Direkt zum Inhalt
Eilverfahren gegen Homosexuelle

Eilverfahren gegen Schwule Homosexuelle nach Razzien in Moskauer Schwulenclubs wegen „Respektlosigkeit“ und „Obszönität“ verurteilt

ms - 04.12.2024 - 11:30 Uhr
Loading audio player...

Am vergangenen Wochenende kam es in Russland erneut im großen Stil zu Razzien in mehreren Moskauer Schwulenclubs, mehrere Menschen wurden verhaftet. Nur wenige Tage später sprach ein russisches Gericht jetzt die ersten Urteile – ein Dutzend Clubbesucher wurden für schuldig befunden, gegen den Anti-Homosexuellen-Paragrafen verstoßen zu haben. 

Respektlosigkeit und Obszönität

Das offizielle Hauptvergehen lautet dabei auf „kleines Rowdytum“, wie NBC berichtet, gestützt auf russische Gerichtsdokumente und lokale Nachrichtenberichte. Die homosexuellen Männer wurden am frühen Sonntagmorgen in den drei schwulen Nachtclubs Arma, Inferno und Mono festgenommen. 

„Diese Bürger haben eine Ordnungswidrigkeit begangen, die sich in offensichtlicher Respektlosigkeit gegenüber der Gesellschaft und obszöner Sprache an einem öffentlichen Ort äußerte“, so die Erklärung des Moskauer Gerichts zu den Schuldsprüchen. Ob die jungen Männer zu einer Geldstrafe verurteilt werden oder/und direkt ins Gefängnis müssen, ist noch unklar – das Strafmaß soll zu einem späteren Zeitpunkt verkündet werden. 

Welle von Razzien gegen Homosexuelle

Die Razzien am vergangenen Wochenende erfolgten genau ein Jahr, nachdem der Oberste Gerichtshof Russlands die LGBTI*-Bewegung insgesamt als extremistisch eingestuft hatte. Seitdem kam es immer wieder zu Razzien in mehreren Schwulenclubs und auch zu ersten Anklagen. Begründet werden die Urteile je nach Bedarf sowohl mit dem Extremismus-Gesetz wie auch dem verschärften Anti-Homosexuellen-Gesetz – dabei sind Strafen von bis zu 12 Jahren Haft möglich. 

In den letzten Tagen machten Videos und Bilder auf X die Runde, die die Razzien vom vergangenen Wochenende dokumentierten. Zu sehen sind unter anderem fassungslose Clubbesucher, die auf der Tanzfläche liegen und die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, während Polizisten die Menge durchsuchen. Im Club Mono verteilte die Polizei an junge Homosexuelle verpflichtende Einberufungspapiere für den Ukraine-Krieg – eine beliebte Taktik bei jungen schwulen Männern in Russland.  

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Wegen Hänseleien jetzt Hip-Hop

Lehrerin setzt sich für Schüler ein

Ein achtjähriger Junge verlässt in Italien seine Ballett- und Modern Dance-Kurse. Er wurde von Gleichaltrigen verspottet, weil er tanzt.
Landesweite Debatte in den USA

Donald Trump ordnete Entfernung an

Die Forderung nach der Rückkehr der Pride-Flagge am Stonewall-Denkmal entfacht eine US-Debatte über Sichtbarkeit und politische Einflussnahme.
Budapester Bürgermeister

Zeichen gegen queerfeindliche Politik

Der Berliner Regierende Bürgermeister Kai Wegner hat den Budapester Amtskollegen Gergely Karácsony zum diesjährigen Christopher Street Day in Berlin eingeladen.
Hasskriminalität gegen LGBTIQ+

Stagnation 2025 auf hohem Niveau

Nach den vorläufigen Zahlen kam es 2025 zu über 2.000 Angriffen auf LGBTIQ+-Menschen, die Dunkelziffer dürfte um 90 Prozent höher liegen.
Erfolge bei Olympia

Gute Woche für LGBTIQ+-Athleten

Die erste Woche bei den Olympischen Winterspielen war für LGBTIQ+-Athleten sehr erfolgreich, bisher gab es fünf Medaillen, darunter vier Mal Gold.
Starker Anstieg von Homophobie

Viel Hass britischer Fußballfans

In Großbritannien haben die homophoben Übergriffe im Umfeld des Fußballs zuletzt massiv zugenommen, eine neue Kampagne soll jetzt Abhilfe schaffen.
Trauriges Jubiläum in Kamerun

10 Jahre homophobes Hass-Gesetz

Der verschärfte Strafartikel Artikel 347-1 schafft in Kamerun seit nunmehr zehn Jahren ein Klima der Angst vor Gewalt unter Schwulen und Lesben.
Überraschung bei Disney

Erster Film mit trans* Charakter

Der Disney Konzern hat seinen ersten Film mit einem trans* Charakter angekündigt und vollzieht damit eine Kehrtwende zu jüngsten Entwicklungen.