Rekordzahl bei CSDs in Bayern Forderungen nach mehr Schutz im Freistaat
Mit insgesamt 42 Christopher Street Days und Pride-Veranstaltungen ist Bayern 2026 nach Angaben des LSVD+ Verband Queere Vielfalt im Freistaat Spitzenreiter unter den Bundesländern. Die Veranstaltungsreihe startet am kommenden Samstag, den 30. Mai, in Hof und endet am 26. September mit CSDs in Herzogenaurach und Landshut. Wunschlos glücklich ist die Community deswegen allerdings noch lange nicht.
Das Wichtigste im Überblick
- In Bayern finden 2026 insgesamt 42 Christopher Street Days statt – mehr als in jedem anderen Bundesland.
- Die Pride-Saison beginnt am 30. Mai in Hof und endet am 26. September in Herzogenaurach und Landshut.
- Der LSVD+ Bayern kritisiert fehlende Maßnahmen gegen Queerfeindlichkeit durch die Staatsregierung.
- 2025 wurden in Bayern offiziell 180 queerfeindliche Straftaten registriert.
- Der Verband fordert unter anderem einen echten Aktionsplan gegen Queerfeindlichkeit und ein Landesantidiskriminierungsgesetz.
Kritik an fehlender Queerpolitik
Der LSVD+ Bayern wertet die hohe Zahl an Veranstaltungen als Zeichen wachsender Sichtbarkeit queerer Menschen – kritisiert zugleich jedoch deutliche Defizite in der bayerischen Queerpolitik. „Bayern hat die meisten CSDs in ganz Deutschland. Das ist ein Grund zur Freude und gleichzeitig ein deutliches Signal an die Staatsregierung, queere Menschen endlich wirksam vor Diskriminierung und Gewalt zu schützen“, erklärt Markus Apel, Vorstandsmitglied des LSVD+ im südlichen Freistaat.
Weiter sagt Apel: „Während queere Communitys in immer mehr Orten Sichtbarkeit schaffen, bleibt die Staatsregierung queerpolitisch weit hinter anderen Bundesländern zurück. Bayern verfügt bis heute über keinen Aktionsplan gegen Queerfeindlichkeit und investiert weiterhin nicht ausreichend in queere Bildung, Gewaltprävention und Gesundheitsversorgung.“
Jenseits der Metropolen
Besonders bemerkenswert sei die Entwicklung außerhalb der großen Städte. „Es beeindruckt uns, wie viele Menschen in Bayern trotz zunehmender Anfeindungen den Mut haben, sichtbar zu sein und CSDs auf die Beine zu stellen – nicht nur in Großstädten, sondern vor allem in kleineren Kommunen und im ländlichen Raum“, erklärt Apel weiter. Fast alle Veranstaltungen würden ehrenamtlich organisiert. Für viele queere Menschen seien die CSDs dabei oft die einzige Möglichkeit im Jahr, sichtbar zu sein, Gemeinschaft zu erleben und sich mit anderen queeren Menschen zu vernetzen.
Hasskriminalität nimmt stark zu
Nach Angaben des Verbands hat sich dabei allerdings die Sicherheitslage für queere Menschen zuletzt verschärft. Im Jahr 2025 wurden in Bayern offiziell 180 queerfeindliche Straftaten registriert. Mehrere Studien der letzten Jahren sowie auch die Einschätzung der Polizei zeigt dabei auf, dass 90 Prozent aller Attacken gar nicht erst angezeigt werden und folgerichtig auch nicht in der Statistik erscheinen. Das Dunkelfeld mit einbezogen, kann also von bis zu 1.800 Angriffen auf die Community in Bayern ausgegangen werden, das wären knapp fünf Attacken jeden Tag. Bundesweit sind zudem im letzten Jahr mindestens 110 der insgesamt 245 geplanten CSDs angegriffen oder gestört worden, vielfach durch organisierte rechtsextreme Gruppen.
Forderungen des LSVD+
Der LSVD+ Bayern fordert deshalb einen landesweiten Aktionsplan gegen Queerfeindlichkeit sowie ein Bayerisches Landesantidiskriminierungsgesetz. Zudem spricht sich der Verband für stärkere Investitionen in queere Bildungs-, Beratungs- und Präventionsangebote aus. Die bisherigen Bemühungen der Landesregierung unter Ministerpräsident Markus Söder (CSU) wurden vielerorts als kläglich bis unverschämt eingestuft – echtes Engagement sieht wohl anders aus.
Zu den weiteren Forderungen gehören so auch die Abschaffung des sogenannten „Gender-Verbots“, die Ergänzung von Artikel 3 des Grundgesetzes zum Schutz queerer Menschen, eine Reform des Abstammungsrechts sowie die Fortführung des Bundesaktionsplans „Queer Leben“. Auch das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ müsse Projekte gegen Queerfeindlichkeit weiterhin verlässlich unterstützen.