Direkt zum Inhalt
Russland und HIV
ANZEIGE

Russland und HIV HIV-Experten warnen vor Russlands Einfluss in Osteuropa, der die HIV-Zahlen ansteigen lässt

ms - 08.08.2024 - 13:00 Uhr
Loading audio player...

Spätestens seit der Verschärfung des Anti-Homosexuellen-Gesetzes in Russland im Jahr 2022 ist auch der effektive Kampf gegen HIV-Neuinfektionen schrittweise und dramatisch immer weiter zum Erliegen gekommen. Rund eine Million Menschen leben in Russland inzwischen mit dem HI-Virus. Darüber zu reden oder Prävention zu betreiben, ist weitestgehend verboten, denn es wird in direkter Verbindung mit Homosexualität gebracht. 

Russlands schädlicher Einfluss in Osteuropa

So dramatisch die Lage vor Ort ist, so dramatisch könnte die Situation auch in anderen Ländern werden, denn der Einfluss Russlands in Osteuropa breitet sich immer weiter aus und verschlimmert dadurch nach Einschätzung von HIV-Experten auch die Virus-Epidemie immer weiter. Michel Kazatchkine, Sonderberater der WHO Europa, betonte so jetzt gegenüber dem britischen Guardian, dass der russische Einfluss in den Nachbarländern „eindeutig ist und wächst“, einschließlich der Finanzierung von Sicherheitsdiensten und Innenministerien. 

Damit einhergehend wird auch Anti-Homosexuellen-Propaganda betrieben oder wie in dieser Woche im Fall von Bulgarien direkt homophobe Gesetze mitbestimmt. In Osteuropa und Zentralasien sind die HIV-Neudiagnosen seit 2010 so bereits um rund 20 Prozent gestiegen, die Zahl der Aids-bedingten Todesfälle hat sogar um 34 Prozent zugenommen  - das sind die höchsten Wachstumsraten der Welt.

Attacken auf Beratungszentren 

Die meisten Neuinfektionen in der Region betreffen dabei sogenannte Risikogruppen, darunter hauptsächlich schwule Männer, Sexarbeiter sowie Menschen, die Drogen konsumieren. Bemühungen zur Verbesserung der Behandlung und zur Verhinderung von Infektionen werden dabei offenbar immer strikter durch die von Russland gesteuerte Propaganda behindert. 

Massiv verschärft wurde die Situation jetzt noch einmal durch die Einschätzung der LGBTI*-Bewegung als Terrororganisation Ende 2023 – damit ist es der Regierung jetzt offiziell möglich, gegen alle Beratungseinrichtungen für LGBTI* und HIV vorzugehen. Dazu kommt, dass sowohl in Russland wie auch in anderen osteuropäischen Ländern immer mehr Menschen gar nicht erst einen HIV-Test machen oder selbst eine HIV-positive Diagnose verschweigen, aus Angst, als homosexuell angesehen zu werden. Auch in der Ukraine verschlechtert sich seit Kriegsbeginn so die Lage immer weiter, UNAIDS geht mittlerweile von mindestens 330.000 HIV-positiven Menschen im Land aus. 

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Gay for Pay bei OnlyFans

Zwischen Geld, Sex und Identität

Eine wachsende Gruppe heterosexueller Männer produziert auf OnlyFans explizite Inhalte für ein schwules Publikum und ändert Debatten über Männlichkeit
Schwules Vampir-Märchen

Sexy Fischer trifft Walfänger

Ein umjubelter schwuler Horrorfilm erzählt von einer verbotenen Liebe zwischen einem Fischer und einem Walfänger auf den Färöer-Inseln.
„Benedictwink“ geht viral

Vom Papst zum Internet-Schwarm

Ein Jugendfoto von Benedikt XVI. sorgt online für schwule Begeisterung – und lenkt den Blick auf seine umstrittene Vergangenheit.
Pride als UNESCO-Kulturerbe

Petition soll Idee vorantreiben

Die Pride-Bewegung soll als immaterielles Kulturerbe anerkannt werden, fordert jetzt auch eine Petition, nominiert von den Niederlanden.
Jetten warnt vor Rückschritten

Niederlande sehen neue Spannungen

Der niederländische Premierminister Rob Jetten warnt vor schwindender LGBTIQ+-Akzeptanz unter jungen Menschen und fordert mehr Engagement.
HIV-Wissen für die Polizei

Aktion in Großbritannien

Ein Londoner Polizist will mit HIV-Schulungen Vorurteile abbauen und setzt sich für verpflichtende Aufklärung bei der britischen Polizei ein.
Spaltung der Community

Kritik an Log Cabin Republicans

Der einstige LGBTIQ+-Verein Log Cabin Republicans in den USA will künftig nur noch LGB-Interessen vertreten und stößt damit auf scharfe Kritik.
Gesetzvorschlag in Indonesien

LGBTIQ+-Menschen unter Druck

Ein Dekret der indonesischen Regierung sorgt für scharfe Kritik, während LGBTIQ+-Menschen zunehmend Gewalt und Verfolgung ausgesetzt sind.
Entsetzen in Kamerun

Mord an schwulem Mann

Fassungslosigkeit in Kamerun: Nach dem Mord an Paul Gérard in Douala prallen tiefe Trauer und homophober Spott aufeinander.