Direkt zum Inhalt
Kritik an der Ampel

Kritik an der Ampel Werden Regenbogenfamilien im Stich gelassen?

ms - 04.07.2024 - 10:00 Uhr
Loading audio player...

Ein Bündnis aus der Initiative Nodoption, dem Lesben- und Schwulenverband Deutschland (LSVD), dem Deutschen Juristinnenbund (djb) und dem Bundesarbeitskreis Schwuler Jurist*innen (BASJ) kritisiert jetzt mit scharfen Worten die schleppende Ampel-Politik mit Blick auf die Reformpläne beim Abstammungsrecht. Werden Regenbogenfamilien schlussendlich im Stich gelassen? Nach einem Durchbruch vor der politischen Sommerpause sieht es derzeit zumindest nicht aus. 

Kein Verständnis für Verzögerungen

Bereits zu Beginn des Jahres waren Eckpunkte der Reform vorgestellt worden, im Mai bekräftigte Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) noch, dass er zuversichtlich sei, bis zur Sommerpause einen Gesetzentwurf vorlegen zu können, es gebe allerdings noch „technische Fragen“ zu klären. Das Bündnis der Vereine erklärte dazu jetzt, es sei schlicht unverständlich, warum sich die Reform immer weiter verzögert. 

Patrick Dörr aus dem Bundesvorstand des LSVD: „Angesichts des deutlichen Rechtsrucks muss die Bundesregierung jetzt Verantwortung übernehmen und die Rechte queerer Familien und insbesondere ihrer Kinder noch in dieser Legislaturperiode sichern. Unter keinen Umständen darf die Legislatur verstreichen, ohne dass dieses zentrale queer- und gleichstellungspolitische Vorhaben ausbleibt.“

Und Christina Klitzsch-Eulenburg, Gründerin der Initiative Nodoption, ergänzt: „Queere Familien werden nach wie vor wie Familien zweiter Klasse behandelt. Die Kinder vieler LSBTIQ* haben, selbst wenn sie in eine bestehende Ehe geboren werden, keinen zweiten Elternteil. Auch eine Anerkennung der Elternschaft bei Nicht-Bestehen einer Ehe ist ­­­­­­­­­– anders als bei allen anderen Elternpaaren – nicht möglich. Die Adoptionsverfahren sind intransparent und gespickt mit Diskriminierungen."

Große Gefahren für Kinder

Ursula Matthiessen-Kreuder, Präsidentin des djb, betont die Gefahren der bestehenden Rechtslage für die Kinder: „Die Kinder werden aufgrund des Geschlechts ihrer Eltern massiv benachteiligt, ihnen wird der zweite Elternteil mit Sorge- und Unterhaltspflichten verwehrt. Das ist aus gleichheitsrechtlicher, vor allem aber aus Perspektive des Kindes nicht zu rechtfertigen. Das Recht von Kindern auf zwei Eltern muss gewahrt werden.“

Und Dirk Siegfried von der Bundesarbeitsgemeinschaft Schwuler Jurist*innen betont abschließend: „Vorschläge für die Reform des Abstammungsrechts liegen seit Jahren auf dem Tisch: Die Zuordnung unabhängig vom Geschlecht der Eltern, die Ermöglichung der verbindlichen Übernahme von Verantwortung schon vor der Zeugung, die Absicherung gelebter Elternschaft. Die Reform darf jetzt nicht weiter verzögert werden!“

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Nikki Hiltz gewinnt Bronze

Medaille für queere Jugendliche

US-Leichtathletik-Star Nikki Hiltz gewinnt Bronze im 1.500-Meter Lauf bei der Hallen-Weltmeisterschaft in Polen und widmet diese queeren Jugendlichen.
Rauswurf von trans* Mädchen

Größter britischer Mädchenverbund

Die größte britische Mädchenorganisation Girlguiding hat erklärt, dass alle trans* Mädchen bis September den Verein verlassen müssen.
LSVD+ Landesvorstand im Norden

Neuwahlen und zukünftige Ziele

Im Norden wurde der LSVD+ Vorstand in Niedersachsen-Bremen und Schleswig-Holstein gewählt. Ein gemeinsames Ziel: Ein queerer Sitz im NDR-Rundfunkrat.
Ausschluss bei Tennis und Golf

Neue Liga und Klage gegen Regelung

Trans* Sportlerinnen wehren sich gegen den Ausschluss im US-Frauensport, die einen gründeten eine neue Tennis-Liga, eine trans* Golferin klagt dagegen
Mehr Sicherheit in Berlin

Neue Landesstrategie vorgestellt

Mit einer neuen Landesstrategie sollen in Berlin die massiv steigenden Angriffe auf LGBTIQ+-Menschen gestoppt werden.
Kindesmissbrauch in Florida

Eigene Familie attackiert Jungen

Ein fassungslos machender Fall: In Florida attackierte ein Familienmitglied mit Hilfe weiterer einen Jungen mit einem Messer, nur weil er schwul ist.
Hasskriminalität im Saarland

Zunahme der Fallzahlen

Im Saarland hat die Hasskriminalität gegen LGBTIQ+-Menschen erneut zugenommen, die Taten selbst werden dabei immer gewalttätiger.
Reform des Abstammungsrechts

LSVD+ kritisiert Tatenlosigkeit

Trotz mehrerer Urteile gibt es noch immer keine Reform des Abstammungsrechts für lesbische Paare. Der LSVD+ übt scharfe Kritik.
UN lehnt US-Vorschlag ab

Definition von Geschlecht

Die USA sind mit ihrem Vorhaben bei den Vereinten Nationen gescheitert, Geschlecht ausschließlich als Männer und Frauen zu definieren.