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Schwulenclub muss schließen Behördenanordnung in Istanbul sorgt für Wut in der Szene

Von ms - 03.07.2026 - 12:00 Uhr
Schwulenclub muss schließen
Foto: Instagram / Tek Yön
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Der schwule Club Tek Yön im Stadtteil Beyoğlu ist vor wenigen Tagen am vergangenen Wochenende auf Anordnung der Behörden geschlossen worden. Nach Angaben des Istanbuler Gouverneursamts seien bei Kontrollen „gesetzeswidrige Praktiken und Verstöße gegen geltende Vorschriften“ festgestellt worden. Konkrete Details zu den beanstandeten Verstößen nannten die Behörden nicht.

Das Wichtigste im Überblick

  • Der Schwulenclub Tek Yön in Istanbul wurde auf Anordnung der Behörden geschlossen.
  • Vorausgegangen war eine Kampagne regierungsnaher Medien gegen das Lokal.
  • Der Betreiber weist die Vorwürfe der Behörden entschieden zurück.
  • Tek Yön war seit Jahren ein zentraler Treffpunkt der schwulen Community.
  • Die Schließung steht im Kontext zunehmenden politischen Drucks auf LGBTIQ+-Menschen in der Türkei.

Hass-Kampagne gegen Gay-Club

Der Club inklusive Bar zählte über Jahre zu den bekanntesten Treffpunkten der Community in Istanbul und galt insbesondere für schwule Männer als wichtiger sozialer und kultureller Anlaufpunkt. Gegründet worden war die Einrichtung bereits 2008. Vor der Schließung war Tek Yön Ziel einer breit angelegten, hasserfüllten Medienkampagne regierungsnaher Medien geworden. Die Zeitung Yeni Şafak veröffentlichte unter anderem Schlagzeilen wie „Was für eine Dreistigkeit: Gay-Club will Party auf dem Bosporus veranstalten“. 

Auslöser der Berichterstattung war ein Social-Media-Beitrag des Clubs zur „Mediterranean Gay Cruise 2026“. In mehreren Artikeln wurde daraus der Vorwurf konstruiert, der Club organisiere eine große „Gay-Party“ auf einem Kreuzfahrtschiff und werbe gezielt um homosexuelle Reisende aus dem Ausland. Kurz nach diesen Veröffentlichungen wurde die Schließung des Clubs angeordnet.

Vorfälle bewusst konstruiert 

Der Betreiber von Tek Yön widersprach den Vorwürfen in einer Stellungnahme deutlich. „Unser Betrieb hat keinerlei Verbindung zur Organisation, zum Betrieb oder zur Anmietung des Atlantis-Schiffes“, erklärte das Unternehmen. Auch habe es keine Planung oder Genehmigung für eine Veranstaltung an Bord gegeben. Der betreffende Social-Media-Beitrag sei missverständlich formuliert gewesen. Tatsächlich habe sich die Einladung ausschließlich an Passagiere gerichtet, die nach ihrer Ankunft in Istanbul eine reguläre Veranstaltung im Club besuchen sollten. „Wir haben keine besondere Veranstaltung für die Gäste des Schiffes geplant“, heißt es in der Erklärung weiter.

Zudem betont der Betreiber, dass Tek Yön seit seiner Gründung im Jahr 2008 durchgehend im Einklang mit geltendem Recht betrieben worden sei. Die Behauptung, der Club richte sich gegen die türkische Familienstruktur oder öffentliche Moral, werde daher strikt zurückgewiesen. Man prüfe rechtliche Schritte gegen Medien, die nach Ansicht des Unternehmens falsche Darstellungen verbreitet und wirtschaftlichen Schaden verursacht hätten. Parallel zu den Vorgängen berichtete Yeni Şafak, dass die betroffene Kreuzfahrt ihren geplanten Stopp in Istanbul inzwischen aus dem Programm gestrichen habe. Die Reise sollte Anfang Juli mehrere Mittelmeerhäfen anlaufen, darunter Kuşadası und Istanbul. Online zeigen sich viele schwule Männer auf Plattformen wie X wütend und frustriert, dass nun einer der letzten großen Treffpunkte für die Community schließen musste.  

Massives Vorgehen gegen Community

Tek Yön galt über viele Jahre hinweg als eines der bekanntesten schwulen Lokale der Türkei. Besonders in der Szene schwuler und bisexueller Männer war der Club ein zentraler Treffpunkt. Mit Musik, Tanz und einem geschützten Raum für Begegnungen prägte er das Nachtleben im Istanbuler Stadtteil Beyoğlu und wurde von vielen Gästen als sogenannter Safe Space wahrgenommen. Die Schließung erfolgt vor dem Hintergrund zunehmender Einschränkungen für LGBTIQ+-Menschen in der Türkei. Erst kürzlich hatten Behörden Pride-Veranstaltungen in Istanbul und Izmir verboten. Dennoch kam es zu Demonstrationen, bei denen mindestens 50 Menschen in Istanbul und weitere 36 in Izmir festgenommen wurden. Unter den Festgenommenen befand sich auch eine Journalistin.

Bereits zuvor waren zahlreiche Social-Media-Konten von LGBTIQ+-Organisationen gesperrt worden. Auch Ermittlungen gegen Aktivisten und Kulturschaffende haben zuletzt massiv zugenommen, letzte Woche waren über 200 Personen festgenommen worden, darunter auch der schwule Chefredakteur Yıldız Tar des größten LGBTIQ+-Nachrichtenportals der Türkei, KaosGL. Menschenrechtsorganisationen warnen vor einer weiteren Verschärfung der Lage. Präsident Recep Tayyip Erdoğan äußert sich regelmäßig kritisch über LGBTIQ+-Menschen und bezeichnet sie in Reden als Gefahr für die traditionelle Familie, aktuell wird an einem umfassenden Anti-LGBTIQ+-Gesetz gearbeitet. 

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