Direkt zum Inhalt
Peggy Parnass ist tot

Peggy Parnass ist tot Die Kämpferin der Gay-Community starb mit 97 Jahren in Hamburg

ms - 13.03.2025 - 12:00 Uhr
Loading audio player...

Die deutsch-schwedische Schauspielerin und Autorin Peggy Parnass ist im Alter von 97 Jahren in ihrer Heimatstadt Hamburg verstorben. Die NS-Zeitzeugin war eine Ikone der Schwulenbewegung und kämpfte zeitlebens für Gerechtigkeit und für die Aufklärung der NS-Verbrechen. In Hamburg galt sie als die „heimliche Königin“ von St. Georg. 

Ein Leben für die Gerechtigkeit 

Geboren wurde Parnass im Oktober 1927 in Hamburg, ihre jüdischen Eltern wurden von den Nazis im KZ Treblinka ermordet. Parnass und ihr Bruder kamen nach Schweden und lebten dort abwechselnd bei Pflegefamilien und in Waisenhäusern, bevor sie nach Kriegsende zu einem Onkel nach Großbritannien zogen. Parnass ging später zurück nach Schweden und wurde Staatsbürgerin des Landes. Sie arbeitete als Autorin und Schauspielerin, lebte in London, Paris und Stockholm, machte sich einen Namen als Gerichtsreporterin bei den NS-Prozessen sowie als Theaterkritikerin, wurde mehrfach ausgezeichnet und kehrte schlussendlich in ihre Heimatstadt Hamburg zurück. Dort lebte sie nach einem schweren Sturz 2019 in einem Seniorenheim in St. Georg. Aktiv blieb sie trotzdem und war so auch im Sommer letzten Jahres beim Hamburger CSD mit dabei.   

Große Lücke für Hamburg 

Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher erklärte zu ihrem Tod: „Ihr unermüdlicher Einsatz für Demokratie, Toleranz und Mitmenschlichkeit sollte uns auch in Zukunft ein Vorbild sein.“ Zweite Bürgermeisterin und Gleichstellungssenatorin Katharina Fegebank betonte überdies Parnass´ „neugierige, warmherzige und meinungsstarke Persönlichkeit, die sich stets für die Belange von Minderheiten einsetzte.“ Und weiter: „Sie hinterlässt eine große Lücke und wird mir und uns allen in dieser Stadt sehr fehlen.“ 

Die Linke queer erklärte: „Peggy Parnass war eine Ikone der Schwulenbewegung – und wurde es durch ihren Einsatz in den Zeiten der Kriminalisierung und Verfolgung. Ihre Auseinandersetzung mit dem Faschismus, ihre empathischen Gerichtsreportagen, ihr lebenslanger Einsatz für Minderheiten und für Emanzipation sind bewundernswert. Aufklärung im besten Sinne des Wortes hat sie betrieben. Wir sind Peggy Parnass zu großem Dank verpflichtet. Und zu mehr: sie hat mit ihrer Arbeit Maßstäbe gesetzt, an denen wir uns orientieren und die uns Vorbild sind.“

Zu ihrem unermüdlichen Einsatz für die Community erklärte Parnass vor rund fünf Jahren im Interview mit der taz: „Es haben sich Dinge geändert, Dinge, die nicht so schwierig waren, aber nichts Grundsätzliches. Ich habe mich immer für Schwule eingesetzt, und Schwule für mich, Gott sei Dank, ich war ja allein. Die ganzen Jahre, als sie wie Dreck behandelt wurden. Da glaube ich, haben wir schon einiges im Laufe der Zeit bewirkt.“

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Niederlage in Australien

Rechte von queerer Frau gestärkt

Die Betreiberin einer App exklusiv für biologische Frauen ist mit dem Ausschluss einer trans* Frau vor Gericht in Australien final gescheitert.
Mehr Opferrechte in der EU

EU-Parlament vor Abstimmung

Im EU-Parlament sollen diese Woche mehr Rechte für Opfer von Gewalttaten beschlossen werden, inklusive eines besonderen Schutzes von LGBTIQ+-Menschen.
Statement des 1. FC Köln

Hasskommentare am Pranger

Der 1. FC Köln zeigt klare Kante und hat jetzt homophobe Hass-Botschaften von Fans mit Namen veröffentlicht.
Vandalismus in Neubrandenburg

Queere Literatur bewusst beschädigt

In der Regionalbibliothek Neubrandenburg wurden mehrfach gezielt queere Bücher zerstört, insbesondere Jugendliteratur. Der Täter ist bisher unbekannt.
Entscheidung erst am 1. Juni

Selbstbestimmungsgesetz-Missbrauch

Der tschechische Justiz hat die Entscheidung über die Auslieferung des in Deutschland verurteilten Rechtsextremisten Liebich überraschend vertagt.
Wirbel um britischen Politiker

OnlyFans-Account von Reform-UK-Mann

Stephen Mousdell ist Politiker der rechtskonservativen Partei Reform-UK und schwuler Pornodarsteller bei OnlyFans. Das sorgt für viel Aufregung.
Ex-NBA-Profi Charles Barkley

Heimlich schwule Spitzenathleten

Homophobie im Leistungssport ist noch immer allgegenwärtig, bekräftigte jetzt der frühere NBA-Profi Charles Barkley. Es gebe viel Feindseligkeit.
Manosphere an Schulen

Toxische Männlichkeit und Mobbing

Übertriebene Männlichkeitsideale, die sogenannte Manosphere, befeuern laut einer neuen Studie bei Schülern die Ablehnung von LGBTIQ+-Menschen.
Gewalt in Italien

Hass, Schlägereien und Todesfälle

Gewalt und Hass gegen LGBTIQ+-Menschen in Italien ist allgegenwertig, der Verein Arcigay warnte jetzt vor einem strukturellem und anhaltendem Problem.