Warnung vor Rückschritten „Der Kampf ist nicht vorbei“, betont Russell T Davies
Russell T Davies (62), bekannt als Autor der Serien „Queer as Folk“ oder auch „It’s a Sin“, macht jetzt deutlich, dass HIV auch heute noch ein ernstzunehmendes Thema bleibt. Er spricht von einer „erschütternden Menge an Fehlinformationen“ und mahnt davor, die Vergangenheit nicht zu vergessen. Für ihn steht fest: „Der Kampf ist nicht vorbei“.
Kürzungen weltweit
Davies’ Warnungen fallen in eine Phase, in der UNAIDS – das gemeinsame HIV/Aids-Programm der Vereinten Nationen – von erheblichen Einbußen bei der globalen Bekämpfung berichtet. Durch Kürzungen internationaler Mittel sei der Fortschritt der vergangenen Jahrzehnte merklich gebremst worden. Ein Verfehlen der weltweiten Ziele zur Eindämmung von Neuinfektionen bis 2030 könnte laut der Organisation zu 3,3 Millionen zusätzlichen HIV-Fällen in den kommenden fünf Jahren führen. Auch die Weltgesundheitsorganisation betrachtet HIV weiterhin als ein „wichtiges globales Problem der öffentlichen Gesundheit“.
Erinnerungen an eine Zeit der Angst
Der walisische Drehbuchautor hat die Anfänge der Epidemie selbst miterlebt. Er erinnert sich an die 1980er Jahre, als die ersten Fälle weltweit Schlagzeilen machten: „Ich war 1981 achtzehn Jahre alt, also habe ich die darauf folgende Epidemie ganz direkt miterlebt, aus der Distanz beobachtet und war entsetzt darüber.“ Davies beschreibt, wie Todesmeldungen ein alltäglicher Bestandteil der Medienberichterstattung wurden und wie groß die Unsicherheit der schwulen Community war. Viele Betroffene mussten außerdem nicht nur mit der Krankheit leben, sondern auch mit gesellschaftlicher Ausgrenzung.
Seine Serie „It’s a Sin“ erzählt die Geschichte einer Londoner Clique in den 1980er-Jahren nach, die mitten in die Aids-Krise rutscht. Die Produktion wurde international gefeiert und gilt inzwischen als eines der prägendsten LGBTIQ+-Dramen der letzten Jahre. Davies sagt heute dazu: „Es gibt keinen einzigen Tag, an dem mich nicht jemand anhält und mir sagt, wie viel ihnen diese Serie bedeutet hat.“
Beginnt alles wieder von vorne?
Doch trotz dieser Offenheit sieht er neue Gefahren. „Es kommen große Gefahren auf uns zu. Jetzt erleben wir die Leugnung von HIV, die zu einer wachsenden Kraft wird… die an manchen Orten fast schon zur bestimmenden Politik geworden ist.“ Besonders in Online-Communitys in den USA verbreite sich derzeit laut Davies die These, HIV verursache gar kein Aids. „Ich bin absolut sicher, dass der Kampf noch nicht vorbei ist, und manchmal fürchte ich, dass der Kampf gerade erst wieder beginnen wird.“
Die Aidskrise begann Anfang der 1980er-Jahre, als in den USA und später weltweit vermehrt rätselhafte Fälle schwerer Immunschwächen auftraten, vor allem unter homosexuellen Männern. 1983 wurde HIV als auslösender Virus identifiziert, doch wirksame Behandlungen fehlten, was zu rasanter Verbreitung und massiven Todeszahlen führte. Viele Betroffene starben jung, Stigmatisierung und soziale Ausgrenzung verschärften die Situation zusätzlich, während Aktivisten und medizinische Organisationen gegen Ignoranz und politische Untätigkeit kämpften.
Mitte der 1990er-Jahre revolutionierten antiretrovirale Therapien (ART) die Behandlung: HIV wurde von einer meist tödlichen Krankheit zu einer behandelbaren chronischen Infektion. Dennoch bleibt die globale Dimension enorm: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass HIV/AIDS bis heute rund 44 Millionen Menschenleben gekostet hat.