Direkt zum Inhalt
LGBTI*-Ansprechpartner

LGBTI*-Ansprechpartner Eine neue Anlaufstelle für LGBTI*-Hasskriminalität soll endlich auch im Saarland geschaffen werden – fragt sich nur, wann konkret?

ms - 31.05.2024 - 12:00 Uhr
Loading audio player...

Die Hasskriminalität in Deutschland gegenüber LGBTI*-Menschen hat zuletzt im Jahr 2023 um rund 65 Prozent zugenommen, wobei 90 Prozent der Angriffe gar nicht erst gemeldet werden – oftmals trauen sich die Opfer aus Scham nicht, zur Polizei zu gehen. Oder sie haben zu große Angst davor, abschätzig und herablassend von den Beamten behandelt zu werden. 

Ein Flickenteppich bei der Polizei

Seit einigen Jahren sollen dieses Problem eigene polizeiliche LGBTI*-Ansprechpartner in den jeweiligen Bundesländern angehen – geschulte Polizeibeamte stehen hier für alle Homosexuellen und queere Menschen bereit, die zu Opfern wurden. So die Theorie. In der Praxis handhabt jede Landesregierung das Vorhaben mal mehr oder weniger ernsthaft, in Bayern oder Thüringen beispielsweise herrscht vielerorts noch Dürre. Vorbildfunktion haben indes Anlaufstellen unter anderem in Berlin oder auch in Niedersachen und Hessen. 

Ödland Saarland?

Ödland bis jetzt ist das eigentlich idyllische Saarland. Zwar wurde bereits 2015 erstmals in Erwägung gezogen, einen eigenen Ansprechpartner für LGBTI* ins Leben zu rufen, doch erst jetzt scheint sich tatsächlich etwas zu bewegen. Die SPD-Landesregierung bereitet derzeit die Ausschreibung für den Posten vor, so das Innenministerium. 

Kritik kommt von der CDU, die befürchtet, dass die Einführung sich erneut sehr lange hinziehen könnte. Der ganze Prozess dauere dabei bereits jetzt viel zu lange, gerade auch angesichts der steigenden Straftaten gegen LGBTI*-Menschen auch im Saarland. In den letzten vier Jahren seit 2019 haben sich die offiziell gemeldeten Vorfälle im Bundesland verzehnfacht. Das nun trotzdem erst jetzt eine Ausschreibung vorbereitet werde, sei ein Problem, die Landesregierung habe ihre Hausaufgaben nicht gemacht, so Anja Wagner-Scheid von der CDU-Fraktion im saarländischen Landtag. 

Wann kommt die LGBTI*-Anlaufstelle wirklich?

Grundsätzlich begrüßen die Grünen die neue Stelle einer LGBTI*-Ansprechperson, nachdem es auch in den letzten Jahren beispielsweise beim Saarbrücker CSD zu Attacken auf Pride-Teilnehmer gekommen war. Doch fragen sich auch die Saarland-Grünen, wann es denn jetzt genau dazu kommt. Zudem, so Jeanne Dillschneider, Landesvorsitzende der Saar-Grünen gegenüber dem Saarländischen Rundfunk: „Die Pflege von Statistiken zu LGBTI*-Gewalt allein reicht nicht aus, es müssen endlich konkrete Maßnahmen eingeleitet werden. In diesem Zusammenhang wäre eine grundsätzliche Sensibilisierung aller Polizisten in Aus- und Fortbildung in Bezug auf queer-feindliche Straftaten wünschenswert, um die Kommunikation zwischen der LGBTI*-Community und den Strafverfolgungsbehörden zu verbessern und die Anzeigenbereitschaft Ersterer zu steigern.“

Die regierende SPD selbst verteidigt ihr Vorhaben gegen jede Kritik, man wolle die Stelle im Zuge der Umstrukturierungspläne der Polizei schaffen. Auch dafür gibt es allerdings noch keinen genauen Zeitplan. Solange können sich die LGBTI*-Opfer aber sicher noch gedulden.  

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Schwuler Strand in Gefahr

Kanadas Aktivisten schlagen Alarm

Erosion setzt einem der bedeutendsten schwulen Treffpunkte Kanadas massiv zu – ohne rasche Maßnahmen könnte der Strand weitgehend bald verschwinden.
Sichtbarkeit im Fußball

LGBTIQ+-Persönlichkeiten im Fokus

Outsports hat zum Start der Fußball-WM eine Lister der wichtigsten und einflussreichsten offenen LGBTIQ+-Fußballer veröffentlicht.
Warnung von David Furnish

Sorge um HIV-Prävention

David Furnish sieht die Erfolge im Kampf gegen HIV/AIDS durch politische Entscheidungen, Kürzungen und Einschränkungen von LGBTIQ+-Rechten gefährdet.
David Hockney ist tot

Schwule Maler-Ikone gestorben

David Hockney ist tot. Mit ihm verliert die Kunstwelt einen ihrer bedeutendsten und einflussreichsten Künstler der Gegenwart.
Gesichtscan in Schwulenbar

Streitfall in San Francisco

Der Einsatz von Gesichtscans in mehreren Schwulenbars in San Francisco löst derzeit heftige Debatten über Datenschutz und Überwachung aus.
Ende für schwule Dating-App

Match Group beendet Archer

Drei Jahre nach dem Start stellt die Match Group die schwule Dating-App Archer ein und setzt stattdessen auf eine Beteiligung am Konkurrenten Sniffies
Homosexuellen-Verbot in Afrika

Südafrika verweigert Zustimmung

Südafrika stellt sich mutig gegen eine geplante afrikanische Charta, die Homosexualität verbieten und Menschenrechtsstandards einschränken würde.
Jugendschutz bei Social Media

Ethikrat lehnt Altersgrenze ab

Pauschale Verbote für soziale Medien sind nach Ansicht des Deutschen Ethikrats kein geeignetes Mittel zum Schutz von Kindern und Jugendlichen.
Chemsex in der Community

Einnahme von Drogen nimmt zu

Der neue EU-Drogenbericht zeigt einen hohen Konsum psychoaktiver Substanzen, insbesondere bei Suchtstoffen im Bereich Chemsex.