Direkt zum Inhalt

Showdown im Bundestag Hunderte Künstler protestieren gegen ein geplantes neues Asylgesetz der Union, darunter auch LGBTIQ+-Vertreter

Von ms - 31.01.2025 - 09:15 Uhr
Showdown im Bundestag
Foto: IMAGO / Frank Ossenbrink
ANZEIGE
Loading audio player...

Heute Vormittag wird im Bundestag über das geplante Zustrom-Begrenzungsgesetz im Bundestag abgestimmt – der Antrag der Union könnte mit den Stimmen von FDP, BSW und AfD eine Mehrheit bekommen. Über einhundert Prominente, Künstlerinnen und Künstler protestierten jetzt in einem Offenen Brief gegen die für heute Vormittag geplante Abstimmung.

Historischer Tabubruch

In dem Schreiben betonen die Initiatoren: „Dieser Pakt mit der AfD bedeutet einen historischen Tabubruch. Menschen Asyl zu gewähren, ist ein in der Verfassung verankertes Grundrecht und darin auch eine der zentralen Lehren aus den Verbrechen des Nationalsozialismus. Die Union ist bereit, diese Rechte mit den ideologischen Erben der Täter zu beschließen und mit dem historischen Konsens des ´Nie wieder´ zu brechen.“

Zu den Kritikern gehören bekannte Namen wie Daniel Brühl, Jella Haase, Karoline Herfurth, Bjarne Mädel, Anna Maria Mühe, Joko & Klaas, Johannes Oerding, Sabrina Setlur oder auch Bela B. von den Ärzten. Auch Stimmen aus der LGBTIQ+ Community sprechen sich gegen die heutige Abstimmung aus, darunter Maren Kroymann, Bambi Mercury, Jochen Schropp oder auch Lars Tönsfeuerborn. 

Dringender Handlungsbedarf

Die Union indes betont einmal mehr die Wichtigkeit, in der Migrationspolitik endlich zu handeln. CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann sagte gegenüber dem ZDF, ihm sei völlig egal, was die AfD mache. Wenn man aus Angst, dass irgendjemand zustimmen könne, nicht nach seiner Überzeugung handele, dann sei das kein Parlament mehr.

Das neue Gesetzesvorhaben sieht drei konkrete Maßnahmen vor: Das Aufenthaltsgesetz soll geändert werden, wobei die Begrenzung der Migration fest verankert wird. Die Bundespolizei soll neue Befugnisse bekommen, beispielsweise sollen die Beamten an Bahnhöfen landesweit Abschiebehaftanträge stellen können. Und der Familiennachzug für subsidiär Schutzberechtigte soll komplett gestrichen werden.

Mehrheit der Deutschen für neue Migrationspolitik

In einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts INSA im Auftrag der BILD-Zeitung bestätigten in dieser Woche 76 Prozent der Deutschen, dass sie mit der aktuellen Migrationspolitik nicht zufrieden sind, 69 Prozent begrüßten den unverbindlichen Entschließungsantrag zum Asyl-Stopp am vergangenen Mittwoch. 52 Prozent gaben an, dass Deutschland die Zurückweisung illegaler Migranten an den Grenzen auch dann umsetzen sollte, wenn es gegen EU-Recht verstoßen würde. Die SPD hat heute erklärt, trotz Aufforderung seitens der Union nicht für das Gesetzesvorhaben zu stimmen – 67 Prozent aller Deutschen und 51 Prozent der SPD-Wähler würden sich das allerdings von der Partei wünschen. Die Grünen sowie die Linksfraktion lehnen eine Zustimmung grundsätzlich ab.   

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

DER STANDARDHomophobe Hassdelikte: Fast jeden Tag ein FallBerliner MorgenpostNach Razzia gegen queeres Gesundheitsprojekt: Demo in Berlin angekündigtSWRGrüner Sozialminister BW sorgt sich um Minderheiten: Hildenbrand will "Anwalt" der queeren Community seinFalterBlauland: Zum Jubiläum ein Regenbogen-HirschgeweihAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Wie wichtig ist dir ein LGBTIQ+-freundliches Arbeitsumfeld bei der Wahl eines Arbeitgebers?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Haiti verschiebt die Wahlen

Zehn Jahre ohne Urnengang

Haitis Wahlen werden erneut verschoben. LGBTIQ+-Aktivisten warnen vor wachsender Unsicherheit und einer politischen Krise ohne absehbares Ende.
Neue Vorwürfe in Turkmenistan

Psychiatrie wird zum Albtraum

Neue Berichte über Zwangseinweisungen und Misshandlungen zeigen die dramatische Lage homosexueller Menschen in Turkmenistan.
Gewalt gegenüber Asexuellen

Studie zeigt starke Diskriminierung

Ein neuer internationaler Bericht dokumentiert Gewalt und Diskriminierung gegen asexuelle Menschen und fordert besseren gesetzlichen Schutz.
Regenbogenfamilien im Fokus

Rund 300 Menschen feiern Vielfalt

Bei der Regenbogenfamilienkonferenz in Mannheim forderten LGBTIQ+-Familien mehr rechtliche Sicherheit, Unterstützung und gesellschaftliche Anerkennung
„Glee“-Stars kehren zurück

Diese Stars sind wieder dabei

Die Musicalserie „Glee“ bekommt eine Neuauflage bei Disney+ und Hulu. Die ersten Stars der Originalbesetzung haben jetzt ihre Rückkehr bestätigt.
Warnung von Édouard Louis

Krawalle erschüttern Frankreich

Nach gewaltsamen Ausschreitungen in Frankreich kritisiert Schriftsteller Édouard Louis die Regierung und fordert ein Verbot rechtsextremer Parteien.
Pläne für ESC 2028

Vorentscheid mit mehreren Sendern

ARD, RTL und ProSiebenSat.1 denken über einen gemeinsamen deutschen ESC-Vorentscheid nach. Eine Umsetzung wäre ab 2028 denkbar.
Angriff auf queeres Zentrum

LGBTIQ+-Banner in Cottbus zerstört

Erneut sind Regenbogenbanner an einem queeren Kulturzentrum in Cottbus beschädigt worden. Die Betreiber sprechen von Einschüchterung.
Haftstrafen nach Angriff

Homophobe Attacken mit Folgen

Nach einem brutalen homophoben Überfall auf einen schwulen 31-Jährigen Syrer in Mainz müssen zwei Landsleute für mehrere Jahre ins Gefängnis.