Sex mit einer KI Sexuelle Wünsche lieber mit der KI als real ausleben?
Über die Hälfte der Erwachsenen ist laut einer aktuellen Umfrage bereit, sexuelle Experimente mit Künstlicher Intelligenz (KI) auszuprobieren. Die Plattform „Joi AI“, die sich auf sogenannte „AI-lationships“ spezialisiert hat, befragte 25.000 Erwachsene, darunter auch LGBTIQ+-Menschen. 55 Prozent der Teilnehmer gaben dabei an, offen dafür zu sein, sexuell mit KI zu experimentieren oder dies als erotisch zu empfinden.
Sexuelle Lüste dank KI?
45 Prozent der Befragten erklärten zudem, dass sie die Vorstellung von Dreierbeziehungen mit ihrem Partner und einer KI als „heiß“ finden. 61 Prozent fühlten sich dabei sogar wohler, ihre sexuellen Wünsche oder Fetische mit KI zu teilen als mit einer anderen Person. Ebenfalls 61 Prozent gaben an, dass KI ihnen geholfen habe, bisher unbekannte Neigungen oder sexuelle Interessen zu entdecken.
Die Daten stimmen überein mit zwei weiteren Studien aus Schweden, die zu ähnlichen Ergebnissen gekommen sind. 60 Prozent der Befragten aus mehreren europäischen Ländern und den USA haben KI bereits für ihre sexuelle oder zwischenmenschliche Kommunikation genutzt. Männer stärker als Frauen und die junge, queer-affine Generation mehr als ältere Generationen. Jeder Dritte nutzt die KI, um Fetische, Rollenspiele oder anderweitige Fantasien auszuleben.
Kritik am Umgang mit der KI
Trotz dieser Offenheit bestehen weiterhin viele Bedenken hinsichtlich des Einsatzes von KI für sexuelle Zwecke. So wurde zuletzt auch die Plattform X stark kritisiert, weil das KI-System Grok auf Nutzerwunsch sexualisierte Bilder von Menschen erstellt haben soll. X bekräftigte, dass illegale Inhalte entfernt und entsprechende Konten dauerhaft gesperrt werden. Zudem arbeite man bei Bedarf mit lokalen Regierungen und Strafverfolgungsbehörden zusammenarbeiten. „Jeder, der Grok nutzt oder auffordert, illegale Inhalte zu erstellen, wird die gleichen Konsequenzen erleiden wie beim Hochladen illegaler Inhalte“, so ein X-Sprecher.
Viele Bedenken gibt es allerdings auch von Expertenseite. Paar- und Sexualtherapeutin Dr. Beatrice Wagner erklärte so im Interview mit SCHWULISSIMO: „Sexualität hat mehrere Aspekte. Da gibt es zum Beispiel den triebhaften beziehungsweise rein geilen Aspekt, und dann auch den zwischenmenschlichen Aspekt. Der Triebhafte wird sicher erst einmal durch die neuen Möglichkeiten befeuert werden. Der Zwischenmenschliche wird dabei verkümmern. Allerdings wird sich die rein triebhafte Sexualität irgendwann von selbst erledigen. Irgendwann werden die Steigerungsmöglichkeiten erschöpft sein. Und was denn, wenn kein Mensch da ist, der dies mit liebevoller Intimität auffängt?“