Direkt zum Inhalt

Kampf für die Homo-Ehe Colorado schließt sich Kalifornien und Hawaii an - ausreichend für den Erhalt der gleichgeschlechtlichen Ehe?

Von ms - 23.10.2024 - 15:00 Uhr
Kampf für die Homo-Ehe
Foto: iStock / SeventyFour
ANZEIGE
Loading audio player...

Da waren es drei – nach Kalifornien und Hawaii lässt Anfang November im Zuge der Präsidentschaftswahlen nun auch der US-Bundestaat Colorado über ein homophobes Gesetz abstimmen, das nach wie vor die gleichgeschlechtliche Ehe verbietet. In allen drei Bundesstaaten existieren noch Richtlinien in der Verfassung, die gleichgeschlechtliche Ehen untersagen – seit 2015 sind diese durch die Entscheidung des Obersten Gerichtshofes der USA im Fall Obergefell v. Hodges nur in den Schlummerzustand versetzt worden. 

„Korrektur“ der Homo-Ehe

Die Ehe zwischen Schwulen und Lesben ist seitdem landesweit erlaubt – die Frage ist nur, wie lange noch? Die inzwischen mehrheitlich konservativen Richter am Supreme Court haben bereits mehrfach angedeutet, die Sachlage möglicherweise ähnlich wie das Recht auf Abtreibung vor zwei Jahren neu bewerten zu wollen. 

Geschieht dies tatsächlich und würde das Grundrecht auf Ehe für Homosexuelle aufgehoben werden, griffen automatisch wieder die Verbotsgesetze der einzelnen Bundesstaaten. Die schärfsten Kritiker der Homo-Ehe sind dabei die beiden Richter Samuel Alito und Clarence Thomas, sie wünschen sich eine „Korrektur“, um „festgestellte Fehler“ beim Urteil für die Öffnung der Ehe auszubessern. 

Veraltete Definitionen 

Kalifornien, Hawaii und Colorado wollen für ihre Gay-Community kein böses Erwachen und hoffen daher, mittels eines Votums aus der Bevölkerung jene Gesetzespassagen zeitnah ändern zu können, die eine Ehe nach wie vor nur als Verbindung zwischen Mann und Frau definieren. 

Colorados Senatorin Joann Ginal von den Demokraten betonte dazu: „Als Vertreter des Volkes von Colorado sind wir gemeinsam dafür verantwortlich, die Grundsätze der Gleichheit und Gerechtigkeit für alle Bürger, unabhängig von ihrer politischen Zugehörigkeit, zu wahren. Während wir heute geschützt sind, spiegelt unsere Staatsverfassung immer noch veraltete Sprache und Werte wider.“ 

Und ihre Kollegin, Senatorin Sonya Jaquez Lewis, ergänzt: „Unsere LGBTI*-Community hat große Angst. Sie lebt in der Furcht, dass ihnen ihr Rechte wieder genommen werden.“ Dagegen hilft auch der „Respect for Marriage Act“ nichts, den US-Präsident Joe Biden 2022 unterzeichnete. Die landesweite Verordnung verpflichtet alle Bundesstaaten, gleichgeschlechtliche Ehen vollumfänglich rechtlich anzuerkennen – verlangt aber nicht von ihnen, neue Ehelizenzen für Homosexuelle auszustellen. 

Ehe-Verbot in halb Amerika?

Die Faktenlage zeigt, wie real die Gefahr ist: Aktuell gibt es laut dem Movement Advancement Project, einer Denkfabrik für LGBTI*, in zehn US-Bundesstaaten schlummernde Gesetze, die Homo-Ehen verbieten. In 30 weiteren Bundesstaaten wird eine gleichgeschlechtliche Ehe durch die Definition in der Verfassung untersagt. 

In den meisten dieser Fälle würden die derzeit ruhenden Bestimmungen wieder in Kraft treten, sollte der Supreme Court das Urteil im Fall Obergefell v. Hodges kippen, betont Paul Smith, Juraprofessor aus Georgetown, der 2003 den bahnbrechenden Fall Lawrence v. Texas vor dem Obersten Gerichtshof vertrat, der die verbleibenden Anti-Sodomie-Gesetze des Landes aufhob und damit verschiedene homosexuelle Sexpraktiken wie beispielsweise Analverkehr zwischen erwachsenen Männern legal machte. Für Schwule war das Urteil 2003 ein Meilenstein auf dem Weg hin zu mehr Gleichberechtigung. 

Anzeige

Auch Interessant

Rätsel um tote trans* Frau

Mutter fordert Gerechtigkeit

Nach dem Tod der 21-jährigen trans* Frau Jhené Audrict in St. Louis untersucht die Polizei jetzt den Fall inzwischen als mögliches Tötungsdelikt.
Ein schwuler US-Sheriff

Brett Jones schreibt Geschichte

Der Demokrat Brett Jones wird Alabamas erster offen homosexueller Sheriff. Er will die Sicherheit im US-Bundesstaat verstärken.
Eheverbot auf Fidschi?

Homosexuelle Rechte unter Druck

Christliche Gruppen auf Fidschi wollen homosexuelle Ehen ausdrücklich in der Verfassung verbieten. Die Regierung hält am Diskriminierungsschutz fest.
Alex Ukkelberg ist schwul

Coming-Out im Profi-Volleyball

Der US-Beachvolleyballspieler Alex Ukkelberg spricht erstmals öffentlich über seine Homosexualität und erklärt, warum Sichtbarkeit für ihn wichtig ist.
Australien schreibt Geschichte

Schwuler Landeschef in Queensland

Thomas Bradley ist der erste offen schwule Gouverneur in Australien. Der Jurist wurde jetzt in Queensland als Gouverneur vereidigt.
Strategien gegen Mobbing

Schüler entwickeln Initiative

Mehr als 65.000 Schüler beteiligten sich an Aktionen gegen Mobbing und Cybermobbing – besonders viele Anfeindungen erleben LGBTIQ+-Jugendliche.
Ägypten bekämpft News-Portal

Freier Journalismus unter Druck

Nach Schikanen droht dem LGBTIQ+-freundlichen Nachrichtenportal Mada Masr in Ägypten die Schließung. Chefredakteurin Lina Attalah steht vor Gericht.
Klimakonferenz unter Druck

Amnesty warnt vor Repressionen

Amnesty International fordert vor der COP31 in der Türkei den Schutz von Journalisten, Umweltaktivisten und LGBTIQ+-Menschen und warnt vor Gefahren.
Neuer Rekord im US-Kongress

Mindestens 17 LGBTIQ+-Mitglieder

Der 2027 zusammentretende US-Kongress könnte mit mindestens 17 offen LGBTIQ+-zugehörigen Mitgliedern einen historischen Höchststand erreichen.