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Hass-Polemik in Ghana Immer mehr Gewalt, immer mehr Attacken gegen Schwule

Von ms - 25.09.2025 - 13:00 Uhr
Hass-Polemik in Ghana
Foto: IMAGO / Depositphotos
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Die Lage für Homosexuelle und queere Menschen im westafrikanischen Ghana verschlimmert sich immer weiter – zu diesem traurigen Schluss kommt jetzt eine neue Studie. Kirche und Staat bedienen sich dabei bewusst einer hasserfüllten, homophoben Rhetorik, um die gesellschaftliche Stimmung gegen LGBTIQ+-Menschen immer weiter anzuheizen. 

Hetze von der Kirche 

Im letzten Jahr verabschiedete das Parlament ein neues Anti-Homosexuellen-Gesetz, das bereits die Existenz von männlichen Homosexuellen unter Strafe stellen soll. Bestätigt wurde das Gesetz Ende 2024 durch den Obersten Gerichtshof. Kirchenvertreter drängen seitdem darauf, dass Ghanas neuer Präsident John Dramani Mahama die Verbote mit seiner Unterschrift in Kraft setzt, allen voran der Chef der katholischen Bischofskonferenz des Landes, Matthew Kwasi Gyamfi. Das Gesetz müsse mit „besonderer Dringlichkeit“ umgesetzt werden, da homosexuelle Männer die „traditionellen Familienwerte“ verletzen würden, so Gyamfi, der Schwule möglichst lange inhaftiert sehen will. Sein Wort hat viel Gewicht, bis zu 70 Prozent der Einwohner sind Christen.  

Homophobie als Waffe

Die Interessenvertretung Rightify Ghana hat nun in einer neuen Studie aufgezeigt, dass solche Statements und ähnlich lautende Aussagen von ghanaischen Politikern den Hass vor allem auf schwule Männer immer weiter befeuert. „Die intensiven homophoben Kampagnen haben zu einer verstärkten sozialen Stigmatisierung und Gefährdung von homosexuellen Ghanern geführt. Homophobie wurde und wird immer wieder als Waffe benutzt. Obwohl das schlimmste legislative Szenario, die formelle Verabschiedung des Gesetzesentwurfs, bisher abgewendet wurde, bleibt das Klima der Intoleranz weiterhin angespannt.“ 

Die Rechtsorganisation fordert daher eindringlich: „Es ist dringender denn je, dafür zu sorgen, dass Ghana seine verfassungsmäßigen Grundsätze der Freiheit und Gerechtigkeit für alle aufrechterhält, anstatt staatlich sanktionierte Diskriminierung zu verfestigen. Wir brauchen Maßnahmen, die Hassreden und Fehlinformationen entgegenzuwirken, marginalisierte Gemeinschaften schützen und eine integrativere Demokratie fördern.“

Sprechchöre fordern Mord an Schwulen

Bei der Untersuchung zeigte sich auch, wie sehr die Wahlen 2024 im Land durch Anti-LGBTIQ+-Rhetorik, Hassreden und Fake News durchdrungen waren. Konkret wurden dabei auch Reden von politischen Kandidaten und Kirchenvertretern unter die Lupe genommen. LGBTIQ+-Themen wurden systematisch instrumentalisiert, um ein „toxisches und tödliches Klima“ weiter zu fördern. Teilweise wurde bei Veranstaltungen mit Sprechchören gefordert, Schwule zu töten. „Die Dynamik der Menschenmenge führte zu performativem Hass, bei dem Tausende von normalen Bürgern abfällige Beleidigungen skandierten. Dies beeinträchtigt nicht nur die öffentliche Debatte, sondern birgt auch die reale Gefahr von Selbstjustiz. Für viele sind solche aufgeheizten Reden Vorboten für körperliche Angriffe oder gemeinschaftliche Hexenjagden.“

Normalisierung und Welle der Gewalt

Die Entwicklung hat inzwischen immer mehr zu einer Normalisierung beigetragen, bei der es in Ordnung scheint, Homosexuelle anzufeinden und zu beleidigen. „Was früher vielleicht auf private Treffen oder Randdiskurse beschränkt war, wird nun überall öffentlich, in den Kirchen und in den nationalen Medien lautstark verkündet“, so die Organisation weiter. Wenig überraschend, zeigte die Hass-Rhetorik bereits 2024 seine Wirkung, wie die Studie weiter festhält: Noch nie kam es in Ghana zu so vielen Menschenrechtsverletzungen gegen queere Personen. 

Noch nie erlebten Homosexuelle so viele Zwangsräumungen aus ihren Wohnungen, körperliche Übergriffe, Erpressungen, Nötigungen, Online-Doxxing und Drohungen sowie willkürliche Verhaftungen. Außerdem: „Die Kultur der Straflosigkeit nahm zu – Täter von Anti-LGBTIQ+-Gewalt hatten oft das Gefühl, gesellschaftliche Zustimmung zu genießen. Für jene Täter sind die Aussagen von Politikern und Kirchenvertretern eine Art Lizenz für Gewalt, sie fühlen sich ermutigt, ungestraft repressive Maßnahmen zu ergreifen und erklären öffentlich, ihr Ziel sei die ´Säuberung unserer Gemeinschaft´.“

Kollaps im Gesundheitswesen

Die dramatische Lage hat nebst den direkten auch viele indirekten Folgen – eine davon ist der weitgehende Zusammenbruch der medizinischen Versorgung von LGBTIQ+-Menschen, insbesondere im Bereich HIV. Kein Betroffener traut sich mehr in die Kliniken aus Angst vor Verfolgung und Gewalt. Die International AIDS Society warnte bereits davor, dass der Gesetzentwurf und die damit einhergehende Homophobie „die erheblichen Fortschritte bei der Bekämpfung der HIV-Epidemie zunichtemachen” werde. In Ghana leben derzeit nach Schätzungen der WHO rund 355.000 Menschen mit HIV.

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