Präzedenzfall in den USA Droht das landesweite Medizin-Verbot für trans* Personen?
Ein Bundesgericht in den USA hat jetzt das Verbot eines US-Bundesstaates für geschlechtsangleichende medizinische Behandlungen bei erwachsenen trans* Personen bestätigt. Das Urteil gilt als Präzedenzfall für die Gesundheitsversorgung im ganzen Land und könnte Folgen für alle trans* Menschen in den Vereinigten Staaten von Amerika haben.
Behandlungen seien „gefährlich“
Das Berufungsgericht des 4. US-Bezirks bestätigte einstimmig das Verbot West Virginias, Medicaid-Leistungen für geschlechtsangleichende Operationen künftig weiter zu übernehmen. Die Richter hoben damit eine frühere Entscheidung auf, die das Verbot blockiert hatte. In ihrer Begründung erklärten sie, dass geschlechtsangleichende Behandlungen für trans* Erwachsene „gefährlich“ seien, und forderten die Bundesstaaten auf, keine als „experimentell“ bezeichneten Eingriffe mehr zu finanzieren. Das Gericht erklärte überdies, trans* Personen hätten eine „Verachtung ihres eigenen Geschlechts“ entwickelt, und betonten, dass ein Verbot solcher Leistungen „die Bürger dazu ermutigen würde, ihr Geschlecht zu schätzen.“
Entsetzen in der queeren Community
Laut Reuters ist dies das erste Mal, dass ein Bundesgericht in den USA eine Einschränkung der Gesundheitsversorgung auch für erwachsene trans* Menschen bestätigt. Die Entscheidung löste inzwischen landesweit große Besorgnis in der queeren Community aus. Queere Aktivisten bezeichneten das Urteil online als „erschreckend“ und verwiesen darauf, dass „zahlreiche Studien aufgezeigt haben, dass diese Behandlungen sicher und wirksam“ seien. In ersten Stellungnahmen drückten auch LGBTIQ+-Organisationen wie GLAAD ihr Unverständnis sowie ihre große Sorge über den Richterspruch aus.
Die Entscheidung fällt in eine Zeit, in der US-Präsident Donald Trump weiterhin medizinische Einrichtungen unter Druck setzt, die nach wie vor geschlechtsangleichende Behandlungen in Bundesstaaten anbieten. Den Kliniken droht die komplette Streichung der staatlichen Finanzierung durch das Medicaid-Programm. Spezialisierte Krankenhäuser in Washington D.C., Kalifornien und weiteren Bundesstaaten haben daraufhin bereits die Behandlung für unter 18-Jährige beendet.