Direkt zum Inhalt
Flucht nach Argentinien

Flucht nach Argentinien Tausende Russen finden in Lateinamerika eine neue Heimat

ms - 14.11.2025 - 11:00 Uhr
Loading audio player...

Die Lebensrealität für LGBTIQ+-Menschen in Russland wird immer gefährlicher, immer mehr Homosexuelle und queere Personen sehen nach dem Anti-Homosexuellen-Gesetz, der Extremismus-Einstufung der LGBTIQ+-Community und der neusten Zensur im Internet und bei App-Anbietern keine Zukunft mehr für sich im Land. Seit 2023 haben die Zahlen von russischen Flüchtlingen stark zugenommen, viele von ihnen zog es bisher nach Spanien. Nun versuchen offenbar immer mehr von ihnen auch in Argentinien ihr Glück zu finden. 

Viele Rechte für queere Einwanderer 

Nach Recherche der New York Times nahm die Zahl der russischen Emigranten im Land in den letzten Monaten stark zu. Zusammen mit weiteren Russen, die aus anderen Gründen ihr Land verlassen mussten, stieg die Zahl seit Beginn des Ukraine-Krieges auf rund 120.000 Personen an. Argentinien hat dabei eine lange Geschichte als Einwanderungsland, im 19. und 20. Jahrhundert kamen viele osteuropäische Juden ins Land, in den 1990er eine erste Welle von Russen, die die zusammenbrechende Sowjetunion verließen.

Für LGBTIQ+-Menschen ist das Land besonders reizvoll, weil die Regierung mit mehreren Gesetzen den Schutz von queeren Personen gestärkt hat. Argentinien war auch das erste Land Lateinamerikas, das die gleichgeschlechtliche Ehe und die Selbstbestimmung des Geschlechts eingeführt hat. Zudem gibt es eine Besonderheit in der argentinischen Verfassung – darin wurde bereits 1853 festgehalten, dass „alle Menschen auf der Welt, die auf argentinischem Boden leben wollen, willkommen sind.“ Gegenüber der New York Times betont einer der geflüchteten Russen, der schwule, 27-jährige Giordani Taldyki: „Die Rechte von Einwanderern sind hier in der Verfassung verankert. Ich dachte mir: ‚Okay, das gefällt mir wirklich gut.‘“

Neues Leben trotz Probleme 

Mariano Ruiz, Direktor der argentinischen LGBTIQ+-Asylorganisation im Rahmen des Human Rights Advocates Programms, bestätigt diese Entwicklung – in den letzten Monaten seien über 1.800 queere Menschen ins Land gekommen, hauptsächlich dabei schwule Männer und trans* Personen. Einmal angekommen, würden alle die große Freiheit, die neue Lebensqualität und die Chance schätzen, endlich frei und offen leben zu dürfen. 

Allerdings ist nicht alles eitel Sonnenschein, viele LGBTIQ+-Argentinier blicken auch mit Sorge auf die Politik von Präsident Javier Milei, zudem haben die Fälle von Hasskriminalität im Land zuletzt drastisch zugenommen, allein im ersten Halbjahr 2025 kam es zu einem Anstieg von rund 70 Prozent, insgesamt 17 homosexuelle und queere Menschen starben durch Morde wie auch durch Suizide aufgrund von massiven Anfeindungen. Die Nationale Beobachtungsstelle spricht von einer „besonders brutalen Ausprägung von Hass“, Brennpunkt ist dabei Buenos Aires. Es wirft kein gutes Licht auf die Lebensrealität in Russland, wenn Russen das Leben als LGBTIQ+-Person in Argentinien trotzdem als große Befreiung wahrnehmen. 

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Iran wirft ihnen Verrat vor

Sportlerinnen schweigen bei Hymne

Beim Asien-Cup im Frauenfußball in Australien sorgten die Spielerinnen aus dem Iran mit einer mutigen Geste für internationales Aufsehen.
Prozess gegen Ex-FDP-Politiker

Zusammen 7-Jährigen missbraucht?

Prozessauftakt gegen den ehemaligen FDP-Bundestagsabgeordneten Hartmut Ebbing und eine Lehrerin wegen sexuellem Missbrauch eines Siebenjährigen.
Sex mit einer KI

Mehrheit hat Lust auf Experimente

Sex mit einer KI? Eine neue Studie zeigt auf: Für 55 Prozent der Menschen ist das reizvoll, insbesondere beim Ausleben von Sex-Wünschen und Fetischen.
Mordfall Billy London

Neue Dokumentation über Horrortat

Der schwule Adultstar Billy London wurde 1990 im Alter von 25 Jahren grausam ermordet, ein Cold Case für viele Jahre. Eine neue Doku zeigt nun Details
Lachnummer Donald Trump

Goldstatue vor dem US-Kapitol

Eine Goldstatue im Park vor dem US-Kapitol zeigt derzeit US-Präsident Donald Trump in einer homoerotischen Szene mit Verbrecher Jeffrey Epstein.
Trump droht mit Stillstand

Streit um Wählerregistrierung

US-Präsident Trump verbindet Gesetze zur besseren Wählerregistrierung mit neuen Anti-Trans-Gesetzen und fordert "Vollgas" bei der Umsetzung.
Zweite Pride-Klage ausgesetzt

Pécs Pride-Organisator vor Gericht

Nach Budapest wurde nun auch das Verfahren gegen den Pécs Pride-Organisator ausgesetzt. Die Richter hinterfragen die Rechtmäßigkeit des Pride-Verbots.
Sieg auf ganzer Linie

Homosexuellen-Rechte in der Ukraine

Während die Ukraine gerade an einem extremen Anti-LGBTIQ+-Gesetz bastelt, bestätigte das Oberste Gericht nun die Rechtmäßigkeit einer schwulen Ehe.