Direkt zum Inhalt
Flucht aus Russland

Flucht aus Russland Zahl der queeren Flüchtlinge hat sich in Spanien verdoppelt

ms - 10.09.2025 - 16:00 Uhr
Loading audio player...

Die Lage für homosexuelle und queere Russen wird immer dramatischer, die Razzien in Schwulenclubs nehmen ebenso zu – eingebettet sind alle Maßnahmen in das Anti-Homosexuellen-Gesetz sowie in die Extremismus-Einstufung der LGBTIQ+-Community. Wer kann, flüchtet. Die spanische Flüchtlingskommission CEAR veröffentlichte jetzt erste Daten zur Situation in ihrem Land: Seit 2023 hat sich die Zahl der Asylanträge aus Russland verdoppelt – knapp 60 Prozent von ihnen wurde bereits ein Flüchtlingsstatus zugesprochen.  

Angst und Feindseligkeit 

Russland-Experte und Journalist Marc Marginedas betonte dazu gegenüber NBC News: „Die russische Propaganda hat ein Klima geschaffen, das mit dem in Nazi-Deutschland vergleichbar ist. Putin nutzt einen ´äußeren Feind´, um die Gesellschaft zu mobilisieren und von militärischen Misserfolgen abzulenken. Angst und Feindseligkeit sind daher allgegenwertig.“ Einfach ist der Neuanfang in Spanien für viele Russen aber trotzdem nicht, das offizielle Verfahren kann sich bis zu zwei Jahre hinziehen, wobei Verzögerungen den Zugang zu Arbeitsplätzen und grundlegenden Dienstleistungen erschweren.

Surreales neues Glück 

Trotzdem betonten einige LGBTIQ+-Menschen gegenüber NBC News, wie dankbar sie sind, Präsident Putin entkommen zu sein. Eine davon ist die bisexuelle russische Asylbewerberin Diana (24), die dieses Jahr erstmals beim Pride in Madrid teilnahm und zu den rund einhundert russischen Staatsbürgern gehörte, die auf der Parade Regenbogenfahnen schwenkten und „Russland ohne Putin“ skandierten. „Es fühlte sich immer noch so surreal an. Ich konnte nicht glauben, dass ich dafür nicht ins Gefängnis kommen würde. Alle um mich herum waren so glücklich.“ 

Auch der schwule russische Fernsehjournalist Ilia Andreev (23) floh aus seiner Heimat: „Als ich einmal Ohrringe in der Sendung trug, wurde ich von der Nachrichtenchefin und der leitenden Programmproduzentin sofort zu sich gerufen. Sie sagten mir, sie hätten viele Anrufe erhalten, in denen sich Leute über meine sogenannte Schwulenpropaganda wegen der Ohrringe beschwerten.“

Spanien als neue Heimat 

Warum viele junge Russen gerade nach Spanien flüchten, erklärte Elma Saiz, Ministerin für Inklusion, soziale Sicherheit und Migration, so: „Spanien ist international als ein Land anerkannt, das die Menschenrechte und insbesondere die Rechte und Freiheiten der LGBTIQ+-Community besonders achtet.“ Andreev engagiert sich derzeit in einer queeren Rechtsgruppe und hofft in der Zukunft wieder als Journalist arbeiten zu dürfen, dann in Spanien. Diana hat bereits eine Stelle online gefunden.  

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Wegen Hänseleien jetzt Hip-Hop

Lehrerin setzt sich für Schüler ein

Ein achtjähriger Junge verlässt in Italien seine Ballett- und Modern Dance-Kurse. Er wurde von Gleichaltrigen verspottet, weil er tanzt.
Landesweite Debatte in den USA

Donald Trump ordnete Entfernung an

Die Forderung nach der Rückkehr der Pride-Flagge am Stonewall-Denkmal entfacht eine US-Debatte über Sichtbarkeit und politische Einflussnahme.
Budapester Bürgermeister

Zeichen gegen queerfeindliche Politik

Der Berliner Regierende Bürgermeister Kai Wegner hat den Budapester Amtskollegen Gergely Karácsony zum diesjährigen Christopher Street Day in Berlin eingeladen.
Hasskriminalität gegen LGBTIQ+

Stagnation 2025 auf hohem Niveau

Nach den vorläufigen Zahlen kam es 2025 zu über 2.000 Angriffen auf LGBTIQ+-Menschen, die Dunkelziffer dürfte um 90 Prozent höher liegen.
Erfolge bei Olympia

Gute Woche für LGBTIQ+-Athleten

Die erste Woche bei den Olympischen Winterspielen war für LGBTIQ+-Athleten sehr erfolgreich, bisher gab es fünf Medaillen, darunter vier Mal Gold.
Starker Anstieg von Homophobie

Viel Hass britischer Fußballfans

In Großbritannien haben die homophoben Übergriffe im Umfeld des Fußballs zuletzt massiv zugenommen, eine neue Kampagne soll jetzt Abhilfe schaffen.
Trauriges Jubiläum in Kamerun

10 Jahre homophobes Hass-Gesetz

Der verschärfte Strafartikel Artikel 347-1 schafft in Kamerun seit nunmehr zehn Jahren ein Klima der Angst vor Gewalt unter Schwulen und Lesben.
Überraschung bei Disney

Erster Film mit trans* Charakter

Der Disney Konzern hat seinen ersten Film mit einem trans* Charakter angekündigt und vollzieht damit eine Kehrtwende zu jüngsten Entwicklungen.