Direkt zum Inhalt
Kritik an Reformplänen
ANZEIGE

Kritik an Reformplänen Streitfall über "biologisches Geschlecht" zwischen Buschmann und queeren Verbänden

ms - 21.10.2024 - 11:50 Uhr
Loading audio player...

Nachdem das Bundesjustizministerium Anfang Oktober die Gesetzentwürfe für eine Reform des Familienrechts an die Länder weitergeleitet hat in der Hoffnung, das Verfahren damit voranzutreiben, melden sich nun acht queere Verbände zu Wort und kritisieren das Ministerium in mehreren Punkten – unter anderem für die Anerkennung des „biologischen Geschlechts“. Queere Familien würden dabei erneut diskriminiert werden. 

Streit mit Buschmann 

So schreibt das Bündnis der Verbände: „Der Entwurf führt erstmals die Kategorie ´biologisches Geschlecht´ im Abstammungsrecht ein. Eltern, die ihren Geschlechtseintrag geändert haben, sollen mit dem ihnen bei Geburt zugeordneten Geschlecht in das Geburtenregister eingetragen werden.“ 

Dies ist einer von zwei zentralen Punkten, von denen Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) auch nicht abweichen möchte. Zuletzt erklärte er dazu: „Ein Kind hat auch künftig nur zwei rechtliche Eltern. Und: Die Frau, die das Kind gebiert, ist auch künftig stets Mutter des Kindes, ohne dass ihre Rechtsstellung anfechtbar oder einer Vereinbarung zugänglich ist.“ 

Die queeren Verbände indes betonen dabei das, am ersten November in Kraft tretende Selbstbestimmungsgesetz, welches „Selbst- statt Fremdbestimmung“ versprochen habe. 

Kein Schutz gegen juristischen Missbrauch

Weitere Kritikpunkte aus Sicht der Vereine ist zum einen, dass es keine „zufriedenstellende Rückwirkungsmöglichkeit“ gibt für sogenannte „Nodoption“-Familien, also all jene, bei denen ein Gerichtsverfahren anhängig ist. Hier müsse der Staat rückwirkend die Kosten tragen. 

Zum anderen soll das Abstammungsrecht mit dem Gesetzgebungsverfahren zur Verhinderung sogenannter missbräuchlicher Vaterschaften verknüpft werden – Ziel davon ist es, dass ausländische Staatsbürger über die Anerkennung einer Vaterschaft das Ausländerrecht nicht umgehen können; anderenfalls wäre dies  möglich, selbst dann, wenn die Personen mit dem Kind keine genetische oder sozial-familiäre Beziehung haben. Diese juristische Schutzmaßnahme zum Missbrauch lehnen die Vereine aber ab. 

Samenspender und leibliche Väter

Zuletzt betont das Bündnis mit Blick auf das Anfechtungsrecht: „Der genetische Beitrag leiblicher Väter darf gegenüber der sozial-familiären Elternschaft nicht unverhältnismäßig aufgewertet werden. Dass in dem Gesetzesentwurf Samenspender mit leiblichen Vätern gleichgestellt werden, entspricht nicht der Bedeutung ihres Beitrags an der Entstehung des Kindes.“ 

Die Kritik an den Reformplänen kommt vom Deutschen Juristinnenbund (djb), der Initiative Nodoption, der Bundesarbeitsgemeinschaft Schwule Jurist*innen (BASJ), der TIN-Rechtshilfe, der Deutschen Gesellschaft für Trans*- und Inter*geschlechtlichkeit (dgti), dem Verein Intergeschlechtliche Menschen, dem Bundesverband Trans* (BVT*) sowie dem Verband Queere Vielfalt LSVD+. 

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Natur trifft Sehnsucht

Faszination schwule Angler

Schwule Angler stehen für Authentizität und eine Form von Männlichkeit, die in der Community zunehmend als Gegenentwurf zum Großstadtleben fasziniert.
Gregg Araki fordert mehr Mut

Provokation mit Botschaft

Regisseur Gregg Araki sieht sexuelle Unterdrückung als Ursache vieler gesellschaftlicher Probleme und wirbt für mehr Offenheit und queere Sichtbarkeit
ESC-Suche nimmt Fahrt auf

Vorentscheid im Februar geplant

Der SWR plant den deutschen ESC-Vorentscheid erneut für Februar und überträgt dem neuen Musikteam eine Schlüsselrolle. Das Ziel ist der Sieg des ESC.
CSD vor finanzieller Hürde

Pride in Brandenburg in Gefahr

Der CSD Rathenow steht nach dem Wegfall einer staatlichen Förderung vor finanziellen Problemen und erhöht zugleich seine Sicherheitsvorkehrungen.
Boy George sagt Auftritt ab

Musical besetzt Rolle neu

Nach Kritik an einem umstrittenen Pro-Israel-Song zieht sich Boy George kurzfristig aus der Musicalshow „Jesus Christ Superstar“ in London zurück.
Aidshilfe Heidelberg

Finanzielle Zukunft ungewiss

Die Aidshilfe Heidelberg warnt vor finanziellen Einschnitten und sieht ihre Arbeit ohne weitere Zuschüsse gefährdet.
Besonderes Jubiläum

25 Jahre Lebenspartnerschaft

Vor 25 Jahren trat das Lebenspartnerschaftsgesetz in Deutschland in Kraft – ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Gleichstellung homosexueller Paare.
Die Angst nimmt zu

Sicherheitsgefühl nach CSD-Anschlag

Nach dem CSD-Anschlag in Berlin fühlen sich laut aktueller Befragung viele Menschen unsicherer und fordern mehr Schutz für die queere Community.
Warnung von Kevin Kühnert

Queere Rechte bleiben verletzlich

Der schwule Ex-Generalsektretär der SPD, Kevin Kühnert, sieht queere Fortschritte nicht als unumkehrbar und warnt vor wachsender Unsicherheit.