Platon ist zu schwul Skurriler Streit um Philosophie-Lehre in Texas
An der Texas A&M Universität sorgt ein Streit um antike Philosophie für landesweites Aufsehen. Einem Dozenten wurde dabei untersagt, in einem Einführungskurs Texte von Platon zu behandeln, denn diese könnten kurz gesagt „zu schwul“ sein und insgeheim die „Gender-Ideologie“ fördern.
Platons Texte über die Liebe
Professor Martin Peterson machte dabei E-Mails öffentlich, in denen ihm aus der Universitätsverwaltung nahegelegt wird, „die Module zu Rassen- und Gender-Ideologie sowie die Platon-Lektüren, die solche Inhalte enthalten könnten“, zu entfernen. Konkret geht es um Passagen aus Platons „Symposion“, darunter Aristophanes’ Mythos über den Ursprung der Liebe und Diotimas „Leiter der Liebe“, in denen auch gleichgeschlechtliche Liebe thematisiert wird.
Wie das Fachportal Daily Nous berichtet, wurde Peterson inzwischen mehrfach aufgefordert, den Lehrplan seines Kurses „Contemporary Moral Problems“ zu überprüfen. Die Hochschulleitung habe die Platon-Texte dabei ausdrücklich diskutiert. In einer E-Mail verweist die Vorsitzende des Philosophie-Departments, Kristi Sweet, auf eine im November 2025 verabschiedete Richtlinie des Board of Regents, das oberste Aufsichts- und Leitungsgremium der staatlichen Universität. Dieses verbietet Lehrveranstaltungen, die „Rassen- oder Gender-Ideologie oder Themen im Zusammenhang mit sexueller Orientierung oder Geschlechtsidentität befürworten“, sofern dafür keine „vorherige schriftliche Genehmigung des zuständigen CEO“ vorliegt.
Allerdings könnten einige fortgeschrittene Kurse entsprechende Themen behandeln, aber nur dann, wenn ein „notwendiger Bildungszweck“ final nachgewiesen werde. Der betroffene Kurs sei jedoch eine Einführungsveranstaltung – und falle damit nicht unter diese Ausnahme. Übersetzt heißt das: Platon ja, aber bitte nicht zu viel Liebe.
Zensur der Lehrkräfte
Die neuen Regeln gehen noch weiter. Sie schränken Diskussionen zu sexueller Orientierung ein, verpflichten Lehrkräfte, strikt beim genehmigten Lehrplan zu bleiben, sehen eine Datenbank vor, die per KI nach verbotenen Inhalten durchsucht werden soll, und sehen die Einrichtung einer Hotline vor, über die Studenten „unrichtige oder irreführende Kursinhalte“ künftig melden können. Kritiker sehen darin Zensur und einen Angriff auf die akademische Freiheit.
Peterson wiederum sieht durch die neuen Vorgaben seine Rechte verletzt. In seiner Antwort an die Department-Leitung betonte er, die beanstandeten Texte seien Teil einer Vorlesung über sexuelle Moral. „Diese Themen werden landesweit üblicherweise in solchen Kursen behandelt.“ Zudem seien sie Bestandteil des vorgeschriebenen Lehrbuchs.
„Bitte beachten Sie, dass mein Kurs keine Ideologie befürwortet. Ich vermittle Studenten, wie man Argumente strukturiert und bewertet, die in Diskussionen über zeitgenössische moralische Fragen häufig vorgebracht werden“, so Peterson weiter. Im weiteren Verlauf betonte der Akademiker überdies: „Texas A&M ist eine öffentliche Einrichtung und an den Ersten Verfassungszusatz gebunden.“ Der Oberste Gerichtshof habe klargestellt, dass akademische Freiheit „ein besonderes Anliegen des Ersten Verfassungszusatzes ist, der keine Gesetze duldet, die einen Schleier der Orthodoxie über das Klassenzimmer legen“.
Liebe unter Menschen
Inhaltlich geht es in den verbotenen Texten um große Fragen – und recht bunte Bilder. Aristophanes beschreibt Menschen mit zwei Köpfen, vier Armen und vier Beinen sowie drei Geschlechtern: männlich, weiblich und eine Mischung aus beidem. Weil diese Wesen zu mächtig wurden, habe Zeus sie gespalten. Seitdem suchten Menschen ihre andere Hälfte – eine Erklärung dafür, warum es Liebe gibt und warum manche Menschen homosexuell und andere heterosexuell sind.
Diotimas „Leiter der Liebe“ wiederum führt von der körperlichen Anziehung bis zur höchsten Form der Liebe: zur Schönheit an sich, „eine ewige Schönheit, die weder entsteht noch vergeht, weder blüht noch verblasst“. Ob diese antiken Gedanken künftig wieder im Hörsaal diskutiert werden dürfen, ist derzeit offen. Sicher ist nur: Selbst 2.400 Jahre nach Platon kann griechische Liebe offenbar noch immer für politischen Zündstoff sorgen.