Direkt zum Inhalt
Psychische Gesundheit
Rubrik

Psychische Gesundheit Nur ein genauer Blick auf individuelle Bedürfnisse kann die Lage von LGBTI*-Minderjährigen verbessern

ms - 28.07.2023 - 12:00 Uhr

Wie kann die psychische Gesundheit von LGBTI*-Jugendlichen verbessert werden? Mit dieser Frage befasste sich zuletzt intensiv die größte Organisation zur Suizidprävention für LGBTI*-Jugendliche in den USA, das Trevor Project.

Forschungsdirektorin Myeshia Price erklärte dazu: „Unsere Jugend befindet sich in einer Krise der psychischen Gesundheit. Junge Menschen berichten von stetig zunehmender Traurigkeit, Hoffnungslosigkeit und Selbstmordgedanken. Diese Herausforderungen für die psychische Gesundheit sind für Jugendliche mit marginalisierten Identitäten wie sexueller Orientierung, Geschlechtsidentität, Rasse oder ethnischer Zugehörigkeit noch größer. Diese Ungleichheiten werden noch dadurch verstärkt, dass sie fast ständig traumatisierenden Medien und Nachrichten ausgesetzt sind.“

Neues Denken im Bereich Forschung

Auch in Deutschland belegen Studien, das Bundesamt für Statistik sowie auch mehrere LGBTI*-Beratungseinrichtungen für Jugendliche, dass sich die psychische Gesundheit von homosexuellen und queeren Minderjährigen in den letzten Jahren deutlich verschlechtert hat. Eine Verbesserung könne laut Price dabei nur erreicht werden, wenn gerade im Bereich Forschung ein Umdenken stattfinde: „Junge Menschen lassen sich nicht in die üblichen Kategorien von Rasse, ethnischer Zugehörigkeit, sexueller Orientierung oder Geschlechtsidentität einordnen. Sie lehnen antiquierte Normen und gesellschaftliche Erwartungen ab, insbesondere in Bezug auf Geschlecht und Sexualität. Die meisten Forschungsarbeiten zu dieser Gruppe, insbesondere zu LGBTI*-Jugendlichen, berücksichtigen jedoch nicht in vollem Umfang, wie sie sich selbst identifizieren.“ Das führe in der Konsequenz zu unvollständigen Daten und verhinderte, bestmögliche Maßnahmen und Programme zur psychischen Gesundheit zu entwickeln, so die Expertin weiter.

Mehrfach marginalisierte Jugendliche

Dabei sei es besonders wichtig, auch einen Blick auf solche LGBTI*-Jugendliche zu werfen, die mehrfach marginalisiert sind, beispielsweise homosexuelle oder transsexuelle Minderjährige mit dunkler Hautfarbe. „Wenn wir uns als Forscher mit diesen Informationen über die besonderen Bedürfnisse und Erfahrungen dieser Menschen ausstatten, können wir Interventionsstrategien entwickeln, die die psychische Gesundheit aller LGBTI*-Jugendlichen unterstützen, anstatt zu versuchen, einen pauschalen Ansatz anzuwenden, der davon ausgeht, dass das, was für eine Gruppe funktioniert, auch für alle anderen gilt.“

Genaues Hinsehen rettet Leben

Untermauert werden die Aussagen von der jüngsten Studie aus 2023, der U.S. National Survey on the Mental Health of LGBTQ Young People. Ein Ergebnis dabei: LGBTI*-Jugendliche mit mehreren marginalisierten Merkmalen haben ein höheres Suizidrisiko als Gleichaltrige, die nicht mehr als einen marginalisierten Aspekt aufweisen.  

Gerade in Amerika zeigte sich dabei eine starke Verschiebung zwischen weißen und dunkelhäutigen LGBTI*-Jugendlichen – bei Letzteren war das Suizidrisiko oftmals doppelt oder sogar dreifach so groß. „Die Forscher müssen bei der Konzeption ihrer Studien bewusst darauf achten, welche Aspekte der sexuellen Orientierung und der Geschlechtsidentität für die Fragen, die sie zu beantworten versuchen, am relevantesten sind. Sie müssen Erhebungselemente verwenden, die genau auf diese Kategorien abgestimmt sind“, so die Forschungsdirektorin weiter.  

 

Hier gibt es Hilfe

Die Berichterstattung über Suizid ist ein überaus sensibles Thema. Wir möchten es in KEINSTER Weise glorifizieren oder romantisieren. Viele Menschen die durch Suizid sterben, leiden an einer psychischen Erkrankung. Wenn es dir nicht gut geht oder du daran denkst, dir das Leben zu nehmen, versuche mit anderen Menschen darüber zu sprechen. Das können Freunde oder Verwandte sein. Es gibt aber auch eine Vielzahl von Hilfsangeboten, bei denen du dich melden kannst. Die Telefonseelsorge ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr erreichbar. Die Telefonnummern sind 0800/111 0 111 und 0800/111 0 222.

Mit Beratung steht dir auch der Coming Out Verein via Messenger oder E-Mail unter www.coming-out-day.de zur Seite. Weiterhin gibt es von der Telefonseelsorge das Angebot eines Hilfe-Chats. Außerdem gibt es die Möglichkeit einer E-Mail-Beratung. Die Anmeldung erfolgt – ebenfalls anonym und kostenlos – auf der Webseite. Informationen findest du unter: www.telefonseelsorge.de

ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Kinderwunsch in Griechenland

Neue Regeln für Leihmutterschaften

Mit einer neuen Gesetzgebung sollen in Griechenland schwule Paare von einer Leihmutterschaft ausgeschlossen werden, lesbische Paare nicht.
Auslaufmodell Kirche?

Erstmals mehr Konfessionslose

Auslaufmodell Kirche: In Deutschland gibt es seit 2024 erstmals mehr religionsfreie Menschen als Katholiken und Protestanten.
Anschlagspläne auf Pride

Anklage von drei Heranwachsenden

Drei mutmaßliche junge Islamisten wurden jetzt angeklagt, 2023 ein Attentat auf die Regenbogenparade in Wien geplant zu haben.
Tod im SM-Appartement

Schwuler Mann stirbt in Berlin

Ein 47-jähriger Mann starb am Montagabend in einem SM-Appartement in Berlin, sein Freund alarmierte den Notarzt. Die genauen Umstände sind noch unklar
Diversität in Deutschland

US-Regierung befragt deutsche Firmen

Die US-Regierung fordert jetzt von deutschen Firmen das Ende von Diversitäts-Programmen und die Beschneidung von trans* Rechten.
Folter in Großbritannien

Studie über Konversionstherapien

Neue Studie: Zwanghaftes Beten, "korrigierende" Vergewaltigungen, Schläge - 31 Prozent der LGBTIQ+-Briten haben Konversionstherapien erlebt.
Coming Out von Tanner Adell

US-Country-Star ist pansexuell

Coming Out von Tanner Adell: Der Country-Liebling der US-Schwulen steht offen zur Pansexualität und feiert besonders gerne mit schwulen Fans.
Diplomatische Spannungen

USA und Frankreich im Clinch

Clinch zwischen den USA und Frankreich: Die US-Botschaft in Paris forderte jetzt französische Firmen auf, ihre Diversitäts-Programme einzustellen.
Einsatz gegen Chemsex

Neue Initiative in Bayern

Rund 10 Prozent der Schwulen praktizieren Chemsex regelmäßig. Das Sub in München will mit einer besonderen Kampagne Konsumenten ansprechen und helfen.