Direkt zum Inhalt

Personalie in Kolumbien Vom Sexarbeiter und Adult-Darsteller zum Minister für Gleichstellung: Juan Carlos Florián

Von ms - 04.08.2025 - 11:00 Uhr
Besondere Personalie in Kolumbien
Foto: Instagram / juanflorians
ANZEIGE
Loading audio player...

Ein beruflicher Neuanfang ist immerzu möglich, auch für Pornodarsteller. Das beweist jetzt Juan Carlos Florián (42), der neue Minister für Gleichstellung in Kolumbien und ehemalige Hardcore-Darsteller in schwulen Pornofilm-Produktionen.

Kämpfer für LGBTIQ+

Vor seiner politischen Karriere hat Florián dabei nicht nur in Adult-Filmen mitgespielt, sondern arbeitete auch als schwuler Sexarbeiter. Dann kam der Wechsel in die Politik. Vor seinem aktuellen Amt war der heute 42-Jährige bereits stellvertretender Minister im Gleichstellungsministerium. Er hat Politikwissenschaften mit Abschluss an der Päpstlichen Universität Javeriana in Bogotá studiert. Aus seiner Vergangenheit machte Florián nie ein Geheimnis und setzt sich zudem seit Jahren für die Rechte der LGBTIQ+-Community ein. 

Kontroverse unter Christen

Natürlich war seine Ernennung von Angriffen und Kontroversen begleitet, die römisch-katholische Kirche und diverse Politiker hatten sich mehrfach gegen Florián als Minister ausgesprochen. Genützt hat es nichts, Kolumbiens linker Präsident Gustavo Petro (65) ernannte den 42-Jährigen trotz massiver Gegenwehr und sagte dazu: „Dieses Land braucht ein Ministerium für Gleichstellung, das funktioniert. Das keine Angst vor Worten, Körpern oder Erinnerungen hat. Ein Ministerium mit einem Minister, der in der Lage ist, das breite Spektrum aller Existenzen anzuerkennen. Denn nur mit offenem Geist und konkreten Maßnahmen können wir in einem Land leben, in dem Inklusion kein Versprechen, sondern Praxis ist. Ich unterstütze dich.“ Petro hat in seiner bisher rund dreijährigen Amtszeit bereits mehr als 50 Minister neu ernannt. 

Notwendige Sensibilität

Florián selbst erklärte dazu auf Instagram: „Ein homosexueller Mann zu sein, ist für manche Menschen allein schon Grund genug, nicht Minister zu werden. Aber ich bin überzeugt, dass jemand, der am eigenen Leib Diskriminierung erfahren hat – weil er anders liebt, weil er am Rande der Gesellschaft arbeitet, weil er außerhalb der Norm lebt – die notwendige Sensibilität und Kraft besitzt, um echte Gleichberechtigung zu schaffen.“ 

Anzeige

Auch Interessant

Revolte der Sexarbeiter

OnlyFans-Gesetz wird entschärft

Nach Protesten von Sexarbeitern hat Frankreich einen Gesetzentwurf geändert, der erotische Online-Inhalte weitgehend kriminalisiert hätte.
Druck auf Commonwealth-Staaten

29 Länder bestrafen Homosexualität

In 29 Commonwealth-Staaten sind gleichgeschlechtliche Beziehungen weiterhin strafbar. Britische Abgeordnete verlangen nun ein Ende der Gesetze.
Europarat fordert mehr Schutz

Pride-Demos besser absichern

Der Europarat fordert Städte und Regionen auf, die Rechte von LGBTIQ+-Menschen konsequenter zu schützen und gegen Hass und Diskriminierung vorzugehen.
Gewalt trotz Schutzgesetzen

233 LGBTIQ+-Menschen ermordet

Mindestens 233 LGBTIQ+-Menschen wurden seit 2020 gezielt getötet. Ein neuer Bericht warnt jetzt vor staatlichem Versagen und mangelndem Schutz.
Posse in Nordirland

Schwule nicht rehabilitiert

Acht Jahre nach Start des Rehabilitierungsgesetzes hat Nordirland noch keine einzige Verurteilung wegen einst strafbarer Homosexualität gestrichen.
Neues Archiv in Berlin

Aids-Geschichte wird bewahrt

Die Humboldt-Universität Berlin hat ein Aids-Archiv eröffnet. Zehntausende Dokumente bewahren private Schicksale und die Geschichte der HIV-Bewegung.
Verbot soll verschwinden

Virginia stimmt über Ehe ab

Virginia entscheidet über die Streichung eines Verbots gleichgeschlechtlicher Ehen. Gouverneurin Spanberger wirbt für die Verfassungsänderung.
Urteil in der Schweiz

Haftstrafen für Rechtsextreme

Nach Störaktionen bei einer Drag-Lesung und einem Pride-Gottesdienst hat ein Zürcher Gericht Mitglieder der rechtsextremen "Jungen Tat" verurteilt.