Direkt zum Inhalt
Kehrtwende im Mordfall

Kehrtwende im Mordfall Der äußerst brutale Mord an einem trans* Mann in New York schockt die Community - die mutmaßlichen Täter waren selbst LGBTIQ+

ms - 19.02.2025 - 15:00 Uhr
Loading audio player...

Warum musste trans* Mann Sam Nordquist tatsächlich sterben? Nachdem Anfang der Woche bekannt wurde, dass der 24-Jährige aus Minnesota offenbar über Wochen immer wieder von fünf Tatverdächtigen grausam gefoltert worden ist, war schnell die Rede von einem Hassverbrechen. Die Ermittler widersprechen nun eindeutig dieser Einschätzung und betonen, dass es sich bei den fünf Inhaftierten selbst um LGBTIQ+-Menschen handelt. 

Keine Spekulationen

„Wir bitten die Bevölkerung dringend, nicht über das Motiv des Mordes zu spekulieren, während wir daran arbeiten, Gerechtigkeit für Sam zu finden. Zum jetzigen Zeitpunkt haben wir keine Hinweise darauf, dass es sich bei Sams Ermordung um ein Hassverbrechen handelt“, so die leitenden New Yorker Ermittler in einem Pressestatement zusammen mit der Staatsanwaltschaft des Bezirks Ontario.

Zudem betonte die Polizei weiter: „Um die verständliche Sorge zu zerstreuen, dass es sich bei dem Mord an Sam um ein Hassverbrechen handeln könnte, geben wir bekannt, dass Sam und seine Angreifer einander kannten, sich als LGBTIQ+ identifizierten und dass mindestens einer der Angeklagten in der Zeit vor der Tat mit Sam zusammenlebte.“ Die fünf Tatverdächtigen im Alter zwischen 19 und 38 Jahren wurden angeklagt und ohne die Möglichkeit einer Kaution im Gefängnis von Ontario County untergebracht. Der Vorwurf lautet auf Mord zweiten Grades.

Unvorstellbare Folter

Derweil wurden weitere Details über das Tatgeschehen bekannt: In der Strafanzeige werden laut 13WHAM „erschütternde Einzelheiten“ über die brutale Ermordung beschrieben. Demnach soll der trans* Mann unter anderem mit einem Tischbein und Besenstielen immer wieder gefoltert und sexuell missbraucht worden sein. Über einen längeren Zeitraum soll der 24-Jährige immer wieder auch Schlägen und Tritten ausgesetzt gewesen sein, zudem schlugen die Täter mit diversen Gegenständen wie Stöcken, Gürteln, Seilen oder auch Hundespielzeug auf ihn ein, bis Nordquist schlussendlich an den schweren Verletzungen verstarb. 

Sterbliche Überreste auf einem Feld 

Letzte Woche dann entdeckte die Polizei die sterblichen Überreste von Nordquist auf einem Feld in Yates County. Nach Stand der Ermittlungen haben die Tatverdächtigen den jungen Mann in einem Motel im Bezirk Ontario getötet und seine Leiche dann im Nachbarbezirk entsorgt, um den Mord zu vertuschen. „Kein Mensch sollte das durchmachen müssen, was Sam durchgemacht hat. In meiner 20-jährigen Laufbahn als Gesetzeshüter ist dies eines der schrecklichsten Verbrechen, das ich je untersucht habe“, betonte die leitende Polizeikommissarin Kelly Swift. 

Der aus Oakdale, Minnesota, stammende Nordquist war im September letzten Jahres nach New York gereist, um seine „Online-Freundin“ zu treffen. Er habe ein Flugticket für Hin- und Rückflug gekauft und sollte Mitte Oktober nach Hause zurückkehren, blieb aber dann doch vor Ort – ob freiwillig oder erzwungen ist offiziell noch nicht bekannt. Zum Neujahrstag brach der Kontakt mit seiner Familie komplett ab, die schlussendlich die Polizei alarmierte.  

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Zwangsarbeit wegen Gay-Story

Urteil wegen schwuler Fan-Fiction

Eine junge Autorin wurde in Russland zu 18 Monaten Zwangsarbeit verurteilt, weil sie schwule Fan-Fiction der K-Pop-Gruppe Stray Kids geschrieben hatte
EuGH stärkt Minderheitenrechte

24 Stunden Programm geplant

Der ungarische Fernsehsender Szivárvány TV, das erste LGBTQ‑Programm des Landes, steht unmittelbar vor dem Start.
Keine heile Welt?

Queere Kanadier in Not

Kanada war lange Zeit das Sinnbild für LGBTIQ+-Akzeptanz, ein neuer Bericht zeigt nun, dass viele queere Jugendliche massive Probleme haben.
Landesweite Signalwirkung

Religionsfreiheit vor Aufklärung

Eltern im Montgomery County, Maryland können laut Gerichtsurteil ihre Kinder künftig vom Schulunterricht zu LGBTIQ+-Themen abmelden.
Streit am Gartenzaun

Regenbogen vor US-Gericht

Ein lesbisches Paar verklagte jetzt ihre Heimatstadt Key West, deren Bürokraten ihnen verboten, den eigenen Gartenzaun in Regenbogenfarben zu bemalen.
Tödliche Messerstecherei

Mord an Universität in Washington

Eine 19-jährige trans* Studentin wurde an der Universität in Washington mit einem Messer ermordet, die Polizei fahndet derzeit nach dem Täter.
Neuer Anlauf in Colorado

Verbot von Homo-Heilungen

Nachdem der US-Supreme Court das Verbot von Konversionstherapien in Colorado gestoppt hat, hat die Regierung nun ein neues Gesetzesvorhaben vorgelegt.
Jubiläum in Italien

Zehn Jahre zivile Partnerschaft

In Italien wird zehn Jahre zivile Partnerschaft gefeiert. Nicht genug, betonen queere Verbände und fordern die gleichgeschlechtliche Ehe.
Rückenwind für Homo-Ehe

Unterstützung von UN-Gremien

Immer mehr Menschenrechtsgremien der Vereinten Nationen unterstützen die Gleichstellung homosexueller Ehepaare, so eine neue Studie.