Direkt zum Inhalt
Christian Wulff fordert aktiven Schutz queerer Rechte

"Homosexuelle oft Mutigste" Christian Wulff fordert aktiven Schutz queerer Rechte

mg - 12.03.2026 - 18:30 Uhr
Loading audio player...

Der frühere Bundespräsident Christian Wulff ruft in einer vielbeachteten Rede dazu auf, dass sich die Mehrheit der Gesellschaft aktiver für die Rechte von Minderheiten, insbesondere der queeren Community, engagieren müsse. Er warnt vor Rückschritten durch Rechtspopulismus und sagt klar: Die Verteidigung von Vielfalt, Gleichheit und Inklusion dürfe nicht zur Disposition stehen. Dies schreibt er in einem Gastbeitrag des Tagesspiegel.

 

Konkrete Warnung vor neuer Ausgrenzung

Christian Wulff betont die Verantwortung der Mehrheitsgesellschaft, sich gegen wachsende Diskriminierung einzusetzen. Er kritisiert den wachsenden Einfluss rechtsextremer Parteien wie der AfD, die immer offener gegen queere Menschen, insbesondere trans* und nichtbinäre Personen, agitieren. Wulff verweist dabei auf historische Erfahrungen aus den Weltkriegen, in denen Minderheiten systematisch entrechtet wurden, und sieht besorgniserregende Parallelen zur heutigen Zeit. Politische Akteure, etwa in Sachsen und Ungarn, attackieren weiterhin gezielt die Sichtbarkeit und Rechte von queeren Menschen und pushen CSD-Verbote als politisches Instrument.

 

Gesellschaftliche Wachsamkeit gefordert

Wulff kritisiert, dass „woke“ in Deutschland als Schimpfwort benutzt wird. Für ihn steht Wokeness für Achtsamkeit und gesellschaftliche Verantwortung, um Diskriminierung vorzubeugen. International warnt er vor demokratiefeindlichen Tendenzen, wie sie etwa in den USA unter Donald Trump sichtbar seien. Das Verbot von Büchern im Bildungsbereich und ein „Kulturkampf gegen Bürgerinnen und Bürger“ zeigen nach Wulffs Einschätzung, wie schnell liberale Errungenschaften in Gefahr geraten.

„Es ist jedes Menschen Recht, eigene Interessen zu vertreten, fröhlich zu feiern, auf die Straße zu gehen, zu werben. Wird das bestritten, ist das ein Angriff auf die Würde“, so Wulff.

 

Kontinuität und Bedrohung queerer Rechte

Der frühere Staatschef erinnert an den Stonewall-Aufstand als Symbol für Zivilcourage und sagt: "Homo­sexuelle waren in vielen Momenten der Geschichte die mutigsten Menschen". Die Bedeutung dieses historischen Moments sei, dass queere Menschen weltweit Inspiration für Einsatz und Selbstbehauptung gegeben haben. Doch in ganz Europa nehmen zuletzt queerfeindliche Übergriffe wieder zu, die Zahl der gemeldeten Hassverbrechen wächst konstant und Angriffe auf queere Treffpunkte häufen sich laut Polizeistatistiken.

 

Was steht auf dem Spiel?

Wulff sieht Demokratie und Menschenrechte gefährdet, wenn Rechtsextremismus und Diskriminierung nicht entschieden begegnet wird. Gerade junge Menschen seien mit Blick auf Fake News und politische Radikalisierung besonders gefährdet. Die Gesellschaft müsse daher klar Position beziehen und für eine inklusive, offene Zukunft eintreten. Bleibt die Frage: Wie gelingt es, Demokratie und Menschenrechte gegen neue Formen der Ausgrenzung nachhaltig zu schützen?

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Juristischer Wendepunkt

Deutliche Worte für Grundrechte

Der EuGH hat entschieden, alle Mitgliedsstaaten müssen die Geschlechtsidentität von trans* Bürgerinnen und Bürgern rechtlich anerkennen.
Hass wegen Fingernagellack

Fußballprofi massiv beschimpft

Borja Iglesias, Stürmer von Celta Vigo mit bunten Fingernägeln, sah sich erneut massiven homofeindlichen Anfeindungen ausgesetzt,
Preissegen für Heated Rivalry

Gewinner bei den Queerties Awards

Die schwule Hit-Serie "Heated Rivalry" wurde bei den Queerties Awards als Bestes Drama ausgezeichnet. Einen zweiten Preis gab es für François Arnaud.
Schwule und bisexuelle Wähler

Trotz diskriminierender Politik

Nigel Farages Reform UK ist laut einer aktuellen Umfrage die bevorzugte Partei unter schwulen und bisexuellen Männern im Vereinigten Königreich.
Attacke auf queere Autofahrer

Kansas zieht Führerscheine ein

Binnen von rund zwei Wochen wurden in Kansas über 1.700 Führerscheine von trans* Personen aufgrund ihres Geschlechtseintrags für ungültig erklärt.
Urteilsspruch in Kenia

Haftstrafe mit Signalwirkung

Besonderes Urteil in Kenia: Zwei Männer wurden jetzt zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt, weil sie zwei Schwule ausgeraubt und missbraucht haben.
Russlands perfide Spionage

Handys aus der Ukraine im Visier

Russland weitet seine Überwachung der queeren Community aus und sucht jetzt auf ukrainischen Handys in besetzten Gebieten nach LGBTIQ+-Hinweisen.
Aktionsplan in Frankfurt

Unterstützung der queeren Community

Ein neuer Aktionsplan mit über 170 Maßnahmen soll die LGBTIQ+-Community in Frankfurt am Main stärken, die Stadt soll zur "queeren City" werden.
Rechtsruck in Chile

Kast als Präsident vereidigt

In Chile vollzieht sich mit dem neuen Präsidenten José Antonio Kast ein politischer Rechtsruck, der zum Problem für die queere Community werden kann.