Direkt zum Inhalt
LGBTIQ+ und AfD
ANZEIGE

LGBTIQ+ und AfD Neue Studie über die queere Wählerschaft der AfD

ms - 06.02.2025 - 12:00 Uhr
Loading audio player...

In dieser Woche sorgte eine Umfrage des Dating-Portals Romeo für heftige Debatten innerhalb der LGBTIQ+-Community: Die überdeutliche Mehrheit von rund 28 Prozent der rund 60.000 befragten Schwulen und Bisexuellen können sich bei der Bundestagswahl in diesem Monat vorstellen, die AfD zu wählen. Für viele stellt sich dabei nun die Frage nach dem Warum?

LGBTIQ+ und die AfD

Der Kulturanthropologe und wissenschaftliche Mitarbeiter am Institut für Europäische Ethnologie der Humboldt-Universität zu Berlin, Patrick Wielowiejski, ist zwei Jahre im Rahmen einer Forschungsarbeit dieser Frage nachgegangen. In seiner Dissertation „Rechtspopulismus und Homosexualität“ hat er sich dieser Frage angenähert. Dazu hat Wielowiejski auch eine Gruppe schwuler Mitglieder der AfD begleitet.

Wielowiejski betont, dass der Partei zwar Selbstbestimmung in vielen Bereichen des Lebens wichtig ist, diese aber bei der geschlechtlichen Identität enden würde – wie der Einsatz gegen das Selbstbestimmungsgesetz aufzeige. Zudem setze die AfD streng auf die „Realität der Zweigeschlechtlichkeit“.

Frage der Zweigeschlechtlichkeit

Solange Homosexuelle, Bisexuelle aber auch trans* Personen die Zweigeschlechtlichkeit anerkennen, würden sie von der Partei toleriert werden. Wielowiejski benennt dabei auch die Gruppe der „Alternativen Homosexuellen“ (AHO), schwule Politiker in der AfD. Die Mitglieder würden dabei versuchen, aufzuzeigen, dass Homosexualität und die AfD sich nicht ausschließen, mehr noch, die AHO-Menschen würden „größtenteils akzeptiert“ werden. 

Wielowiejski hält dazu fest: „Im Ergebnis haben wir es nicht primär mit Homo- oder Transfeindlichkeit zu tun – auch wenn diese mitnichten ganz verschwunden sind – sondern vor allem mit Queerfeindlichkeit.“ Der Kulturanthropologe gibt allerdings auch zu bedenken, dass nicht alle in der AfD mit dieser Sichtweise und den „liberalen westlichen Werten“ etwas anfangen können. Für einige Parteifreunde gilt dabei allerdings demnach offenbar trotzdem die Denkweise, dass „rechte Homosexuelle“ immer noch „normaler“ als „die Linken“ seien. 

Nein zur „Gender-Ideologie“

Zudem müssten sich Schwule, Lesben, Bisexuelle und auch trans* Personen in der Partei klar gegen die „Gender-Ideologie“ aussprechen. „LGBTs innerhalb der AfD müssen nicht nur glaubhaft machen, damit nichts zu tun zu haben, sondern argumentativ und performativ die vermeintlichen Annahmen der ´Gender-Ideologie´ widerlegen“, so Wielowiejski. 

Zudem müssten laut dem Kulturanthropologen schwule Männer ohne jeden Zweifel ihre Männlichkeit bestätigen, wobei die Männer der AHO durch die „Gender-Ideologie“ eine Abschaffung der Geschlechter und damit eine Gefährdung der eigenen Identität als schwule Männer sehen würden. 

Das Fazit von Wielowiejski: „Die rechten Bündnisse und ihr Konsens bleiben jedoch widersprüchlich und fragil. Einerseits verbindet die AfD mit der Integration von geschlechtlichen und sexuellen Minderheiten die Hoffnung, gesamtgesellschaftlich anschlussfähiger zu werden. Andererseits ist es für rechte Homosexuelle und trans Personen harte Arbeit, sowohl innerhalb der AfD als auch nach außen hin zu plausibilisieren, wieso man gut ins rechte Lager passt. Vor allem ist fraglich, ob die vorgebrachten Argumente LGBT-Personen in der Breite überzeugen können.“

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Senegal verschärft Vorgehen

Acht Frauen festgenommen

Im Senegal wurden acht Frauen wegen lesbischer Beziehungen festgenommen – die Ermittlungen lösten Kritik aus, die Regierung hält an ihrem Kurs fest.
Siege bei Commonwealth Games

Medaillen für LGBTIQ+-Athletinnen

Voller Erfolg: Offen lebende LGBTIQ+-Athletinnen holten bei den Commonwealth Games sieben Medaillen und wären als Team auf Rang 14 gelandet.
DoxyPEP im Supermarkt

Neues STI-Angebot in Großbritannien

Der Drogerieanbieter Superdrug bietet als erster britischer Einzelhändler DoxyPEP an – ein Medikament zur Vorbeugung bestimmter bakterieller STIs.
Ghanas radikaler Weg

Verschärfung von Hass-Gesetz

Ghanas Parlament will ein umstrittenes Anti-LGBTIQ+-Gesetz erneut beraten und möglicherweise die Strafen noch einmal verschärfen.
Mehr Hass trotz Pride

Über 270 Attacken in Amsterdam

Beim World Pride Amsterdam wurden bisher mehr als 270 LGBTIQ+-feindliche Vorfälle gemeldet – darunter Beleidigungen, Drohungen und Gewalt.
Slowakei auf Konfrontation

Regierung widersetzt sich EuGH

Die Slowakei will gleichgeschlechtliche Ehen aus dem EU-Ausland weiter nicht anerkennen und stellt sich damit gegen ein EuGH-Urteil.
Ermittlungen zum CSD Anschlag

Sicherheitsbehörden unter Druck

Zehn Tage nach dem Anschlag auf den Berliner CSD ringen Sicherheitsbehörden weiter um Antworten. Gab es womöglich einen zweiten Täter?
Natur trifft Sehnsucht

Faszination schwule Angler

Schwule Angler stehen für Authentizität und eine Form von Männlichkeit, die in der Community zunehmend als Gegenentwurf zum Großstadtleben fasziniert.
Gregg Araki fordert mehr Mut

Provokation mit Botschaft

Regisseur Gregg Araki sieht sexuelle Unterdrückung als Ursache vieler gesellschaftlicher Probleme und wirbt für mehr Offenheit und queere Sichtbarkeit