Direkt zum Inhalt

Ansage von Borja Iglesias Lieber schwul als homophob

Von ms - 18.03.2026 - 16:00 Uhr
Ansage von Borja Iglesias
Foto: IMAGO / Pressinphoto
ANZEIGE
Loading audio player...

Borja Iglesias, Stürmer des spanischen Vereins Celta Vigo, hat jetzt erklärt, dass Homophobie im Männerfußball nach wie vor ein Umfeld schafft, in dem schwule Spieler sich nicht trauen, öffentlich zu ihrer Sexualität zu stehen.

Als Ally Angriffen ausgesetzt 

Iglesias, der selbst heterosexuell ist, hat sich bereits in der Vergangenheit immer wieder gegen Diskriminierung im Sport ausgesprochen. Während der Pandemie begann er, seine Fingernägel zu lackieren. Zunächst tat er dies als persönliche Ausdrucksform, später auch als Unterstützung für die Black Lives Matter-Bewegung sowie im Kampf gegen Rassismus und Homophobie. In der Folge wurde Iglesias immer wieder mit homophoben Beleidigungen konfrontiert, sowohl von gegnerischen Fans als auch in den sozialen Medien. Ein Vorfall ereignete sich erst im Januar 2026 nach einem Spiel gegen Sevilla, als er einem Fan sein Trikot übergab und daraufhin mit Beschimpfungen konfrontiert wurde. Das Erlebnis löste eine Welle der Solidarität unter den Fans und Mitarbeitern von Celta Vigo aus. Tausende Anhänger des Vereins lackierten vor einem darauffolgenden Spiel ihre Nägel, um gegen Homophobie ein Zeichen zu setzen.

Lieber schwul als homophob

Der Spieler gab zu, dass ihn die Beleidigungen der letzten Jahre zunächst getroffen hätten, er jedoch inzwischen seine Sichtweise geändert habe. „Die ersten Male hat es mich getroffen, ich habe es persönlich genommen. Nach einigen Überlegungen sehe ich die Dinge anders“, so Iglesias. „Mich als ‚Schwuchtel‘ zu bezeichnen, empfinde ich nicht mehr als Beleidigung. Wenn mir jemand so etwas sagt, denke ich mir, dass ich lieber schwul wäre, als wie er zu sein, der nichts Besseres zu tun hat, als nach dem Spiel Leute zu beleidigen. Was mich wirklich stört, ist, dass sich schwule Männer wegen solcher Reaktionen nicht trauen, sie selbst zu sein und zu lieben, wen sie wollen. Das ist inakzeptabel, weshalb der Kampf gegen Homophobie so wichtig ist, und deshalb setze ich mich dafür ein.“

Iglesias reflektierte auch darüber, warum der Fußball historisch gesehen mit der Sichtbarkeit von homosexuellen Menschen zu kämpfen hat. „Ich habe viel darüber nachgedacht und finde noch nicht alle Antworten“, erklärte er. „Fußball war traditionell ein Männersport, obwohl sich das verändert, eine Welt, die Stärke und Männlichkeit verherrlicht. Als ob Fußballer keine Menschen wären, sondern überlegene Wesen, die das patriarchale System verkörpern.“

Zu wenig Vorbilder bis heute

Er wies auf Spieler wie David Beckham und Guti hin, die mit ihrem Aussehen und ihrem Männlichkeitsbild neue Maßstäbe gesetzt haben. „Spieler wie sie haben das Bild des Fußballs verändert und uns geholfen, freier zu sein. Aber es gibt noch viel zu tun.“ Abschließend ging Iglesias auf die noch immer fehlende Zahl an offen schwulen Spielern im Männerfußball ein: „Es macht mich traurig, dass es immer noch unmöglich scheint, dass sich schwule Fußballer outen. Sie müssen sich fühlen wie jemand, der alles verlieren würde, was er erreicht hat, wenn er darüber spricht. Ich denke, wir sind diesem Moment der Veränderung näher als je zuvor, aber leider sind wir gleichzeitig immer noch weit davon entfernt. In zwanzig Jahren im Fußball hat mir kein Kollege jemals davon erzählt, und das lässt mich nachdenklich werden.“

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

tazHomosexualität im japanischen Sport: Rui Takahashi macht den ganz mutigen AufschlagtazNeue ZDF-Serie: Das Geisterhaus im SchwarzwaldhessenschauTanzen gegen die Einsamkeit: Ein Ort, an dem sich queere Menschen nicht erklären müssenBerliner MorgenpostDie Sehnsucht im Italien der bleiernen Jahre: „Buch der Träume“Alle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Sollte die geplante automatische Weitergabe sensibler Daten in Baden-Württemberg verhindert werden?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Frankreich verbietet Dickpics

Hohe Strafen für Penisfotos

Frankreich will ungefragt verschickte Penisfotos unter Strafe stellen. Schon ein einziges Bild könnte künftig 15.000 Euro kosten, auch bei Dating-Apps
Schuluniformen in Pornos

Verbot in Großbritannien gefordert

In England wird über eine Petition debattiert, die Schuluniformen aus Pornofilmen verbannen und damit Jugendliche vor Sexualisierung schützen soll.
Justin Lui zieht Bilanz

Schwuler Olympionike hört auf

Der offen schwule Volleyball-Olympionike Justin Lui beendet seine Nationalmannschaftskarriere und blickt stolz auf sein Coming-Out zurück.
Coming-Out im Wandel

Schwul sein ohne Versteckspiel

Zwischen Angst und Selbstverständlichkeit: Das Coming-Out schwuler Männer hat sich in 30 Jahren grundlegend verändert.
Krise unter US-Jugendlichen

Queere Jugendliche ohne Zuhause

Junge LGBTIQ+-Menschen in den USA sind mehr als doppelt so häufig von Wohnungslosigkeit betroffen. Experten fordern jetzt bessere Hilfen.
Nackt durch Vice City

GTA 6 zeigt nackten Helden

Ein neuer GTA-6-Leak zeigt Hauptfigur Jason völlig nackt in Vice City. Rockstar bestätigt jetzt Nacktszenen für das kommende Spiel.
Heiratsantrag am Leuchtturm

Schwule Volleyballstars sagen Ja

Die schwulen Beachvolleyballer Tim Brewster und Kyle Friend haben sich verlobt. Der Heiratsantrag fand an einem Leuchtturm in Maine statt.
Gen Z altert schneller

Studie zeigt beschleunigtes Altern

Neue Studien deuten darauf hin, dass die queer-affine Gen-Z biologisch schneller altert. Die Hintergründe dafür sind noch nicht final erklärt.
Proteste gegen Harry Potter

Aktion gegen Lichter-Show in London

Aktivisten fordern ein Verbot der Harry-Potter-Weihnachtsbeleuchtung in London. Grund ist die Kritik an J. K. Rowlings Haltung zu trans* Rechten.