Direkt zum Inhalt
Heated Rivaly als Comic
Foto: Enid Din/@enid.din
ANZEIGE

Heated Rivalry als Comic Fan-Ficton aus Asien befeuert den Hype um die schwule Serie

ms - 27.02.2026 - 15:00 Uhr
Loading audio player...

Die Erfolgsserie „Heated Rivalry“ stößt weltweit auf große Resonanz. Im Mittelpunkt steht die Liebesgeschichte der Eishockeystars Shane Hollander und Ilya Rozanov. In vielen Teilen Asiens ist das zugrunde liegende Erzählmuster jedoch seit Jahrzehnten bekannt: Das Genre der Liebesgeschichten zwischen Männern, „Boys’ Love“ genannt (BL), hat dort eine lange Tradition.

Schwule Liebe in Asiens Literatur

Die Serie erzählt von einer Beziehung, die aus heimlichen Begegnungen entsteht und sich über Jahre zu einer intensiven Liebe entwickelt. Für Anna, die sich selbst als „Heated Rivalry obsessive“ bezeichnet, erinnert das an chinesische Männerromanzen, mit denen sie aufgewachsen ist, wie sie gegenüber der BBC berichtet. Diese werden unter dem Begriff „Danmei“ – etwa „Hingabe an die Schönheit“ – zusammengefasst. Anna nennt „Heated Rivalry“ die „beste westliche Danmei-Serie, die ich seit Langem gesehen habe“.

Der Erfolg der Serie hat viele Branchenbeobachter überrascht – insbesondere die starke Resonanz bei weiblichen Zuschauerinnen. In Asien dagegen ist „Boys’ Love“ seit den 1970er-Jahren etabliert. Das Genre entstand in der japanischen Manga-Szene und entwickelte sich später zum sogenannten „Yaoi“, fiktionalen und künstlerischen Darstellungen erotischer Liebesgeschichten zwischen Männern, die überwiegend von Frauen geschrieben und gelesen werden.

Anna sieht deutliche Parallelen zwischen „Heated Rivalry“ und klassischen BL-Erzählungen. „Ja, der Sex ist heiß, aber die Art, wie er genutzt wird, um Intimität und das Innenleben der Figuren zu zeigen, ist so einzigartig. Ich glaube, deshalb liebe ich – und viele andere Frauen – die Serie: dieses langsame emotionale Glühen.“ Besonders schätze sie „die Zärtlichkeit, die Sehnsucht und die emotionale Verbindung zwischen den beiden männlichen Hauptfiguren“.

Freie Liebe trotz Homophobie

Auch Illustratorinnen wie Chicca greifen diese Ästhetik auf. „Die Geschichte teilt Themen, die oft in BL vorkommen, etwa den Wunsch, trotz internalisierter Homophobie frei zu lieben, und den Kontrast zwischen verletzlichen Gefühlen und einem hypermaskulinen Umfeld“, sagt sie. Einige Fans hätten die Serie, die teilweise öffentlich finanziert wird, augenzwinkernd als „kanadisch staatlich gefördertes Yaoi“ bezeichnet.

Mit dem Aufkommen des Internets verbreitete sich „Boys’ Love“ rasant in Ost- und Südostasien. In häufig konservativen Gesellschaften bot das Genre einen Rückzugsraum für romantische Fantasien. Dr. Aiqing Wang von der Universität Liverpool beschreibt die Faszination als Gefühl einer eigenen Gemeinschaft. Frauen könnten dort „den weiblichen Blick“ auf männliche Figuren richten und traditionelle Rollenmuster infrage stellen. „Es ist ihr eigenes Paradies… eine sichere, ideale Welt, die sie sich selbst erschaffen und in der sie Freude finden.“

Bedeutung für die Community

Dr. Sam Chan von der Universität Sydney betont die Bedeutung solcher Geschichten für queere Menschen. Wenn reale Vorbilder fehlten, hofften viele, sie in Film oder Fernsehen zu finden. Er spricht von Erzählungen „als eine Art Kraft oder Ressource für ihr Leben“. Entscheidend sei, „ob diese Geschichten authentisch sind, ob sie ihnen im Leben helfen oder sie sich einfach besser fühlen lassen in einer heteronormativen, konservativen Gesellschaft“.

Wirtschaftlich ist „Boys’ Love“ in Teilen Asiens ein bedeutender Faktor. In Thailand soll das Genre bis Ende 2025 einen Umsatz von mehr als umgerechnet rund  130 Millionen Euro erreichen. Auch chinesische Streamingplattformen investieren Millionenbeträge in entsprechende Romanvorlagen.

Fan-Ficton von Heated Rivalry

Obwohl „Heated Rivalry“ in Japan und Südkorea nicht offiziell ausgestrahlt wurde, verbreiten Fans dort Szenen, Illustrationen und Übersetzungen in sozialen Netzwerken. In Vietnam und auf den Philippinen genießen die Hauptdarsteller Hudson Williams und Connor Storrie nach Angaben von Fans nahezu Idol-Status. Mit Blick auf eine zweite Staffel, die 2027 erwartet wird, wenden sich viele Anhänger verstärkt daher dem „Boys’-Love“-Universum zu. In sozialen Medien kursieren zahlreiche Empfehlungen für Serien und Romane des Genres. „Manchmal reicht es schon, etwas sehen zu können, das man selbst noch nicht erlebt hat oder noch nicht bereit ist zu erleben“, sagt Anna. „Das ist hoffnungsvoll und bewegend.“

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Trey Cunningham selbstbewusst

Hürdenläufer mit Starpotenzial

Der schwule Sportstar Trey Cunningham beendet seine Saison mit Rekord, Modeljobs und viel Selbstbewusstsein – und hat bereits Olympia 2028 im Blick.
Kerle in besonderer Tracht

Lederhose, Lust und Lebensfreude

September ist Oktoberfestzeit. Für schwule Jungs liegt dabei eine besondere Faszination bei Männern in Lederhosen. Doch warum eigentlich?
Netflix und LGBTIQ+

Die zehn erfolgreichsten Serien

Netflix' meistgesehene Serien zeigen viele LGBTIQ+-Figuren und Geschichten – an der Spitze steht ein sexy Werwolf mit rund 252 Millionen Aufrufen.
Mordversuch mit Bierflasche

Junger Mann in Minnesota attackiert

Ein Mann aus Minnesota wurde mit einer zerbrochenen Bierflasche attackiert und schwer verletzt, weil sein Angreifer ihn fälschlich für schwul hielt.
Nationale Krise auf Fidschi

Massiv steigende HIV-Zahlen

Der Staat Fidschi reagiert auf stark steigende HIV-Zahlen mit einem nationalen Notstand und will Tests, Prävention und Behandlung ausweiten.
Suizide in der EU

Männer deutlich häufiger betroffen

Die Suizidrate in der EU sinkt langsam, doch Männer und sexuelle Minderheiten bleiben besonders stark betroffen, insbesondere in Deutschland.
Kritik an Bundesregierung

LSVD+ betont fehlenden Schutz

Der LSVD+ kritisiert fehlende Maßnahmen der Bundesregierung gegen Queerfeindlichkeit und fordert mehr Beteiligung der queeren Zivilgesellschaft.
Demonstrationen für LGBTIQ+

Proteste vor türkischen Botschaften

Proteste heute vor Botschaften: Internationale Organisationen und Regierungsvertreter kritisieren die Einschränkungen gegen LGBTIQ+ in der Türkei.
Brutaler Überfall in Berlin

Junger Schwuler attackiert

Ein 26-jähriger schwuler Mann wurde in Berlin angegriffen und beraubt, nachdem ein Unbekannter nach seiner sexuellen Orientierung gefragt hatte.