CHROMORANGE
ANZEIGE
Loading audio player...

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) hat jetzt ein vernichtendes Urteil über das Anti-Homosexuellen-Gesetz in Uganda gefällt, welches seit inzwischen zwei Jahren existiert. Die Regierung habe den „Missbrauch entfesselt“ und dabei „staatliche Bigotterie“ verordnet. 

Missbrauch und Gewalt

Im Bericht listet der Verein im Detail willkürliche Verhaftungen und Inhaftierungen, Gewalt und Erpressung; mit dieser Politik habe die Regierung auch in anderen afrikanischen Ländern der Diskriminierung und Gewalt gegenüber Schwulen und Lesben massiv Vorschub geleistet. Das Parlament in Uganda habe des Weiteren Angriffe und Schikanen gegen Menschen und Organisationen gefördert, die als Unterstützer der Rechte von Homosexuellen gelten, so die weitere Kritik. Insgesamt wurde ein Zeitraum von August 2022 bis April 2025 erfasst, befragt wurden zudem unter anderem Homosexuelle, Familien, Rechtsorganisationen, Aktivisten, Journalisten und Politiker im Land. 

„Die Behörden haben Razzien bei Nichtregierungsorganisationen durchgeführt und diese suspendiert, willkürliche Verhaftungen und Inhaftierungen vorgenommen, über soziale Medien und Dating-Apps Fallen gestellt und Geld von LGBT-Personen im Austausch für ihre Freilassung aus dem Polizeigewahrsam erpresst“, so ein Sprecher von HRW. Der Staat habe dabei ein Umfeld geschaffen, das „Straffreiheit für Angriffe“ und „für sexuelle und andere Formen der Gewalt gegen LGBT-Personen“ ermögliche.

Zwei Jahre Hass und Diskriminierung

Ugandas Präsident Yoweri Museveni hatte im Mai 2023 das Anti-Homosexuellen-Gesetz unterzeichnet, dass für homosexuelle Handlungen jahrelange Gefängnisstrafen bis hin zur Todesstrafe vorsieht. Die Bevölkerung ist dabei angewiesen, Schwule und Lesben den Behörden zu melden. Der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Volker Türk, nannte das Gesetz „schockierend und diskriminierend“.

HRW-Forscher Oryem Nyeko: „In den letzten zwei Jahren haben LGBT-Ugander eine Reihe von Übergriffen erlitten, weil die Regierung vorsätzlich beschlossen hat, Hass gegen sie gesetzlich zu verankern. Die ugandischen Behörden müssen dieses Umfeld, das eine Vielzahl von Menschenrechtsverletzungen ermöglicht und zahllose Ugander einem ernsthaften Risiko des Missbrauchs aussetzt, dringend verbessern“, sagte er.

„Wir brauchen Schutz!“

Die HRW verzeichnete dabei allein binnen der letzten 14 Monate fast 700 Anfragen auf Rechtshilfe, insgesamt meldeten sich in knapp einem Jahr 850 Schwule und Lesben aufgrund von Menschenrechtsverletzungen. Die LGBTIQ+-Aktivistin Clare Byarugaba erklärte: „Die menschlichen Kosten des drakonischen Anti-Homosexualitätsgesetzes sind sehr hoch, und dieser neue Bericht von HRW liefert weitere Beweise für die Folgen von Ugandas staatlich geförderter Homophobie. Die fortgesetzte Durchsetzung legitimiert Diskriminierung, Ausgrenzung und Gewalt. Wir brauchen Schutz, keine Kriminalisierung! Unsere Menschenrechte sind angeboren und stehen nicht zur Debatte.“ 

Nyeko ergänzte: „Die staatlich sanktionierte Bigotterie und Diskriminierung, die sich in Uganda in den letzten zwei Jahren immer mehr verfestigt hat, hat keinen Platz in einer Gesellschaft, die die Menschenrechte und die Rechtsstaatlichkeit hochhält. Uganda sollte seine Angriffe auf LGBTIQ+-Menschen beenden und sich für eine Zukunft in Würde, Gleichheit und Freiheit für alle Menschen entscheiden, die dort leben.“ Im letzten Jahr berichtete auch Amnesty International über die dramatische Lage vor Ort. Politischer internationaler Druck zeigte bis heute keinerlei Wirkung.  

Anzeige

Auch Interessant

Queere Vielfalt im Tierreich

Wenn Widder auf Widder stehen

Manche Widder bevorzugen andere Männchen. Gleichgeschlechtliches Verhalten ist weit verbreitet – was Studien zeigen und wo Vergleiche hinken.
Ältere Brüder, schwule Söhne?

Was die Forschung wirklich zeigt

Ältere Brüder und schwule Söhne: Studien finden Zusammenhänge. Doch die Ursache ist nicht bewiesen – und die Statistik bleibt umstritten.
Dresden holt den EuroPride

Rückkehr nach 25 Jahren

Dresden richtet den EuroPride 2029 aus. Nach 25 Jahren kehrt das europäische Pride-Event nach Deutschland zurück. Das Motto setzt auf Brücken.
Streit um Pornoseiten

Sperren vorerst gestoppt

Pornhub und YouPorn müssen vorerst nicht gesperrt werden. Das OVG NRW verweist auf EU-Recht. Der Streit um wirksamen Jugendschutz geht weiter.
Empörung auf Bestellung

Ragebait ist Jugendwort 2026

„Ragebait“ ist das Jugendwort 2026. Was der Begriff bedeutet, warum Provokation Reichweite bringt und was die LGBTIQ+-Community daraus lernen kann.
Warnung von Andrew Scott

Kein Vergessen der Aids-Krise

Der schwule Schauspieler Andrew Scott fordert, die Aids-Krise nicht zu vergessen. Sein neuer Film „Elsinore“ erinnert an jene Zeit.
Schwuler Politiker wehrt sich

BDSM-Fotos sorgen für Wirbel

Alte BDSM-Fotos bringen den schwulen US-Politiker Chris Gallant in die Schlagzeilen. Doch der Kongresskandidat denkt nicht an Rückzug.
Coming-Out bleibt ein Tabu

Schwule Profis schweigen weiter

Thomas Hitzlsperger sieht kleine Fortschritte gegen Homophobie im Fußball. Doch viele schwule Profis fürchten ein Coming-Out selbst nach Karriereende.
Schutz für queere Jugendliche

Mamdani finanziert trans* Medizin

New York stellt neun Millionen Dollar für die Behandlung trans* Jugendlicher bereit, nachdem mehrere Kliniken ihre Angebote eingestellt haben.