Neue Razzia in der Türkei Sieben schwule Männer in Bar verhaftet
Nach einer weiteren Razzia in einer Schwulen-Bar in der türkischen Hauptstadt Ankara sind jetzt sieben Menschen festgenommen worden. Die Staatsanwaltschaft begründete das Vorgehen damit, die Bar verstoße gegen „Sitte und Moral“, indem sie sexuell explizite Unterhaltung anbiete und entsprechende Veranstaltungen durchführe.
Das Wichtigste im Überblick
- Türkische Behörden durchsuchten eine Schwulen-Bar in Ankara.
- Sieben Menschen wurden festgenommen und einem Gericht überstellt.
- Die Staatsanwaltschaft begründet das Vorgehen mit Verstößen gegen „Sitte und Moral“.
- Auslöser waren Beschwerden beim Präsidialen Kommunikationszentrum CİMER.
- Seit Jahren geht die türkische Regierung verstärkt gegen die LGBTIQ+-Community vor.
Festnahmen ohne Begründung
Nach Angaben der Ermittler waren Beschwerden beim Präsidialen Kommunikationszentrum CİMER Auslöser der Ermittlungen. Über die Behörde können Bürgerinnen und Bürger Beschwerden oder Anfragen direkt an das Büro des türkischen Präsidenten richten. Die Staatsanwaltschaft erklärte, im Zuge der Ermittlungen seien Zeugen befragt, soziale Netzwerke ausgewertet sowie weitere öffentlich zugängliche Quellen überprüft worden. Anschließend sei die Gay-Bar durchsucht und sieben Menschen festgenommen worden. Auf welcher Rechtsgrundlage die Maßnahmen erfolgten, teilten die Behörden nicht mit. Nach den Vernehmungen seien die Festgenommenen einem Gericht überstellt worden.
Der Einsatz fand auch in den türkischen Medien große Beachtung. Vor allem regierungsnahe Medien verwendeten dabei immer wieder offen homophobe Begriffe. So wurden abwertende Bezeichnungen für Schwulenpartys genutzt. Zudem war davon die Rede, Männer hätten miteinander erotisch getanzt, außerdem fielen Formulierungen wie „LGBTIQ+-Perversionen“, teilweise bereits in den Schlagzeilen.
Rigides Vorgehen gegen Community
Bereits vor wenigen Wochen hatten die Behörden in Istanbul eine der ältesten Schwulen-Clubs der Metropole geschlossen. Anlass war nach Angaben der Betreiber, dass die Bar Passagiere einer Gay Cruise mit Flyern zum Besuch eingeladen hatte. Die Bar musste daraufhin schließen, der Kreuzfahrt wurde zudem untersagt, türkische Häfen anzulaufen. Seit mehreren Jahren verschärft die türkische Regierung ihr Vorgehen gegen homosexuelle und queere Menschen. Pride-Veranstaltungen und weitere Aktionen der LGBTIQ+-Community werden regelmäßig verboten. Kritiker werfen der Regierung vor, LGBTIQ+-Menschen zunehmend zum Feindbild zu erklären, während traditionelle Familienbilder und konservative Werte staatlich propagiert werden. Zudem arbeitet die Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdoğan aktuell an einem umfassenden Anti-LGBTIQ+-Gesetz.