Direkt zum Inhalt
E-Patientenakte bundesweit

E-Patientenakte bundesweit Ende April wird die ePA in ganz Deutschland eingeführt

ms - 16.04.2025 - 13:00 Uhr
Loading audio player...

Die elektronische Patientenakte ePA wird Ende April bundesweit in ganz Deutschland eingeführt – seit Januar dieses Jahres hatte es eine Testphase in einzelnen Bundesländern und Regionen gegeben. Die Kritik an dem elektronischen System zur Erfassung von Patientendaten wurden indes bisher nicht gänzlich behoben, zahlreiche Vereine und Organisationen hatten vorab deutliche Kritik geübt. Queere Experten und HIV-Ärzte befürchten gerade für LGBTIQ+-Menschen diverse Nachteile – von einer verstärkten Diskriminierung im Gesundheitswesen bis hin zu Zwangsoutings war die Rede.   

ePA-Pflicht ab Oktober

Der scheidende Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) indes erklärte jetzt, die nötigen Sicherheitsmaßnahmen hätten umgesetzt werden können. Konkrete Details nannte das Ministerium nicht, ab Oktober soll die ePA in allen Arztpraxen und Kliniken verpflichtend werden, Patienten können bei ihrer Krankenkasse der Nutzung aber weiterhin widersprechen. 

Kritik an der ePA kam auch von Computerspezialisten, die aufzeigten, wie einfach Unbefugte Zugriff auf äußert sensible Daten bekommen können. Nach Angaben von Lauterbach seien die Sicherheitsprobleme aber inzwischen gelöst worden. In der queeren Community überwiegt nach wie vor offenbar die Skepsis. Viele Fragen sind noch immer unklar, dazu stehen Befürchtungen im Raum, dass allein durch die Einsicht der Medikamentenvergabe oder von Untersuchungen bei einem Arzt langfristig auch alle anderen Ärzte und das medizinische Fachpersonal bei einem Praxisbesuch Einsicht hätten und somit ein ungewolltes Outing als homosexuell oder beispielsweise auch HIV-positiv der Fall sein könnte. Ärzte in HIV-Schwerpunktpraxen hatten zudem die Handhabung und die unübersichtliche Datenlage der ePA bemängelt.

Bedenken in der Community

In einem Offenen Brief hatten außerdem auch über 70 Verbände, darunter auch der LSVD+, noch im Januar dieses Jahres erklärt: „Viele Menschen mit HIV, Geschlechtskrankheiten und anderen stigmatisierten Erkrankungen möchten die Vorzüge der ePA nutzen, nicht jedoch ihre Diagnosen automatisch allen medizinischen Einrichtungen mitteilen, die sie besuchen. Informationen in der ePA zu sperren, ist jedoch unzumutbar kompliziert und erfordert viel Wissen. So werden Diagnosen zum Beispiel nicht nur über bestimmte Dokumente erkennbar, sondern auch über die Medikationsliste und die Abrechnungsdaten in der Akte (…) Die genaue Freigabe oder Sperrung von einzelnen Dokumenten oder Informationen nur für bestimmte Kliniken, Praxen oder Apotheken ist nicht möglich.“ Der LSVD+ sprach von „ernstzunehmenden datenschutzrechtlichen Bedenken“ insbesondere für vulnerable Patienten aus der Community. Befürworter der ePA erhoffen sich indes mehr Effizienz im Umgang mit Patienten und eine bessere Versorgung, gerade auch von Notfall-Patienten. 

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Zurück in den Schrank?

Neue Heimlichkeiten in den USA

Die Zahl der Amerikaner, die ihre Homosexualität verheimlichen, steigt wieder. Schuld daran soll US-Präsident Donald Trump sein.
Polizei sieht keine Straftat

Monatelange Attacken

Ein Mann wirft monatelang Hundekot auf das Dach eines LGBTQ+-Jugendzentrums in Los Angeles – doch die Polizei sieht keine Straftat.
ESC-Live-Tour in Europa

Große Tournee in zehn Städten

ESC-Fans aufgepasst! Erstmals in der Geschichte des Musikwettbewerbs geht dieser im Sommer 2026 auf Tour und ist auch zweimal in Deutschland zu Gast.
Angriff auf Literaturbetrieb

Russlands Zensur geht weiter

Die russischen Zensurbehördeen sind erneut gegen den Literaturbetrieb vorgegangen, ein Buchverlag musste jetzt final schließen.
Schwule Senioren online

Fit für die digitale Zukunft

Schwule und bisexuelle Senioren "leben" online. Eine neue Studie belegt, dass immer mehr Menschen 65+ online agieren und auch KI interessant finden.
Deutscher ESC Vorentscheid

Neun Kandidaten stehen fest

Die neun Kandidaten für den ESC-Vorentscheid stehen fest, Ende Februar entscheidet sich, wer Deutschland beim ESC in Wien vertreten wird.
Auf offener Straße missbraucht

Polizei sucht nach Täter

Ein 17-jähriger Jugendlicher ist am 13. Januar 2026 in der Bremer Überseestadt Opfer eines sexuellen Übergriffs geworden.
US-Christen machen mobil

Förderung von Konversionstherapien

Christliche Verbände erhöhen derzeit massiv den Druck auf den US-Supreme Court, der ein Grundsatzurteil zu Konversionstherapien fällen soll.