Direkt zum Inhalt
Neue Angriffe bei CSDs
Rubrik

Neue Angriffe bei CSDs Rechtsextreme mischen sich unter Pride-Teilnehmer, queere Aktivisten attackieren die Polizei.

ms - 17.07.2023 - 11:00 Uhr

Am vergangenen Wochenende kam es erneut zu Angriffen auf die LGBTI*-Community sowie zu weiteren Vorfällen während der CSDs und Pride-Paraden in Deutschland. Teilnehmer wurden bespuckt, die Polizei direkt attackiert und anderenorts mischten sich sogar Rechtsextreme mit Nazi-Symbolen unter die CSD-Demonstranten. Zu eigen ist allen Vorfällen, dass die Gewaltbereitschaft offenbar zunimmt.

Queere Aktivisten attackieren Polizeiwagen

Beim größten CSD am vergangenen Wochenende in Frankfurt am Main mit rund 250.000 Menschen bedrängten Pride-Teilnehmer einen Streifenwagen der hessischen Polizei, der in Regenbogenfahnen gehüllt war. Immer wieder versuchten nach Angaben der Polizei dabei offensichtlich queere Aktivisten, die Flaggen abzureißen und das Fahrzeug selbst an der Weiterfahrt zu hindern – schlussendlich sah sich die Polizei gezwungen, den Streifenwagen von der Demonstration zu entfernen, so die Frankfurter Polizei.

Die Insassen des Fahrzeugs, polizeiliche Ansprechpartner der LGBTI*-Community, wurden nicht verletzt, die Ermittlungen wurden aufgenommen. Vor Ort war auch Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD), die erklärte: „Diejenigen anzugreifen, die ein friedliches und sicheres Fest ermöglichen, ist absolut inakzeptabel. Ich danke der Polizei für ihren Einsatz hier am heutigen CSD Frankfurt.“

Rechtsextreme mit Reichskriegsflagge

Beim CSD in Straubing indes mischten sich am vergangenen Wochenende Rechtsextremisten unter die Teilnehmer und zeigten sich mit Nazi-Symbolen wie der „Reichskriegsflagge“. Nach Angaben der Bundestagsabgeordneten Marlene Schönberger (Grüne) sei die Situation bedrohlich gewesen. „Das Selbstbewusstsein der extremen Rechten nimmt zu. Zeit, dass ALLE Demokrat*­innen an der Seite der queeren Community stehen“, so die Politikerin online auf Twitter. Die Polizei trennte schlussendlich die Rechtsextremen von den anderen CSD-Teilnehmern, zu direkten physischen Angriffen ist es offenbar nicht gekommen.

Gruppe von Männern attackiert CSD-Teilnehmerinnen

Anders zeichnete sich indes am Wochenende dann die Lage in Bayreuth ab – beim CSD kam es direkt nach der Parade zu direkten Attacken auf Pride-Teilnehmer. Nach Angaben der Polizei wurden dabei sechs Frauen von einer Gruppe von rund zehn Männern angegriffen. Zunächst beleidigten die unbekannten Täter die Frauen an der Omnibushaltestelle – als die Frauen von dort flüchteten, liefen ihnen die Männer nach, bespuckten sie und traten nach ihnen. Zu schwereren Verletzungen kam es glücklicherweise nicht.

Der CSD Bayreuth fand in diesem Jahr zum zweiten Mal statt und hatte sich dem Motto der großen CSDs in München oder Nürnberg angeschlossen und einen Aktionsplan für Bayern gefordert, um die Akzeptanz gegenüber LGBTI*-Menschen zu fordern. Sebastian Kropp, Pressesprecher  vom Verein Queer Bayreuth, erklärte: „Der Vorfall zeigt, welche Stimmung mittlerweile in unserem Land herrscht und unterstreicht unsere Forderung nach einem queeren Aktionsplan, der die queere Community schützt.“ Die Polizei fahndet nach den Tätern – weitere Einzelheiten zu den Männern wurden bisher nicht veröffentlicht.

ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Kinderwunsch in Griechenland

Neue Regeln für Leihmutterschaften

Mit einer neuen Gesetzgebung sollen in Griechenland schwule Paare von einer Leihmutterschaft ausgeschlossen werden, lesbische Paare nicht.
Auslaufmodell Kirche?

Erstmals mehr Konfessionslose

Auslaufmodell Kirche: In Deutschland gibt es seit 2024 erstmals mehr religionsfreie Menschen als Katholiken und Protestanten.
Anschlagspläne auf Pride

Anklage von drei Heranwachsenden

Drei mutmaßliche junge Islamisten wurden jetzt angeklagt, 2023 ein Attentat auf die Regenbogenparade in Wien geplant zu haben.
Tod im SM-Appartement

Schwuler Mann stirbt in Berlin

Ein 47-jähriger Mann starb am Montagabend in einem SM-Appartement in Berlin, sein Freund alarmierte den Notarzt. Die genauen Umstände sind noch unklar
Diversität in Deutschland

US-Regierung befragt deutsche Firmen

Die US-Regierung fordert jetzt von deutschen Firmen das Ende von Diversitäts-Programmen und die Beschneidung von trans* Rechten.
Folter in Großbritannien

Studie über Konversionstherapien

Neue Studie: Zwanghaftes Beten, "korrigierende" Vergewaltigungen, Schläge - 31 Prozent der LGBTIQ+-Briten haben Konversionstherapien erlebt.
Coming Out von Tanner Adell

US-Country-Star ist pansexuell

Coming Out von Tanner Adell: Der Country-Liebling der US-Schwulen steht offen zur Pansexualität und feiert besonders gerne mit schwulen Fans.
Diplomatische Spannungen

USA und Frankreich im Clinch

Clinch zwischen den USA und Frankreich: Die US-Botschaft in Paris forderte jetzt französische Firmen auf, ihre Diversitäts-Programme einzustellen.
Einsatz gegen Chemsex

Neue Initiative in Bayern

Rund 10 Prozent der Schwulen praktizieren Chemsex regelmäßig. Das Sub in München will mit einer besonderen Kampagne Konsumenten ansprechen und helfen.