Direkt zum Inhalt

Entschädigung von Veteranen 75 Millionen Pfund für 4.000 homosexuelle Veteranen – reicht das Geld aus?

Von ms - 12.12.2024 - 14:00 Uhr
Entschädigung von Veteranen
Foto: iStock / Arseniy45
ANZEIGE
Loading audio player...

Zu zäh, zu langsam – ist es eine Hinhaltetaktik? Die britische Regierung hat nun endlich festgelegt, dass homosexuelle Veteranen bis zu 70.000 Pfund Entschädigung erhalten für die Misshandlungen und Gräueltaten, die ihnen seitens der Behörden in der Vergangenheit zugefügt worden sind. Ab Januar 2025 sollen die ersten Auszahlungen beginnen, die Gesamtsumme wurde dabei von 50 auf 75 Millionen Pfund angehoben. 

Kritik seitens der Veteranen

Betroffen sind davon rund 4.000 noch lebende Veteranen. An dem „noch“ entspinnt sich die erste Kritik an der britischen Regierung, denn seit Jahren wird um eine Entschädigung gerungen, nun endlich ist es zwar soweit, doch manchem Veteran drängte sich der Verdacht auf, die Politiker spielten auf Zeit mit Blick auf das Lebensalter der Betroffenen. 

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Erklärung, dass Veteranen „bis zu“ 70.000 Pfund bekommen würden – die Wortwahl lässt Raum für Spekulationen über die tatsächliche Höhe der Leistungen. Ab morgen können die Veteranen 50.000 Pfund beantragen, weitere 20.000 Pfund sollen für diejenigen genehmigt werden, die durch das Verbot „besonders negativ“ beeinflusst worden seien, darunter fallen invasive Untersuchungen oder auch Gefängnisaufenthalte.

 Die genaue Höhe der Entschädigung wird von einem unabhängigen Gremium festgelegt, alle Zahlungen sind von der Einkommensteuer befreit. Doch selbst wenn die Regierung die genannte Höchstsumme ausschöpft, ist das für viele Veteranen zwar erfreulich, aber nicht ausreichend. Viele wünschen sich anstatt einer Einmalzahlung lieber eine lebenslange Rente, vor der sie in Würde bis zu ihrem Tod leben könnten. Zudem leiden viele von ihnen bis heute unter Gefühlen von Scham oder Depressionen. 

Jahrzehntelange Hatz auf Homosexuelle 

Die Mehrheit der rund 4.000 ehemaligen Streitkräfte lebt außerdem in Armut oder mit sehr wenig Einkommen, fast allen blieb eine reguläre Karriere verwehrt, nachdem sie zumeist unehrenhaft aufgrund ihrer Homosexualität aus dem Dienst entlassen worden waren. Viele davon waren zudem aufgrund homosexueller Beziehungen als Sexualstraftäter vorbestraft und bekamen zeitlebens keine richtigen Jobs. 

Seit den 1960er Jahren gab es im Land die sogenannten Schwulenverbote, die es den Streitkräften und Mitarbeitern des Militärs untersagte, homosexuell zu sein. Die Regelung wurde final erst im Jahr 2000 aufgehoben. Wurde Soldaten oder Angestellte als vermeintlich homosexuell angesehen, kam es in vielen Fällen zu massiven Formen von Mobbing, Erpressung, sexuellen Übergriffen, medizinischer Willkür und erzwungenen Konversionstherapien. Nebst den Entschädigungszahlungen hat das zuständige Ministerium jetzt auch angekündigt, dass die Veteranen die Wiederherstellung ihres Dienstgrades und die Änderung des Entlassungsgrundes beantragen können.

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

Süddeutsche ZeitungVeranstaltung in Garching: Fundamentalistische Hassbotschaften im BürgerhausDER STANDARDMit Troye Sivans "She’s The Best" auf der etwas anderen PartytazRazzien gegen Queers in der Türkei: Finsternis am BosporusGALAJorge González: Schwierige Kindheit in KubaAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Sollte die geplante automatische Weitergabe sensibler Daten in Baden-Württemberg verhindert werden?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Polizeieinsatz bei Halk TV

Türkei geht erneut gegen Medium vor

Nach einer Razzia bei Halk TV in der Türkei übernimmt der Staat jetzt die Kontrolle. Die Opposition kritisiert den Eingriff in die Pressefreiheit.
Social-Media-Verbot kommt

Regierung verschärft Jugendschutz

Die Bundesregierung plant strengere Social-Media-Regeln für Minderjährige. Für queere Jugendliche geht es dabei auch um wichtige Schutzräume.
Pentagon-Chef unter Druck

Kritik an US-Verteidigungsminister

Der schwule Demokrat Pete Buttigieg wirft US-Verteidigungsminister Pete Hegseth strategisches Versagen im Iran-Krieg vor und fordert seinen Rücktritt.
Kein Geld mehr für LGBTIQ+

Florida streicht Museumsförderung

Das bekannte LGBTIQ+-Museum in Florida verliert seine Förderung. Die Leitung kritisiert den Einfluss neuer Gesetze und fordert politischen Widerstand.
Kuss-Foto löst Hasswelle aus

Todesdrohung nach Familienfeier

Ein harmloses Kuss-Foto eines schwules Paares löst im Netz homophobe Hetze bis hin zu Todesforderungen aus. Das Paar lässt sich nicht einschüchtern.
Droht ein neues LGBTIQ-Verbot?

Aserbaidschans neue Gesetzespläne

Aserbaidschan soll ein Verbot sogenannter „LGBT-Propaganda“ nach russischem Vorbild planen. Einige Abgeordnete dementieren bisher eher halbherzig.
Kampf um die Ehe

Klage gegen die Slowakei

Zwei in Österreich verheiratete Männer kämpfen vor Gericht um die Anerkennung ihrer Ehe in der Slowakei – und berufen sich auf EU-Recht.
Nacktbilder als Druckmittel

Was du bei Sextortion tun kannst

Erpressung mit Nacktbildern? Was du jetzt tun kannst, wie du Hilfe bekommst und welche Dienste gegen die unerlaubte Verbreitung helfen.
Andrew Scott im Aids-Drama

Erster Trailer zum Oscar-Kandidaten

Andrew Scott spielt in „Elsinore“ den Schauspieler Ian Charleson, der trotz seiner HIV-Erkrankung als Hamlet gefeiert wurde und 1990 an Aids starb.