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Russland attackiert Buchhandelsketten

Angriff auf Literaturbetrieb Russische Behörden verhängen Geldstrafen, ein Verlag schließt

ms - 16.01.2026 - 10:30 Uhr
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Die russischen Aufsichtsbehörden sind erneut gegen den Literaturbetrieb im Land vorgegangen. Gegen die Buchhandelskette Chitay Gorod wurde eine Geldstrafe von umgerechnet rund 9.000 Euro verhängt, der Buchverlag Popcorn Books musste nach massivem Druck nun ganz schließen. In beiden Fällen wird einmal mehr mit dem Kampf gegen „LGBTIQ+-Propaganda“ argumentiert. 

Bücher gefährden „traditionelles Wertesystem“

Das Urteil gegen die Buchhandelskette Chitay Gorod wurde vom Zentralbezirksgericht in Chita, einer Stadt im Osten Sibiriens, ausgesprochen, wie die unabhängige Nachrichtenagentur Mediazona berichtete. Die Titel der betroffenen Bücher wurden geheim gehalten. Aus den verfügbaren Informationen geht nur hervor, dass es sich um vier Werke handelt, die in zwei Gutachten der Behörden als „propagandistisch“ im Bereich LGBTIQ+ eingestuft wurden.

In einem der Gutachten wird behauptet, die Bücher würden „die traditionellen russischen Vorstellungen von Familie und Gesellschaft infrage stellen“ und die „patriarchalische Familie diskreditieren“. Weiter heißt es in einem Passus des Urteils, die Werke würden zu einer „Beseitigung des traditionellen Wertesystems“ aufrufen und dies durch ein „sexuelles Anarchismus-Modell“ ersetzen, in dem Menschen „frei ihren Geschlechtsorientierung zu jeder Zeit ihres Lebens wählen könnten.“ Ein weiteres Gutachten geht noch weiter und beschreibt die Bücher als „homosexuell orientiert“. Es werde der Eindruck vermittelt, dass traditionelle Werte „überholt, konservativ und nutzlos“ seien, was angeblich auch zu einer „Demütigung und Beleidigung“ der Vertreter dieser Werte führe.

Dieser Fall ist nicht der einzige gegen die Buchhandelskette. In der Stadt Iževsk, einem Zentrum der russischen Rüstungsindustrie, läuft derzeit ein weiteres Verfahren gegen Chitay Gorod. Die Anhörung dazu ist für die kommenden Wochen angesetzt. Der Vorwurf lautet auch hier „LGBTIQ+-Propaganda“.

Jahrelanger Kampf gegen Putin-Agenda

Der Popcorn Books Buchverlag hat indes seinen jahrelangen Kampf gegen die Zensur-Politik von Präsident Putin nun verloren – seit 2018 setzte sich das Team für die Freiheit der Literatur ein und konzentrierte sich in seinen Publikationen auf Jugendbücher, LGBTIQ+-Literatur und homosexuelle sowie queere Autoren. Kaum verwunderlich, dass der Verlag daraufhin immer wieder ins Visier der Behörden geriet. Die Situation eskalierte zuletzt 2025 mit der Verhaftung des Geschäftsführers und einigen Mitarbeitern, die wegen „Beteiligung an extremistischen Aktivitäten“ angeklagt wurden. Ähnlich erging es letztes Jahr auch dem größten russischen Verlags Eksmo, elf Mitarbeiter wurden auch hier verhaftet – sie sollen „Propaganda für Homosexualität“ betrieben haben. 

Der Druck auf den Verlag wurde dabei immer weiter verstärkt, nun hat das Unternehmen für immer geschlossen. Online erklärte das verbleibende Team von Popcorn Books: „Wenn auch nur eines unserer Bücher in ihrem Buchregal steht, in ihren Erinnerungen oder in ihrem Herzen weiterlebt, dann hat sich das alles bereits gelohnt.“ 

Die jüngsten Angriffe gegen die Literaturbranche in Russland reihen sich ein in weitere Attacken der letzten Jahre, einhergehend mit der Verschärfung des Anti-Homosexuellen-Gesetzes 2022 und der Einstufung der LGBTIQ+-Bewegung als extremistische Organisation. Nebst Büchern werden von den russischen Behörden auch andere Medien wie Filme oder Videospiele regelmäßig verboten. Zuletzt sorgte die Zensur des 40 Jahre alten Kult-Horrorromans „Es“ von Stephen King international für Schlagzeilen und viel Unverständnis.   

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