Landesweite Signalwirkung US-Gericht erlaubt Opt-out von LGBTIQ-Unterricht
Eltern im US-Bundesstaat Montgomery können ihre Kinder künftig vom Schulunterricht zu LGBTIQ+-Themen abmelden – das hat das Oberste Gericht der Vereinigten Staaten mit einer Mehrheit von sechs zu drei Stimmen entschieden. Das Urteil gilt als wegweisend, da es der Forderung religiöser Eltern nachkommt, ihre verfassungsmäßig geschützte Religionsfreiheit gegenüber schulischen Vorgaben durchzusetzen. Dieses Recht umfasst nun explizit die Möglichkeit, Kinder von Lehrinhalten fernzuhalten, die mit der eigenen Glaubensüberzeugung aus Sicht der Eltern in Konflikt stehen.
Das Wichtigste im Überblick
- Das Urteil betrifft den Montgomery County in Maryland, kann jedoch landesweite Signalwirkung entfalten.
- Kläger waren Eltern aus muslimischen, katholischen und orthodox-christlichen Gemeinden, die gegen verpflichtenden Unterricht mit LGBTIQ-Inhalten vorgingen.
- Die Schulbehörde hatte Bücher in den Unterricht aufgenommen, die unter anderem gleichgeschlechtliche Ehen und diverse Geschlechterrollen thematisieren.
- Präsident Donald Trump begrüßt die Entscheidung und unterstützt ähnliche Einschränkungen gegen LGBTIQ-Rechte auch auf Bundesebene.
- Untergeordnete Gerichte sind nun aufgefordert, die Umsetzung im Schulalltag zu klären.
Entscheidung des Supreme Court
Der Supreme Court stellte in seinem Urteil klar, dass das Recht der Eltern auf religiöse Erziehung ihrer Kinder durch die Verfassung geschützt ist. Geklagt hatten mehrere Eltern aus Montgomery County im US-Bundesstaat Maryland, da sie bestimmte Unterrichtsmaterialien mit Bezug zu LGBTIQ-Themen als unvereinbar mit ihrer religiösen Überzeugung ansahen. Die Gerichtsmehrheit befand, dass die staatlichen Schulen die Eltern nicht zwingen dürfen, ihre Kinder an diesen Unterrichtseinheiten teilnehmen zu lassen.
Die Schulverwaltung hatte zuvor argumentiert, dass der Kontakt mit unterschiedlichen Lebensrealitäten und Familienmodellen Kern staatlicher Bildung sei. Zu den im Streit stehenden Büchern gehörten Geschichten wie die einer gleichgeschlechtlichen Eheschließung aus familiärer Perspektive oder eines schwulen Prinzen. Das Gericht folgte jedoch der Auffassung, dass Eltern vor dem Hintergrund ihrer Glaubensfreiheit über die Teilnahme ihrer Kinder entscheiden dürfen.
Reaktionen aus Politik und Gesellschaft
Das Urteil stößt in den Vereinigten Staaten sowohl auf Zustimmung als auch auf scharfe Kritik. President Trump hatte die Klage politisch unterstützt und betont, er wolle staatliche Fördermittel für Schulen kürzen, die Diversität und Inklusion weiter vorantreiben. Vertreter der LGBTIQ+-Community und zahlreiche Bürgerrechtsorganisationen sehen in dieser Entscheidung jedoch einen Rückschlag für Gleichberechtigung und ein Hindernis für offene, inklusive Bildung.
Die Schulbehörde von Montgomery, die die Bücher in den Unterricht eingeführt hatte, bewertet das Urteil als „bedeutende Herausforderung“ für das öffentliche Bildungswesen. Für Lehrkräfte und Schulverwaltungen bedeutet das Urteil zusätzliche organisatorische Hürden und die Aufgabe, Unterrichtsinhalte unter verstärkter Rücksichtnahme auf religiöse Einstellungen zu planen.
„Die Auseinandersetzung mit vielfältigen Lebensrealitäten ist essenziell für das Selbstverständnis öffentlicher Schulen“, heißt es in einer Stellungnahme der Schulverwaltung.
Hintergrund und Ausblick
Bereits in den vergangenen Jahren hatten bundesweit mehrere US-Bundesstaaten Gesetze erlassen, die den Zugang zu Inhalten über sexuelle Vielfalt im Unterricht erschweren oder verbieten. In Florida trat 2022 das sogenannte “Don’t Say Gay”-Gesetz in Kraft, das ähnliche Einschränkungen für lehrplanrelevante Themen vorsieht. Das Urteil des Supreme Courts dürfte nun zahlreiche Klagen in anderen Bundesstaaten nach sich ziehen und zu einer Verschärfung des Bildungskonflikts über Diversität und Religionsfreiheit führen.
Wie die einzelnen Bundesstaaten das Urteil umsetzen, bleibt vorerst offen. Die amerikanischen Schulen stehen nun vor der Frage, ob und wie verpflichtender Unterricht zu gesellschaftlicher Vielfalt noch durchführbar ist, ohne das Recht auf Religionsfreiheit zu verletzen. Ein Grundsatzstreit über den Zugang zu Informationen sowie die Rolle von Schule in einer pluralistischen Gesellschaft scheint unumgänglich.