Direkt zum Inhalt
US- Klage gegen Kürzungen

Klage gegen Kürzungen Anwaltsbündnis klagt im Namen von 16 Forschern gegen Sparpläne bei der queeren US-Gesundheit

ms - 22.05.2025 - 15:00 Uhr
Loading audio player...

Anfang des Monats schockte die US-Regierung mit ihren jüngsten Plänen, beim Haushalt 2026 massiv den Rotstift ansetzen zu wollen – vor allem bei der LGBTIQ+-Gesundheitsforschung sowie im Bereich HIV-Prävention und medizinische Versorgung sollen Milliarden US-Dollar gekürzt werden. Mehrere Anwaltskanzleien haben sich jetzt zusammengeschlossen und dagegen Klage eingereicht. 

Rückfall im Jahrzehnte

Für Experten im Gesundheitsbereich ist die Situation klar, die Mittelkürzungen würden die LGBTIQ+-Gesundheit „um Jahrzehnte“ zurückwerfen. Auch ein deutlicher Anstieg von Neu-Infektionen bei Geschlechtskrankheiten sei äußerst wahrscheinlich. Geht es nach der US-Regierung, werden allein über einhundert Zuschüsse im Bereich der HIV-Forschung getilgt.  

Die queere Rechtshilfe-Organisation Lambda Legal hat nun deswegen zusammen mit den Anwaltskanzleien Crowell & Moring LLP und Bryan Cave Leighton Paisner LLP im Namen von 16 Forschern Klage beim Bezirksgericht von Maryland gegen das National Institute of Health (NIH) und das Department of Health and Human Services (HHS) eingereicht. Zu den weiteren Klägern gehört die gemeinnützige Organisation Health Professionals Advancing LGBTQ+-Equality (GLMA). 

Verstoß gegen die Verfassung?

Als Klagegrund nennen die Anwälte das Verwaltungsverfahrensgesetz, weil die US-Regierung Gelder streichen will, die der frühere US-Kongress der Biden-Administration bereits freigegeben hatte. Außerdem würden die Mittelkürzungen auch gegen die Verfassung verstoßen. „Es ist unmöglich, die zutiefst verheerenden Auswirkungen zu übertreiben, die diese Kündigungen auf meine Forschung und die meiner Mitkläger hatten“, so Mit-Kläger Dr. Carl Streed, Professor an der Boston University Chobanian and Avedisian School of Medicine und Forschungsleiter für das Gender Care Center am Boston Medical Center. 

Streed betonte weiter: „Diese Kürzungen garantieren, dass die besonderen Gesundheitsbedürfnisse von LGBTIQ+-Personen nicht erforscht und nicht berücksichtigt werden, dass klinische Studien auf halbem Wege abgebrochen werden und dass das Leben der Studienteilnehmer stark beeinträchtigt wird. Darüber hinaus werden die Karrieren von Forschern dezimiert werden, was uns um Jahrzehnte zurückwirft.“

Gefahr für die LGBTIQ+-Gesundheit

Omar Gonzalez-Pagan, Anwalt und Gesundheitsexperte bei Lambda Legal, betonte zudem: „Mit der Entscheidung, keine Forschung zu finanzieren, die sich mit den gesundheitlichen Bedürfnissen von LGBTIQ+-Personen befasst, hat sich das NIH von unserer Gemeinschaft abgewandt und gegen sein gesetzliches Mandat verstoßen, Forschung zu finanzieren, die sich mit gesundheitlichen Ungleichheiten von Minderheiten sowie sexuellen und geschlechtlichen Minderheiten befasst. Darüber hinaus gefährdet das Vorgehen der NIH die Gesundheit und das Wohlergehen nicht nur von LGBTIQ+ Menschen, sondern der gesamten Öffentlichkeit, indem es alle Innovationen und Entdeckungen, die im Zusammenhang mit dieser Forschung entstehen könnten, verhindert. Wir werden nicht zulassen, dass diese Regierung uns in die dunklen Tage zurückversetzt, als unsere Bundesregierung die Gesundheitsbedürfnisse von LGBTIQ+-Menschen während des Höhepunkts der AIDS-Krise ignorierte.“ Ob und falls wie die Klage erfolgreich sein könnte, ist derzeit realistisch betrachtet noch nicht absehbar. 

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Demo mit Ian McKellen

Kritik an Commonwealth-Gesetzen

Ian McKellen hat an einer Londoner Demo teilgenommen, die sich gegen die Kriminalisierung von LGBTIQ+-Personen in Commonwealth-Staaten richtet.
Zander Murray und Manosphere

Homophobie im Profi-Fußball

Zander Murray, erster offen schwuler schottischer Profifußballer, kritisiert anhaltende Homophobie und den Einfluss der „Manosphere“ im Fußball.
Der ewige George Santos

Neue Ermittlungen der US-Justiz

Der Lügenbaron und Ex-US-Politiker George Santos wurde erst Ende 2025 von Trump begnadigt, nun gibt es neue Ermittlungen wegen Wett-Betrugs gegen ihn.
Syphilis-Fälle sinken deutlich

Aufatmen in Großbritannien

Die Zahl der Syphilis-Diagnosen bei schwulen und bisexuellen Männern in Großbritannien ist 2025 deutlich zurückgegangen – erstmals seit Jahren!
Beratung für junge Menschen

Rekordzahlen aus Großbritannien

Tausende britische Jugendliche haben sich 2025 mit Fragen zur sexueller Orientierung an Childline gewandt. Zentrales Thema war das Coming-Out.
Neue US-Gesetzesinitiative

Kommt die LGBTIQ+-Helpline zurück?

Kalifornien reagiert jetzt auf die Abschaffung der LGBTIQ+-Hotline und will Jugendlichen in Krisensituationen verstärkt helfen.
Pride Monat und US-Firmen

Unterstützung zahlt sich aus

Eine neue Umfrage zeigt, dass US-Bürger Unternehmen, die Pride und LGBTIQ+-Rechte unterstützen, positiv sehen.
Verfassungsschutz in Berlin

Massive Zunahme von Extremismus

Der Berliner Verfassungsschutz warnt vor wachsendem Extremismus in Deutschland. Opfer davon sind immer wieder auch LGBTIQ+-Menschen.
Ghana prüft LGBTIQ+-Gesetz

Präsident kündigt Überprüfung an

In Ghana soll das vom Parlament beschlossene Gesetz gegen LGBTIQ+-Personen vor einer möglichen Inkraftsetzung noch rechtlich überprüft werden.