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Bittere Zahlen

Bittere Zahlen Acht von 1.248 WM-Fußballer stehen für queere Rechte ein

ms - 19.06.2026 - 13:00 Uhr
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Kurz vor dem weiteren Verlauf der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 sorgt eine neue Auswertung für Aufmerksamkeit. Demnach haben sich von insgesamt 1.248 nominierten Spielern in diesem Jahr lediglich acht davon im Laufe ihrer Karriere öffentlich und eindeutig für die Rechte von LGBTIQ+-Menschen ausgesprochen.

Das Wichtigste im Überblick

  • Laut einer Auswertung haben sich nur acht der 1.248 Spieler der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 öffentlich für LGBTIQ+-Rechte positioniert.
  • Die Zahl entspricht einem Anteil von 0,64 Prozent aller WM-Teilnehmer.
  • Genannt werden unter anderem Harry Kane, Marcus Rashford, Manuel Neuer und Leon Goretzka.
  • Mehrere der Spieler engagierten sich gegen Homophobie oder unterstützten offen schwule Fußballer.
  • Die Debatte fällt in eine Weltmeisterschaft, die bereits wegen Menschenrechtsfragen und eines geplanten „Pride Match“ zwischen Ägypten und Iran im Fokus steht.

Auswertung sorgt für Diskussionen

Veröffentlicht wurden die Angaben vom Instagram-Kanal „Antifa Ultras“. Demnach entspricht die Zahl einem Anteil von lediglich 0,64 Prozent aller WM-Teilnehmer. Die tatsächliche Zahl könnte zwar höher liegen, da nicht jede Äußerung oder Solidaritätsbekundung öffentlich bekannt geworden sein dürfte. Die genannten Spieler hätten sich jedoch nach Einschätzung der Auswertung besonders sichtbar und nachweisbar für die Community eingesetzt. Die Diskussion fällt in eine ohnehin kontrovers geführte Weltmeisterschaft. Das Turnier wird von Debatten über Visa-Probleme, Sicherheitsmaßnahmen und Menschenrechtsfragen begleitet. Besondere Aufmerksamkeit erhält dabei ein für den 28. Juni in Seattle geplantes „Pride Match“ zwischen Ägypten und Iran.

Zu den Spielern, die in der Auswertung genannt werden, gehört der spanische Nationalspieler Borja Iglesias. Der Stürmer von Celta Vigo hatte wiederholt homophobe Anfeindungen öffentlich gemacht, die sich gegen ihn richteten, nachdem er Fotos mit lackierten Fingernägeln veröffentlicht hatte. Anfang des Jahres organisierte sein Verein eine Aktion gegen Homophobie. Fans wurden aufgerufen, mit lackierten Nägeln ins Stadion zu kommen. Tausende Anhänger beteiligten sich daran, darunter auch die Präsidentin des Klubs. Später erklärte Iglesias: „Ich wäre lieber ,schwul‘ als voller Hass wie diejenigen, die mich beleidigen.“ Der Nationalspieler lebt nach Medienberichten in einer Beziehung mit einer Frau, wird aber seit Jahren wegen seines Erscheinungsbildes und seiner Haltung zu Vielfalt und Toleranz angegriffen.

Irvine fordert mehr Mut

Der australische Nationalspieler Jackson Irvine zählt seit Jahren zu den bekanntesten Unterstützern von Menschenrechts- und Diversitätskampagnen im Fußball. Der Kapitän des FC St. Pauli feierte den Bundesliga-Aufstieg seines Vereins mit einer Regenbogenflagge und trug mehrfach eine Kapitänsbinde in Regenbogenfarben. Zu seinem Engagement sagte Irvine: „Ich denke, wir haben im Fußball und insbesondere im Männerfußball noch einen langen Weg vor uns, bis wir uns sicher fühlen können, über gesellschaftliche Themen zu sprechen. Das gilt erst recht für LGBTIQ+-Rechte und ähnliche Fragen, bei denen sich Spieler möglicherweise nicht einmal sicher oder ausreichend unterstützt fühlen, um solche Aussagen öffentlich zu machen.“ 

Fernandes kritisiert Menschenrechtslage 

Auch Portugals Nationalspieler Bruno Fernandes wird als Unterstützer von LGBTIQ+-Rechten genannt. Der Kapitän von Manchester United beteiligte sich an Kampagnen gegen Homophobie und stellte sich nach dessen Coming-Out öffentlich hinter den tschechischen Nationalspieler Jakub Jankto. Vor der Weltmeisterschaft 2022 in Katar äußerte Fernandes zudem Kritik an der dortigen Menschenrechtslage sowie an diskriminierenden Gesetzen. Fußball müsse „für alle“ sein, erklärte er damals.

Kane und Rashford zeigen Solidarität

Englands Kapitän Harry Kane machte sich während der Weltmeisterschaft 2022 für die „OneLove“-Kapitänsbinde stark und kritisierte deren Verbot durch die FIFA. Damals sagte er: „Wir haben nicht entschieden, wo die Weltmeisterschaft ausgetragen wird. Aber es ist wichtig, dass diese Themen sichtbar werden. Wir müssen helfen, darüber zu sprechen. Wir sind keine Experten, aber wir wollen helfen, wo wir können. Ich weiß, dass es in einigen Bereichen Fortschritte gegeben hat. Ich hoffe, dass die Weltmeisterschaft etwas Aufmerksamkeit und Fortschritt bringt. Es bleibt noch viel zu tun, aber hoffentlich können auch wir dazu beitragen, Veränderungen anzustoßen.“ Kane sprach zudem dem offen homosexuellen Fußballer Jake Daniels seine Unterstützung aus. Auch Marcus Rashford positionierte sich öffentlich. Nach dem Coming-Out des australischen Fußballers Josh Cavallo erklärte der englische Nationalspieler seine Solidarität und lobte den Mut seines Kollegen.

Deutsche Nationalspieler setzen Zeichen

Unter den acht genannten Spielern befinden sich auch zwei deutsche Nationalspieler. Torwart Manuel Neuer lief bei der Europameisterschaft 2021 mit einer Regenbogen-Kapitänsbinde auf und setzte damit ein Zeichen gegen Homo- und Transfeindlichkeit. Zudem erklärte er, homosexuelle Profis sollten ihre Identität nicht verstecken müssen. Leon Goretzka zeigte während desselben Turniers ebenfalls Solidarität mit der LGBTIQ+-Community. Vor der Weltmeisterschaft in Katar kritisierte der Mittelfeldspieler außerdem Aussagen, in denen Homosexualität als „psychische Krankheit“ bezeichnet wurde.  Komplettiert wird die Liste durch den norwegischen Nationalspieler Patrick Berg. Der Mittelfeldspieler machte 2024 Schlagzeilen, als er während eines Ligaspiels einen Zuschauer öffentlich zur Rede stellte, der homophobe Beleidigungen gerufen hatte. Anschließend forderte Berg, den betreffenden Fan aus den Stadien auszuschließen.

Sichtbarkeit bleibt ein Thema

Die Auswertung verdeutlicht nach Ansicht ihrer Verfasser, wie selten sich aktive Spitzenfußballer öffentlich zu LGBTIQ+-Rechten äußern. Zwar unterstützen zahlreiche Verbände und Vereine inzwischen Kampagnen gegen Diskriminierung, doch öffentliche Stellungnahmen einzelner Spieler bleiben vergleichsweise selten. Mit der Weltmeisterschaft 2026 und den begleitenden Debatten über Menschenrechte, Vielfalt und Inklusion dürfte das Thema auch in den kommenden Wochen weiter Aufmerksamkeit erhalten.

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