Direkt zum Inhalt
Abschaffung der Homo-Ehe
Foto: IMAGO / Revierfoto
ANZEIGE

Abschaffung der Homo-Ehe? AfD-Politiker Brandner wäre laut ZDF für einen neuen Anlauf

ms - 20.01.2025 - 09:15 Uhr
Loading audio player...

Will die AfD nach der Bundestagwahl im Februar dieses Jahres erneut einen Antrag zur Abschaffung der gleichgeschlechtlichen Ehe einbringen? Bereits 2018 wollt die Partei die Ehe für alle abschaffen, scheiterte dabei aber im Bundestag. Nach Angaben des ZDF könnte in diesem Jahr ein neuer Anlauf unternommen werden.

Antrag auf Abschaffung der Homo-Ehe?

Gestützt wird diese Annahme seitens des ZDFs auf die Aussage des Parlamentarischen Geschäftsführers der AfD, Stephan Brandner, der die umgangssprachliche Homo-Ehe nach wie vor für grundgesetzwidrig hält. Laut Brandner sei der Antrag zur Aufhebung der Ehe für Homosexuelle sowohl in der vergangenen sowie in der noch laufenden Legislaturperiode Beschlusslage seiner Fraktion, so ZDF heute. 

Brandner könne noch nicht absehen, ob das auch die neue AfD-Fraktion nach der Bundestagswahl so sehe, erklärte aber demnach gegenüber dem ZDF weiter: „Ich bin nach wie vor der Meinung, dass die jetzige Gesetzeslage gegen Artikel 6 im Grundgesetz verstößt.“ Damit bezieht sich Brandner auf jenen Artikel im Grundgesetz, der die Ehe unter den besonderen Schutz des Staates stellt. Stimme die neue Fraktion dem zu, werde die AfD erneut einen Antrag zur Abschaffung der Ehe einbringen, so ein Sprecher des Politikers gegenüber dem ZDF. Chancen auf einen Erfolg dürfte die AfD mit einem möglichen neuen Anlauf allerdings  auch 2025 nicht haben. 

Klares Nein zum AfD-Gedankenspiel 

Eine klare Absage an das Gedankenspiel zur Abschaffung der gleichgeschlechtlichen Ehe kam inzwischen von allen anderen Parteien im Bundestag, auch von der Union. „Der Bundestag hat die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare beschlossen und dabei bleibt es. Anders als die AfD akzeptieren wir eine demokratische Entscheidung für ein Rechtsinstitut, das viele Menschen inzwischen zur Grundlage ihrer Lebensplanung gemacht haben“, betonte so Günter Krings, rechtspolitischer Sprecher der Union.

Der queerpolitische Sprecher der FDP, Jürgen Lenders, erklärte, die erneute Debatte über die Rückabwicklung der Ehe für alle sei eine „klare Kampfansage an alle homosexuellen Menschen in Deutschland“. Und weiter: „Die AfD zeigt einmal mehr ihre Ignoranz gegenüber gesellschaftlichen Realitäten und ihre Politik des ewig Gestrigen. Wer als homosexuelle Frau oder homosexueller Mann jetzt noch AfD wählen kann, ist mir unbegreiflich.“

Der Grünen-Politiker und Queer-Beauftragte der Bundesregierung, Sven Lehmann, sagte: „Der Vorstoß zeigt, dass man sich von einer Alice Weidel nicht blenden lassen darf und die AfD gegen die Gleichstellung von Lesben und Schwulen ist.“ 

Homosexuelle AfD-Wähler

Die AfD bleibt für einen Teil der schwul-lesbischen Community nach wie vor offenbar trotzdem wählbar, wie sowohl das ZDF wie auch die Frankfurter Rundschau vor kurzem berichteten. Als Begründung nannten mehrere interviewte Homosexuelle den Wunsch nach mehr innerer Sicherheit, die Migrations-Probleme und die wirtschaftliche Lage Deutschlands. 

Er sei für Gleichberechtigung für die queere Community, aber das sei „ein Luxusproblem, wenn man ohne Job und Perspektive dasteht“, so ein 41-jähriger Schwuler aus Berlin. Ein junger queere Mann betonte: „Es wird immer schlimmer. Mehr denn je werde ich als erkennbar queerer Mensch in Berlin angefeindet, beschimpft, bespuckt und auch körperlich angegangen. Ich brauche keine Aktionspläne oder einen Ehering, ich will mich wieder sicher fühlen, ohne Angst haben zu müssen, verprügelt zu werden.“

Gegenüber dem ZDF bezweifelt ein schwules Paar, dass die AfD wirklich die Ehe für alle abschaffen wolle. „Wenn die AfD in Regierungsverantwortung ist, wird sie sich auf die Probleme konzentrieren, die unser Land wirklich bewegen, wie zum Beispiel Wirtschaft und bezahlbare Energie (…) Die AfD ist von Grund auf eine freiheitliche Partei, die die Meinungsfreiheit groß schreibt und klar sagt, dass Sexualität Privatsache ist.“

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Streisand greift Trump an

Streit um das Kennedy Center

Barbra Streisand kritisiert Präsident Trumps Vorgehen beim Kennedy Center, dessen Umbenennung juristisch und politisch umstritten ist.
Zehn Jahre Projekt „WiR*“

Aufklärung gerät unter Druck

Das Kölner Projekt „WiR*“ feiert zehn Jahre Aufklärungsarbeit – und warnt vor zunehmender Queerfeindlichkeit an Schulen.
Kolumbien sagt Nein zu LGBTIQ+

Kritik an neuem Regierungskurs

Kolumbien verlässt eine wichtige internationale LGBTIQ+-Koalition, während Menschenrechtsvereine vor anhaltender Gewalt gegen die Community warnen.
Vapen bei LGBTIQ+-Jugendlichen

Mobbing verstärkt den Trend

Eine neue Untersuchung sieht einen Zusammenhang zwischen der Ausgrenzung und Mobbing von LGBTIQ+-Jugendlichen und ihrem erhöhten Vape-Konsum.
ESC-Krise in Großbritannien

Prüfung des Auswahlverfahrens

Nach dem letzten Platz 2026 beim ESC soll das britische Eurovision-Auswahlverfahren jetzt im Parlament genauer untersucht werden.
Volkszählung in den USA

Neue Regeln sorgen für Kritik

Geplante Regeln für die US-Volkszählung 2030 könnten trans* Menschen zur Offenlegung ihrer Geschlechtsidentität gegenüber dem Staat zwingen.
Brutale Attacke auf Schwulen

Aktivist über Lage in Argentinien

Nach einem brutalen homophoben Angriff in Buenos Aires kritisiert der schwule Aktivist Agustín Romero das Klima unter Präsident Javier Milei.
Aufregung im Bundestag

Derbe Gespräche sorgen für Kritik

Ein verbal-sexuell sehr freizgügiger Rundgang von Linken-Politiker Mai Brückner mit Rapper Baran Kok im Bundestag sorgt derzeit für viel Aufregung.