Direkt zum Inhalt
Ameisen setzen auf Jungfernzeugung: Nur Königinnen

Keine Männer im Bau? Ameisen setzen auf Jungfernzeugung: Nur Königinnen

mr - 03.03.2026 - 19:30 Uhr
Loading audio player...

Eine jüngst veröffentlichte Studie eines japanisch-deutschen Forschungsteams stellt die bislang bekannten Grundprinzipien der Ameisenevolution deutlich in Frage. Dies teilt die Universität Regensburg mit. Bei der in Japan heimischen Ameisenart Temnothorax kinomurai existieren ausschließlich Königinnen – Arbeiterinnen und Männchen fehlen vollständig. Verantwortlich für dieses ungewöhnliche Sozialverhalten ist die sogenannte Jungfernzeugung, die es ermöglicht, Nachkommen allein aus unbefruchteten Eiern zu zeugen.

 

Königinnen übernehmen fremde Völker

Im Zentrum der Entdeckung steht das Verhalten der Temnothorax kinomurai-Königinnen: Sie dringen in Kolonien der nahe verwandten Art Temnothorax makora ein, töten die ansässige Königin und Teile der Arbeiterschaft, übernehmen den gesamten Staat und legen unbefruchtete Eier ab. Die verbleibenden Arbeiterinnen dieser eroberten Kolonien ziehen den Nachwuchs heran ‒ alles zukünftige Temnothorax kinomurai-Königinnen.

Die Parthenogenese, also die Jungfernzeugung, ist bei Insekten nicht unbekannt, doch ein vollständiges Fehlen von Männchen und eigenen Arbeiterinnen ist unter Ameisen bislang einzigartig. Laut den Forschenden handelt es sich um den ersten dokumentierten Fall, in dem eine Ameisenart ausschließlich auf Königinnen setzt und alle anderen Kasten durch Sozialparasitismus ersetzt werden.

 

„Ein evolutionäres Unikat“

„Das Grundschema bei Ameisen folgt stets einer Aufgabenteilung: Königinnen für die Fortpflanzung, Arbeiterinnen für den Staatserhalt, Männchen für die Befruchtung“, erklärt Jürgen Heinze, Zoologe an der Universität Regensburg und Teil des Forscherteams. „Dass eine Art mit nur einer Kaste auskommt, ist spektakulär.“

Auch internationale Kolleginnen und Kollegen zeigen sich überrascht. Wissenschaftliche Einordnungen betonen, dass selbst bei anderen sozialparasitischen Ameisenarten bislang zumindest Männchen zur Weitergabe genetischer Vielfalt existierten.

 

Ursprung der Seltenheit

Die Temnothorax kinomurai lebt in Eicheln und ist äußerst selten in Japan zu finden, was Langzeitstudien bislang erschwerte. Erst gezielte Zuchtversuche mit isolierten Kolonien ermöglichten belastbare Einblicke in deren Fortpflanzungsstrategie. Im Tierreich zeigen sich häufiger alternative Fortpflanzungswege wie die Parthenogenese, etwa bei einigen Reptilien, Insekten und sogar Vögeln, doch die vollständige Reduktion auf ein einzelnes Geschlecht unterstreicht die Einzigartigkeit der neuen Entdeckung.

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Folgen für trans* Personen

LGBTIQ+-Soldaten in Gefahr

Die Ankündigung von Trump, ohne Zustimmung des Kongresses militärische Operationen gegen den Iran einzuleiten, sorgt für Sorgen auch bei LGBTIQ+.
Humorvolle Selbstironie

Erik Bottcher mit „twinkigem“ Look

Mit Rekordergebnis hat Erik Bottcher, offen schwuler Politiker der Demokraten, die Nachwahl zum Senat des Bundesstaates New York für sich entschieden.
Mann bringt Sexpartner um

Neun Jahre Haft

Ein 43 Jahre alter Mann ist in Berlin wegen der Tötung seines Sexpartners zu einer Freiheitsstrafe von neun Jahren verurteilt worden.
Dauererektion dank Honig?

Warnung vor besonderer Honigpaste

Das Landratsamt Tübingen warnt vor einer Honigpaste, die bei Amazon erhältlich war. Die Nebenwirkung? Eine mögliche Dauererektion.
Soziale Medien in Deutschland

Starker Zuwachs in vier Jahren

Die Mehrheit der Deutschen (59%) nutzt inzwischen soziale Medien, besonders immer mehr junge queere Menschen, bestätigt das Bundesamt für Statistik.
Neue Spielklasse im US-Rugby

Kategorie für queere Athleten

Der Dachverband USA Rugby führt eine offene Spielklasse für queere und trans* Sportlerinnen ein, um ihnen so die Möglichkeit der Teilhabe anzubieten.
Kritik an US-Regierung

Neue Regeln bei Entwicklungshilfe

Die USA haben Richtlinien zur Entwicklungshilfe angepasst: Geld bekommt, wer nicht gegen die Trump-Agenda verstößt. Der LSVD+ kritisiert die Maxime.
Angriffe auf Rob Jetten

Homophobe Hass-Botschaften

Der neue schwule Premierminister der Niederlande, Rob Jetten, hat in den ersten Tagen seit Amtsantritt hunderte homophobe Hass-Nachrichten bekommen.
Demo in Karlsruhe

Queere Rechte vor Landtagswahl

In Karlsruhe haben 700 Menschen für die Rechte der LGBTIQ+-Community demonstriert, um ein Zeichen vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg zu setzen.