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Jugendnetzwerk Lambda Weiteres Bangen um die Zukunft, Druck auf Ministerin steigt

Von ms - 30.07.2026 - 13:30 Uhr
Jugendnetzwerk Lambda
Foto: iSock / Ladanifer
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Das queere Jugendnetzwerk Lambda erhält nach der Kündigung seiner Rahmenvereinbarung durch das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend breite Unterstützung aus der Zivilgesellschaft. Nach Angaben des Verbands haben inzwischen 198 Organisationen einen offenen Brief unterzeichnet, in dem Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) aufgefordert wird, die Entscheidung zurückzunehmen.

Das Wichtigste im Überblick

  • 198 Organisationen unterstützen den offenen Brief des Jugendnetzwerks Lambda.
  • Sie fordern Bundesfamilienministerin Karin Prien auf, die Kündigung der Rahmenvereinbarung zurückzunehmen.
  • Mehr als 600 Menschen haben seit Bekanntwerden der Kündigung eine Mitgliedschaft bei Lambda beantragt.
  • Eine Finanzierung der Arbeit ab 2027 ist weiterhin ungeklärt.
  • Lambda hält eine Projektförderung für keinen Ersatz einer dauerhaften Grundfinanzierung.

Breite Unterstützung aus Gesellschaft

Zu den Unterzeichnern gehören Jugendverbände, Landesjugendringe, Wohlfahrtsverbände, queere Organisationen sowie weitere zivilgesellschaftliche Initiativen. Gemeinsam sprechen sie sich dafür aus, die Arbeit der einzigen bundesweiten Selbstorganisation queerer junger Menschen weiterhin finanziell abzusichern. „Die große Unterstützung zeigt, dass es hier nicht allein um das Jugendnetzwerk Lambda geht. Es geht um die Frage, ob junge queere Menschen auch künftig eine eigene bundesweite Stimme, sichere Räume und verlässliche Strukturen der Selbstorganisation haben“, erklärt der Bundesvorstand.

Nach Angaben des Verbands ist seit Bekanntwerden der Kündigung auch das Interesse an einer Mitgliedschaft stark gestiegen. Mehr als 600 neue Mitgliedschaftsanträge seien inzwischen eingegangen. Die breite Unterstützung aus der Zivilgesellschaft und der Mitgliederzuwachs stärkten den Verband nach eigenen Angaben in den laufenden Gesprächen mit dem Bundesministerium. Eine konkrete Perspektive für die Finanzierung der Arbeit ab dem Jahr 2027 gebe es bislang jedoch nicht.

Ministerium verweist auf Projektförderung

In einer schriftlichen Antwort vom 21. Juli 2026 auf eine parlamentarische Anfrage erklärte die Parlamentarische Staatssekretärin Mareike Lotte Wulf, Lambda könne auch künftig Fördermittel aus dem Kinder- und Jugendplan des Bundes beantragen. Nach Angaben des Jugendnetzwerks wurde dem Verband eine Projektförderung in Aussicht gestellt. Daraufhin hat Lambda ein erstes fachliches Konzept ausgearbeitet und dem Ministerium übermittelt. Seitdem habe es jedoch keine Rückmeldung zum weiteren Verfahren oder zum zeitlichen Ablauf gegeben. Deshalb sei derzeit weder absehbar, wann mit einer Entscheidung gerechnet werden könne, noch wie realistisch eine Förderung tatsächlich sei.

Grundsätzlich stehe Lambda weiteren Gesprächen mit dem Bundesministerium offen gegenüber. Zugleich macht der Bundesvorstand deutlich, dass eine Projektförderung aus seiner Sicht keine dauerhafte institutionelle Förderung ersetzen könne. „Eine mögliche Projektförderung kann eine Rahmenförderung nicht ersetzen. Jugendverbandsarbeit besteht nicht nur aus einzelnen Projekten, sondern braucht eine stabile Grundfinanzierung. Eine Projektförderung finanziert in der Regel ein klar abgegrenztes Vorhaben mit festgelegten Zielen, Laufzeiten und Maßnahmen. Eine Rahmenförderung hingegen sichert die Struktur, die solche Vorhaben überhaupt erst möglich macht.“

Kritik an Begründung des Ministeriums

Das Bundesministerium betont in seiner Antwort zudem, mit der Kündigung sei ausdrücklich keine Abkehr von der Unterstützung queerer Jugendarbeit verbunden. Zur Begründung verweist es unter anderem darauf, dass Themen der geschlechtlichen und sexuellen Vielfalt inzwischen in vielen Jugendverbänden verankert seien. Der Bundesvorstand von Lambda widerspricht dieser Einschätzung. „Auch wenn das Bundesministerium keine Abkehr von der Unterstützung queerer junger Menschen beabsichtigt, hat die Kündigung der Rahmenvereinbarung faktisch genau diese Wirkung. Dass andere Jugendverbände queere Lebensrealitäten stärker mitdenken, ist ein wichtiger Fortschritt. Es ersetzt jedoch keine eigenständige queere Jugendverbandsarbeit, in der junge queere Menschen selbst Räume gestalten, ihre Interessen formulieren und politische Teilhabe organisieren.“ Darüber hinaus verweist der Verband darauf, dass die Argumentation des Ministeriums aus seiner Sicht sowohl § 12 des Sozialgesetzbuches VIII zur Förderung von Jugendverbänden als auch § 4a SGB VIII widerspreche. Dort sei vorgesehen, dass selbstorganisierte Zusammenschlüsse zur Selbstvertretung ebenfalls gefördert werden.

Verband warnt vor Aus der Angebote

Nach Angaben von Lambda müssten die Angebote des Verbands zum Jahresende eingestellt werden, sollte keine tragfähige Finanzierung zustande kommen. „Wir kämpfen gerade mit aller Kraft dafür, dass Lambda auch 2027 für queere junge Menschen da sein kann. Unsere Angebote geben jungen Menschen Halt und können im Ernstfall Leben retten. Schaffen können wir das nur mit breiter Unterstützung. Jede*r kann helfen – mit Zeit, Geld oder indem unsere Situation sichtbar gemacht wird. Alle Möglichkeiten, uns zu unterstützen, finden sich unter lambda-online.de/lambda-retten.“

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