Direkt zum Inhalt
Stimmungsmache gegen die Homo-Ehe
Rubrik

Stimmungsmache in den USA Angst in der Gay-Community: Ein erster Kongressabgeordneter fordert die Streichung der Homo-Ehe

ms - 04.12.2024 - 12:00 Uhr

Die Stimmung in den USA ist nach der Wiederwahl von Donald Trump nach wie vor sehr angespannt, insbesondere in der LGBTI*-Community. Große Aufmerksamkeit erhielt da nun eine Forderung des republikanischen Kongressabgeordneten Josh Schriver aus Michigan – der christliche Lehrer rief dazu auf, die gleichgeschlechtliche Ehe in den USA wieder „illegal zu machen“. Schriver erntete damit einen Shitstorm in den sozialen Medien.

„Perverse“ Entscheidung für die Homo-Ehe

Der junge Politiker sitzt im Repräsentantenhaus und vertritt einen Bezirk in der Nähe von Detroit. Nach den ersten Kritiken verteidigte der Politiker seine Aussage weiterhin auf X und betonte, seine Haltung sei „nicht im Entferntesten kontrovers und auch nicht extrem“. 

Und weiter: „Vor 20 Jahren war Barack Obama in Sachen Ehe konservativer als viele Republikaner heute. Amerika hat die Homo-Ehe erst ´akzeptiert´, nachdem sie ihm durch eine perverse Entscheidung des Obersten Gerichtshofs aufgezwungen wurde. Amerika 2124 muss nicht so dysfunktional sein wie Amerika 2024.“ 

Stich ins Herz der Gay-Community

Seit der Entscheidung des Obersten Gerichtshofs von 2015 sind Homo-Ehen landesweit legal, wenngleich es in rund 40 Staaten noch Verbotsgesetze in der Verfassung gibt, die dank des Supreme Courts nur außer Kraft gesetzt sind. 

Bewusst sticht der Republikaner damit genau jene Ängste an, die in der schwul-lesbischen Community seit Monaten diskutiert werden und zuletzt zu einer Flut von homosexuellen Hochzeiten führte: Zwei der neun inzwischen mehrheitlich konservativen Richter am Supreme Court hatten in der Vergangenheit mehrfach Überlegungen angestellt, die Rechtslage noch einmal überprüfen zu wollen – sollte der Oberste Gerichtshof das Urteil der Vorgänger zurücknehmen, werden neue Eheschließungen zwischen Homosexuellen in vielen US-Bundesstaaten wieder illegal. Das von Präsident Joe Biden verabschiedete Bundesgesetz von 2022 schützt nur bereits bestehende gleichgeschlechtliche Ehen. 

Kritik auch von Parteikollegen 

Brandon Wolf, der Pressesprecher der queeren Human Rights Campaign, zeigte sich empört über die Aussage des Republikaners und verwies auf die überwältigende öffentliche Unterstützung für die Gleichstellung der Ehe: „Mehr als Zweidrittel der Amerikaner sind anderer Meinung. Für den Fall, dass diese Zahl schwer zu begreifen ist – es ist eine größere Marge als jene, die Sie gewählt haben.“ Laut den jüngsten Gallup-Umfragen unterstützen 69 Prozent der US-Amerikaner die gleichgeschlechtliche Ehe.  

Kritik kommt verstärkt auch aus den eigenen Reihen. Der Republikaner David Leatherwood bezeichnete die Äußerungen als „dummes Geschwätz“, ein anderer Kongressabgeordnete betonte, Schriver aber völlig falsche Prioritäten. Die Gegner der Homo-Ehe sind heutzutage unter den Republikanern in der Minderheit, auch Donald Trump unterstützte bisher solche Vorschläge nicht und hat auch während seiner ersten Amtszeit die Homo-Ehe nicht angegriffen. 

ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Gesetzesvorhaben für die Tonne

Kein EU-Antidiskriminierungsschutz

Gesetzesvorhaben für die Tonne: Das Ende der EU-Antidiskriminierungsrichtlinie ist da. Queere Verbände agieren zwischen Verzweiflung und Kampfeslust.
Beeindruckendes Karriere-Ende

US-Basketballerin Diana Taurasi

Nach 20 Jahren an der Spitze beendet die lesbische US-Basketball-Ikone Diana Taurasi ihre Karriere und geht mit ihrer Leistung in die Geschichte ein.
Attacke auf die Ehe für alle

Angriff von neun US-Bundesstaaten

Es ist der bisher gefährlichste Angriff auf die Ehe für alle in den USA: Neun Bundesstaaten und eine neue Resolution wollen die Homo-Ehe beenden!
Was ist Diskriminierung genau?

Gefährlicher Fall vor Gerichtshof

Der US-Supreme Court wird bis zum Sommer entscheiden, wie Diskriminierung am Arbeitsplatz neu definiert werden soll - eine große Gefahr für LGBTIQ+.
Teilerfolg für The 1975

Gericht in London stärkt Brit-Band

Ein schwuler Kuss in Malaysia und die Folgen: Die britische Band konnte jetzt im Rechtsstreit einen Teilerfolg für sich vor Gericht verbuchen.
Überprüfung von NGOs

Union stellt Anfrage im Bundestag

Wie weit dürfen NGOs Parteipolitik betreiben oder fördern? Die Union stellte jetzt eine Anfrage im Bundestag, Grüne und Linke kritisieren dies scharf.
Notfallmedikament bei Chemsex

Künftig ohne Rezept in der Apotheke

Notfallmedikament bei Chemsex: Der Nasenspray Naloxon kann zum Lebensretter bei Überdosierungen werden - und soll künftig einfacher zu haben sein.
Neuer Dämpfer für Trump

Richter stoppt weitere Dekrete

Was passiert mit dem Verbot von Gleichberechtigungs-Programmen an US-Schulen? Das Dekret von US-Präsident Trump stoppte jetzt vorerst ein Richter.
Enttäuschung bei Amnesty

Neuer Fokus auf Menschenrechte

Amnesty International fordert nach der Bundestagswahl ein Umdenken in der Politik: Eine neue Regierung müsse Menschenrechte wie LGBTIQ+ im Fokus haben