Direkt zum Inhalt

Rückenwind für Homo-Ehe Positive Entwicklung bei Vereinten Nationen

Von ms - 12.05.2026 - 10:30 Uhr
Rückenwind für Homo-Ehe
Foto: iStock / Tempura
ANZEIGE
Loading audio player...

UN-Menschenrechtsgremien sprechen sich nach einer neuen Untersuchung zunehmend für die Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Paare aus. Das geht aus einem Bericht des Williams Institute hervor, der eine Entwicklung innerhalb zentraler UN-Vertragsausschüsse über mehrere Jahre hinweg analysiert hat.

Das Wichtigste im Überblick

  • UN-Menschenrechtsausschüsse zeigen laut Studie zunehmend Unterstützung für gleichgeschlechtliche Ehe
  • Frühere UN-Rechtsprechung von 2002 verliert nach und nach an Einfluss
  • Zwischen 2016 und 2024 wurden 44 positive Stellungnahmen zu Ehegleichstellung erfasst
  • Empfehlungen der UN-Gremien gelten weltweit als wichtige Orientierung für Gerichte

Entwicklungen seit 2016

Untersucht wurden 96 sogenannte „Concluding Observations“ aus den Jahren 2016 bis 2024. Diese stammen von drei UN-Gremien: dem UN Human Rights Committee, dem CEDAW Committee sowie dem CESCR Committee. Diese Ausschüsse überwachen, ob Staaten internationale Menschenrechtsverträge einhalten. Ihre Stellungnahmen sind rechtlich nicht bindend, werden jedoch weltweit von Gerichten und Gesetzgebern häufig als Orientierung herangezogen.

Ausgangspunkt der rechtlichen Debatte ist eine Entscheidung aus dem Jahr 2002 im Fall „Joslin v. Neuseeland“, mit der der UN-Menschenrechtsausschuss feststellte, dass das internationale Menschenrecht kein Recht auf gleichgeschlechtliche Ehe enthalte. Diese Bewertung wird bis heute in einzelnen nationalen Gerichtsverfahren herangezogen. So berief sich etwa der britische Privy Council, das höchste Berufungsgericht für Bermuda und die Cayman Islands, im Jahr 2022 auf diese Entscheidung, als er die Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe ablehnte. Auch das Berufungsgericht in Hongkong zitierte die damalige UN-Position im Jahr 2023 bei einer vergleichbaren Entscheidung.

Viel Unterstützung für Homosexuelle 

Der neue Bericht kommt jedoch zu dem Ergebnis, dass sich die Haltung der UN-Gremien seither deutlich verändert hat. Zwischen 2016 und 2024 äußerten sich die untersuchten Ausschüsse in 44 Fällen unterstützend zur Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Paare. Dies geschah etwa durch Empfehlungen zur Legalisierung, Kritik an fehlender rechtlicher Anerkennung oder positive Bewertungen eingetragener Partnerschaften. Besonders der UN-Menschenrechtsausschuss und der CEDAW-Ausschuss gingen laut Studie zunehmend dazu über, gleichgeschlechtliche Ehe als Bestandteil internationaler Menschenrechtsstandards zu bewerten.

Der Studienautor Holning Lau spricht von einem grundlegenden Wandel. „Es hat weltweit einen tiefgreifenden Wandel in der rechtlichen Behandlung gleichgeschlechtlicher Paare gegeben“, sagte Lau. Die Stellungnahmen der UN-Gremien zeigten eine klare Weiterentwicklung internationaler Menschenrechtsstandards, die von nationalen Entscheidungsträgern nicht mehr ignoriert werden sollten. Der Bericht empfiehlt daher, die neueren UN-Stellungnahmen stärker in rechtliche Entscheidungen einzubeziehen und sich nicht mehr allein auf die frühere Entscheidung „Joslin“ zu stützen, da diese durch spätere Entwicklungen deutlich relativiert worden sei. Zudem wird angeregt, die Rolle eingetragener Partnerschaften im Verhältnis zur Ehe international klarer zu definieren, etwa als mögliche Übergangslösung hin zur vollständigen Gleichstellung.

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

GALAJorge González: Schwierige Kindheit in KubaFalterLiteraturnobelpreisträgerin Anne Carson: Aus der Zeit gefallen, hoch aktuelltazKurswechsel in Ungarn: Anti-LGBTIQ+-Gesetze gekipptDER STANDARDOrbán-Lager serviert beim Thema LGBT alten Wein aus alten SchläuchenAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Sollte die geplante automatische Weitergabe sensibler Daten in Baden-Württemberg verhindert werden?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Nacktbilder als Druckmittel

Was du bei Sextortion tun kannst

Erpressung mit Nacktbildern? Was du jetzt tun kannst, wie du Hilfe bekommst und welche Dienste gegen die unerlaubte Verbreitung helfen.
Andrew Scott im Aids-Drama

Erster Trailer zum Oscar-Kandidaten

Andrew Scott spielt in „Elsinore“ den Schauspieler Ian Charleson, der trotz seiner HIV-Erkrankung als Hamlet gefeiert wurde und 1990 an Aids starb.
Jugendhaft für Grindr-Räuber

Schwule Männer brutal überfallen

Ein 18-Jähriger muss nach brutalen Überfällen auf schwule Grindr-Nutzer in Berlin jetzt sechs Jahre in Jugendhaft.
Queere Schüler besser schützen

Prien fordert Schutz vor Missbrauch

Sexualisierte Gewalt bedroht insbesondere auch queere Schüler. Bundesministerin Karin Prien fordert nun verbindliche Schutzkonzepte an allen Schulen.
Ungarn kippt LGBTIQ+-Verbote

Aus für Anti-Homosexuellen-Gesetz

Ungarns Parlament hebt zentrale LGBTIQ+-Beschränkungen aus der Ära Orban auf. Die Entscheidung folgt auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs.
Schwule Liebe in Avatar-Welt

Schwules Paar begeistert Fans

„Avatar: Seven Havens“ zeigt mit Jae und Datu ein schwules Paar. Die Fans feiern die Liebesszene, während Paramount+ zwei weitere Staffeln bestätigt.
Festnahmen in Indien

Neun Verdächtige nach Mord

Nach dem Mord an dem schwulen Influencer Mad Sandhu in Indien wurden neun Männer festgenommen. Die Polizei vermutet Homophobie und Bandenkriminalität.
Missbrauchsverdacht in Italien

Hausarrest für prominenten Priester

Ein italienischer Priester steht wegen mutmaßlicher sexueller Gewalt gegen einen 20-Jährigen unter Hausarrest. Die Kirche war offenbar vorgewarnt.
Brutaler Angriff in Frankreich

Homophobe Gewalt erschüttert Paris

Nach dem Pariser Pride wurde ein LGBTIQ+-Aktivist brutal zusammengeschlagen. Menschenrechtsorganisationen fordern besseren Schutz vor Hassgewalt.