Direkt zum Inhalt

Hassverbrechen in Frankreich Die meisten Opfer sind junge Schwule, die meisten Täter junge Männer unter 30 Jahren

Von ms - 19.05.2025 - 16:00 Uhr
Hassverbrechen in Frankreich
Foto: iStock / legna69
ANZEIGE
Loading audio player...

Bereits 2023 sind die Fälle von Hasskriminalität in Frankreich massiv nach oben gegangen, ein Anstieg von 13 Prozent verzeichneten die Behörden damals. Im Jahr 2024 setzt sich dieser Negativ-Trend nun leider fort, erneut vermeldete die Polizei mehr Fälle von Hassgewalt gegen LGBTIQ+-Menschen, ein Anstieg um weitere fünf Prozent binnen eines Jahres. 

96 Prozent werden nicht erfasst

Ein eher bitterer Erfolg ist dabei die Tatsache, dass die Angriffe auf Homosexuelle und queere Menschen im Nachbarland damit weniger stark angestiegen sind als die Jahre zuvor; seit 2016 sind die Anti-LGBTIQ+-Verbrechen laut dem Innenministerium im Jahresdurchschnitt um 14 Prozent nach oben gegangen. Damit stieg die Zahl der Attacken auf die Community 2024 nun auf 4.800 offizielle Fälle, wobei nur vier Prozent der Opfer auch Anzeige erstatteten, der allergrößte Teil der Hassverbrechen wird also polizeilich nach wie vor nicht erfasst.  

Täter und Opfer sind junge Männer 

Die meisten Übergriffe (55%) geschehen dabei in Städten mit mehr als 200.000 Einwohnern, insbesondere in Paris. Die Täter sind zum allergrößten Teil junge Männer (83 %) unter 30 Jahren. Die meisten Opfer sind wie in den Jahren zuvor junge Schwule (70%), auch sie sind zumeist jünger als 30 Jahre. Rund ein Drittel der Straftaten gegen LGBTIQ+ sind Beleidigungen und verbale Angriffe, die anderen Zweidrittel teilen sich größtenteils auf körperliche Gewalt und Drohungen auf. Bei rund jedem zehnten Fall handelt es sich um Hass und Hetze im Internet. Die traurige Wahrheit laut dem Innenministerium: Mit Blick auf alle Angriffe auf Menschen in Frankreich zeigt sich, dass LGBTIQ+-Personen bis zu elf Mal häufiger zum Opfer werden als heterosexuelle Bürger.   

Mehr Einsatz auf EU-Ebene

Die französische Botschaft in Deutschland erklärte, Frankreich werde daher die EU-Kommission im Einsatz für die Rechte von LGBTIQ+-Personen verstärkt unterstützen und wolle künftig einen größeren Schwerpunkt auf die Bekämpfung von Hassgewalt setzen. Zudem werde sich Frankreich im Juli im Menschenrechtsrat für die Verlängerung des Mandats des „Unabhängigen Experten zum Schutz vor Diskriminierung und Gewalt aufgrund der sexuellen Orientierung und Geschlechtsidentität“ stark machen. 

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

tazNach dem CSD-Anschlag: Viele Bekundungen, kaum KonkretesndQueer | Razzia in Casa Kuá schüchtert Berliner trans* Community eintazRazzia in queerem Community-Ort: Alles wegen ein paar TablettenFrankfurter Allgemeine ZeitungMit Hilfe von Leihmutter: Niederländischer Ministerpräsident und sein Verlobter bekommen ein BabyAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Wie wichtig ist dir ein LGBTIQ+-freundliches Arbeitsumfeld bei der Wahl eines Arbeitgebers?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Ferran Torres leicht bekleidet

Fußballstar polarisiert mit Fotos

Spaniens Fußballstar Ferran Torres sorgt mit einer freizügigen Unterwäschekampagne für Aufsehen – und entfacht erneut Diskussionen in sozialen Medien.
Türklinke im Hintern

Kuriose Fälle in Notaufnahmen

Mehr als 1.500 Briten suchten binnen eines Jahres in England wegen Fremdkörpern im Hintern eine Notaufnahme auf. Ärzte warnen vor Verletzungsgefahren.
Alfie Watts übers Coming-Out

Familie reagierte mit Ablehnung

„Race Across the World“-Gewinner Alfie Watts spricht über die Ablehnung seiner Familie nach seinem bisexuellen Coming-Out und besondere Unterstützung.
Antidepressiva machen schwul

Neue Theorien aus Russland

Russlands Duma-Abgeordneter Vitali Milonow behauptet, Antidepressiva könnten Homosexualität auslösen, und fordert strengere Verschreibungsregeln.
STI-Welle in Italien

Sehr starker Anstieg bei Männern

In Italien steigen die Meldungen sexuell übertragbarer Infektionen deutlich. Besonders betroffen sind Männer, die Sex mit Männern haben.
Streit um UN-Menschenrechtsrat

Ausschluss von Anti-LGBTIQ+-Länder?

Fünf Staaten, die Homosexualität bestrafen, wurden jetzt in den UN-Menschenrechtsrat gewählt. Die African Human Rights Coalition übt scharfe Kritik.
Sportstreit in Nebraska

Trans* Verbot vor Abstimmung

Das Oberste Gericht Nebraskas lässt eine Abstimmung über ein Verfassungsverbot für trans* Sportlerinnen im Mädchen- und Frauensport zu.
Trauer um Coos Huijsen

Vorreiter der Community ist tot

Der Niederländer Coos Huijsen bekannte sich 1976 als erster Parlamentarier weltweit öffentlich zu seiner Homosexualität. Nun ist er gestorben.
Ted Cruz sorgt für Empörung

„Transgender-Hexen“ als Feindbild

US-Senator Ted Cruz macht mit einer Äußerung über „linke Transgender-Hexen“ Schlagzeilen. Hintergrund ist der Kampf um die Mehrheit im Kongress.