Direkt zum Inhalt
Mpox-Neuregelung in Berlin

Mpox-Neuregelung in Berlin Einigung über Impf-Finanzierung nach monatelangem Streit

ms - 05.09.2024 - 14:00 Uhr
Loading audio player...

Endlich herrscht in Berlin Klarheit – der Streitfall um die Bezahlung der zweifachen Mpox-Impfung ist beigelegt, schwule und bisexuelle Männer können sich ab sofort wieder stressfrei gegen die Affenpocken impfen lassen. Die Neuregelung kommt zu einer Zeit, da eine neue gefährlichere Variante in Afrika um sich greift, einen ersten Fall gab es inzwischen auch in Europa

Allerhöchste Zeit für Einigung

Seit Anfang des Jahres gab es zwischen der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Berlin sowie den gesetzlichen Krankenkassen Streit über die Finanzierung der Impfungen sowie über die Frage, welcher der zwei Wirkstoffe Jynneos und Imvanex zum Einsatz kommen soll. Der Kooperationsvertrag bezüglich Jynneos war Mitte Dezember 2023 ausgelaufen, eine Vereinbarung für Imvanex fehlte bis jetzt, sodass impfwillige Männer die Substanz selbst bei Apotheken besorgen und finanziell in Vorleistung gehen mussten – in vielen Fällen schreckte das vor einer Impfung ab. 

Eine besonders heikle Ausgangslage gerade in Berlin, wo im Jahr 2022 rund die Hälfte aller 3.800 Fälle von Affenpocken in Deutschland verzeichnet worden waren. Aus dem Vorstand der Berliner KV hieß es daher jetzt: „Angesichts der weltweit zunehmenden Fälle von Erkrankungen mit Mpox war es allerhöchste Zeit für diese Einigung." 

Starke Nachfrage in Berlin

Die neuen Vereinbarungen greifen jetzt bei allen gesetzlich Versicherten, die die Voraussetzungen der Schutzimpfungs-Richtlinie erfüllen. Nebst Labor-Personal ist das in erster Linie die Risikogruppe der schwulen und bisexuellen Männer mit wechselnden Sexualpartnern. Bei der ersten Mpox-Welle im Jahr 2022 hatte sich das Virus beinahe ausschließlich unter Homosexuellen in Europa verbreitet, grundsätzlich können aber alle Menschen daran erkranken. 

In Berlin stieg nach Angaben des Senats die Nachfrage zuletzt sprunghaft an, pro Woche lassen sich derzeit bis zu 40 Personen gegen Mpox impfen. Seit Jahresbeginn verzeichnete die Regenbogenhauptstadt insgesamt 37 neue Affenpocken-Erkrankungen, allesamt allerdings mit der sogenannten Klade II aus dem Jahr 2022. Nach Recherchen des Deutschen Ärzteblattes gibt es bisher nebst Berlin nur in vier weiteren Bundesländern Abrechnungsverein­barungen für Imvanex: Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Saarland und Schleswig-Holstein. 

Mpox-Notlage 

In Afrika steigt derzeit die Zahl von schweren Mpox-Erkrankungen und Todesfällen Woche für Woche sprunghaft an, die neue Virusvariante 1b ist leichter übertragbar und hat einen deutlich schwereren Krankheitsverlauf. Die Sterblichkeitsrate bei Erwachsenen liegt derzeit bei rund fünf Prozent, bei Jugendlichen sogar bei zehn Prozent – besonders gefährdet sind dabei auch Menschen mit HIV. 

In Schweden wurde vor kurzem ein erster europäischer Fall registriert. Gesundheitsorganisationen sowie auch das Robert Koch-Institut haben dazu aufgerufen, sich als Mitglied einer Risikogruppe zeitnah impfen zu lassen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat zuvor die globale Notlage ausgerufen. Laut Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) haben einige Bundesländer noch Impfstoffe vorrätig, der Bund verfügt überdies über rund 117.000 Impfstoffdosen. 

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Premium-Abo mit Goldkante?

Preismodell schon jetzt in Kritik

Die beliebte Dating-App Grindr startet in ausgewählten Regionen ein Premium-Abonnement zum stolzen Preis von bis zu 500 US-Dollar pro Monat.
Dobrindt verweist auf Tatort

Verfahren gegen nichtbinäre Maja T.

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt verteidigt das strafrechtliche Vorgehen und das Urteil gegen die nichtbinäre deutsche Person Maja T. in Ungarn.
Neues Maß für das Arbeitsrecht

Weisungsrecht beim Gendern betont

Urteil in Hamburg: Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber dürfen ihren Mitarbeitenden geschlechtergerechte Sprache verbindlich vorschreiben.
Mehr Finanzmittel gefordert

Auszeichnung für queeres Engagement

Mit der Übergabe der „Goldmarie“ beim Queeren Neujahrsempfang 2026 wurden zwei herausragende Persönlichkeiten für ihr Engagement im geehrt.
Penisgate bei Olympia

Wenn die Beule zu groß ist

Penisgate! Der Intimbereich der Skispringer wird bei den Olympischen Winterspielen ab heute exakt vermessen, denn die Beule darf nicht zu groß sein.
Morde in Brasilien

Höchste Opferzahlen bei LGBTIQ+

Für Schwule und trans* Menschen bleibt Brasilien ein tödliches Pflaster mit hohen Mordraten. Weltweit die meisten trans* Personen werden dort ermordet
Homophobe Schmähungen

Neuer Vorfall im britischen Fußball

In England sorgen homophobe Beleidigungen bei einem Fußballspiel erneut für Schlagzeilen - einer von rund 1.400 gemeldeten Vorfälle der Saison.
Social-Media-Verbot

CDU-Plan für Deutschland

Die CDU will ein Social-Media-Verbot für alle Unter-16-Jährigen einführen. Dazu müssten die Daten aller Nutzer registriert werden.
Teilweise Kehrtwende

Behandlung queerer US-Jugendlicher

Zwei große US-Ärzteverbände sprechen sich jetzt gegen Operationen bei trans* Jugendlichen aus. Queere Verbände betonen einen Rückschritt für LGBTIQ+.