Direkt zum Inhalt
Meilenstein in Litauen

Meilenstein in Litauen Erstmals volle juristische Anerkennung eines homosexuellen Paares

ms - 12.08.2025 - 12:00 Uhr
Loading audio player...

Die Regierung in Litauen weigert sich bis heute vehement, schwule und lesbische Paare rechtlich anzuerkennen. Bereits im April dieses Jahres entschied das Verfassungsgericht, dass das Land ein neues Partnerschaftsgesetz vorlegen muss, da das bestehende Verbot von homosexuellen Paaren verfassungswidrig und eine Verletzung von Menschenrechten ist. Seit 1992 wird die Ehe in der Verfassung als Verbindung zwischen Mann und Frau definiert. Geschehen ist seitdem wenig, nun hat ein gleichgeschlechtliches Paar erstmals vor Gericht gewonnen. 

Durchbruch im Kampf um Rechte

Das Bezirksgericht in der Hauptstadt Vilnius hat die betreffenden Behörden explizit angewiesen, eine lesbische Lebensgemeinschaft als Partnerschaft anzuerkennen und dies offiziell in allen Dokumenten auch zu registrieren. Unterstützt wurde das klagende Paar dabei von der LGBTIQ+-Organisation Tolerant Youth Association (TJA). Die Community feiert das Urteil als Durchbruch im Kampf um gleiche Rechte und hofft nun, dass endlich auch Bewegung in den parlamentarischen Prozess kommen könnte. 

Nach der Urteilsverkündigung übte TJA scharfe Kritik an der Politik des Landes, das bis heute wichtige Entscheidungen unnötig verzögere und sich weigere, in diesem Fall endlich Verantwortung zu übernehmen. Nachdem nun ein Paar tatsächlich erstmals seine Partnerschaft formal absichern kann, muss die Politik endlich handeln, so TJA weiter. Das Urteil ebene den Weg für Dutzende ähnlicher Fälle, aktuell gebe es rund zwanzig weitere homosexuelle Paare, die ihr Recht derzeit vor Gerichten einklagen. 

Neuer Gesetzentwurf im Herbst 

Artūras Rudomanskis, Vorsitzender (TJA), betonte zudem: „Das Urteil ist ein Meilenstein, lässt aber andere gleichgeschlechtliche Paare in rechtlicher Unsicherheit zurück. Wir freuen uns, dass mehr Menschen gleichberechtigt sein werden, aber es liegt noch ein langer Weg vor uns. Damit die Menschen wirklich glücklich sind und sich gleichberechtigt fühlen, brauchen wir ein funktionierendes, auf Gesetzen basierendes System, damit wir nicht vor Gericht gehen müssen.“

Und der Anwalt der zwei lesbischen Frauen, Aivaras Žilvinskas, ergänzte: „Zum ersten Mal in der Geschichte wird der Familienstatus anerkannt. Alle Gesetze und Vorschriften, die sich auf Menschen als Mitglieder einer Familie beziehen – wirtschaftliche und soziale Vorteile, Zulagen, Unterstützung – gelten automatisch jetzt auch für diese Paare.“ 

Justizminister Rimantas Mockus erklärte nach dem jüngsten Urteil, dass die Gesetzgeber nun im Herbst dieses Jahres mit der Debatte über einen neuen Partnerschaftsgesetzentwurf beginnen wollen, der derzeit vom Ministerium ausgearbeitet wird – mehrere Initiativen zuvor waren bisher stets gescheitert. Nun allerdings ist ein Handeln juristisch zwingend erforderlich. 

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Forderung der Linksfraktion

Gedenken für alle queeren Opfer

Die Linksfraktion fordert eine offizielle Anerkennung der Bundesregierung aller queeren Opfer der Nationalsozialisten, nicht "nur" der homosexuellen.
Selenskyj bricht Versprechen

Keine Rechte für homosexuelle Paare

Rollback Ukraine: Präsident Selenskyj bricht sein Versprechen, das Parlament will ein extrem restriktives Gesetze gegen LGBTIQ+-Rechte einführen.
Mehr LGBTIQ+-Menschenrechte

Vorstoß von EU-Abgeordneten Zan

Der Grundrechtebericht des italienischen EU-Abgeordneten Alessandro Zan wurde jetzt im EU-Parlament angenommen. Ziel: Stärkung der LGBTIQ+-Rechte.
Gewalt im Iran geht weiter

Appell von Amnesty International

Im Iran kämpft das Regime nach wie vor um den Machterhalt, viele Aktivisten werden verschleppt, darunter mutmaßlich auch LGBTIQ+-Menschen.
Blutige Spur durch die USA

Über 1.000 Angriffe auf LGBTIQ+

Die Angriffe auf die LGBTIQ+-Community in den USA haben erneut 2025 zugenommen, besonders stark betroffen waren dabei Pride-Veranstaltungen.
Jetten wird Ministerpräsident

Minderheitenregierung bestätigt

In den Niederlanden haben sich 3 Parteien nun auf eine Minderheitenregierung geeinigt. Rob Jetten wird der erste schwule Ministerpräsident des Landes.
Gedenken in Berlin

Opfer des Nationalsozialismus

In Berlin findet heute die Kranzniederlegung am Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen statt.
Tilly Prozess in Russland

Verfahren wird fortgesetzt

Der Prozess gegen Jacques Tilly und seine Putin-kritischen Karnevalswagen geht heute in Russland unbeirrt weiter trotz internationaler Proteste.
Programm AfD Sachsen-Anhalt

Debatte über Regierungsentwurf

Ein Entwurf der AfD Sachsen-Anhalt sorgt für Empörung: Gefördert werden sollen nur noch heterosexuelle Familien, die Pride-Flagge soll verboten werden