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Polizeidruck in China Queeres Filmfestival abgesagt

Von ms - 03.11.2026 - 11:30 Uhr
Polizeidruck in China
Foto: AI GENERATED - FASH Medien
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Das traditionsreiche Beijing Queer Film Festival in China ist kurz vor seinem geplanten Beginn abgesagt worden. Hintergrund sollen wiederholte Eingriffe der Polizei gewesen sein. Die Veranstaltung, die inzwischen unter dem Namen „Love Queer Film Week“ bekannt ist, hätte in dieser Woche zum 19. Mal stattfinden sollen.

Das Wichtigste im Überblick

  • Die 19. Ausgabe des Beijing Queer Film Festival in dieser Woche findet nicht statt. Die Absage erfolgte weniger als 24 Stunden vor Beginn.
  • Polizei unter Verdacht: Nach Medienberichten sollen chinesische Behörden die Veranstalter über Wochen unter Druck gesetzt haben.
  • Human Rights Watch kritisiert die zunehmende Kontrolle unabhängiger Kulturveranstaltungen und der LGBTIQ+-Gemeinschaft.
  • Lange Geschichte: Das 2001 gegründete Festival gehört zu den ältesten unabhängigen Filmveranstaltungen Chinas.
  • Zensur im Alltag: Auch Filme, soziale Netzwerke, Dating-Apps und queere Literatur sind von staatlichen Einschränkungen betroffen.

Druck von staatlicher Seite

Die Organisatoren gaben die Absage Stunden vor dem Festivalstart bei Instagram bekannt. Zu den Gründen machten sie keine näheren Angaben. Auch ein möglicher Nachholtermin wurde nicht genannt. „Wir bedauern, Ihnen mitteilen zu müssen, dass die ‚Love Queer Film Week‘ abgesagt wurde. Wir entschuldigen uns aufrichtig für alle Unannehmlichkeiten oder Enttäuschungen, die diese Absage bei denjenigen verursacht haben könnte, die ihre Teilnahme geplant oder sich auf die Veranstaltung gefreut hatten“, hieß es in der Erklärung. Nach Recherchen der britischen Zeitung Guardian soll die Entscheidung auf anhaltenden Druck chinesischer Behörden zurückgehen. Demnach habe die Polizei die Verantwortlichen in den vergangenen Wochen wiederholt kontaktiert.

Festival besteht seit 2001

Das Beijing Queer Film Festival wurde 2001 von Studenten der Universität Peking und dem Regisseur und Hochschullehrer Cui Zi’en gegründet. Es gilt als ältestes unabhängiges chinesisches Filmfestival mit Schwerpunkt auf LGBTIQ+-Themen. Über mehr als zwei Jahrzehnte bot die Veranstaltung einen der wenigen öffentlichen Räume in China, in denen Filme über homosexuelle und queere Lebensrealitäten gezeigt und diskutiert werden konnten. Unabhängige Filmveranstaltungen stehen in dem Land seit Jahren unter staatlichem Druck.

Bereits 2014 wurde das Beijing Independent Film Festival geschlossen, das zu den wichtigsten unabhängigen Filmveranstaltungen Chinas gehörte. Zuvor hatten die Behörden die Gründer festgenommen und die Stromversorgung des Veranstaltungsortes unterbrochen. Auch außerhalb Chinas kam es zu vergleichbaren Vorfällen. Im Jahr 2025 wurde ein für New York geplantes Festival des unabhängigen chinesischen Films nach Druck durch chinesische Behörden abgesagt. Der Fall löste Besorgnis über grenzüberschreitende staatliche Repressionen aus.

Kritik an Regierung

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch sieht die Absage des Pekinger Festivals im Zusammenhang mit der verschärften staatlichen Kontrolle unter Präsident Xi Jinping. Maya Wang, stellvertretende Asien-Direktorin der Organisation, erklärte: „Unter Xi hat die chinesische Regierung die soziale und ideologische Kontrolle unaufhörlich verschärft. Infolgedessen unterliegt jede Aktivität, die nicht ausdrücklich vom Partei-Staat genehmigt wurde, einer immer strengeren Überwachung und häufig regelrechten Schikanen durch die Behörden.“ Der Druck betreffe mehrere gesellschaftliche Gruppen gleichzeitig.

„Die Behörden haben den Druck auf die wenigen verbliebenen Teile der chinesischen Zivilgesellschaft ebenso erhöht wie auf LGBTIQ+-Gemeinschaften und unabhängige Filmschaffende. Ein queeres Filmfestival sieht sich damit praktisch all diesen Belastungen gleichzeitig ausgesetzt“, sagte Wang. Auch der Wissenschaftler Hongwei Bao von der schottischen Universität St Andrews äußerte sich besorgt. Der Experte für chinesische Kultur und LGBTIQ+-Themen bezeichnete das Festival gegenüber dem Guardian als „Leuchtturm der Widerstandsfähigkeit der chinesischen LGBTIQ+-Gemeinschaft“ und erklärte außerdem: „Die Schließung der ‚Love Queer Cinema Week‘ hat eine einschüchternde Wirkung auf die chinesische queere Gemeinschaft.“

Filmvorführungen verhindert

Bereits im Juni 2026 waren mehrere Filmvorführungen mit LGBTIQ+-Themen in Peking abgesagt worden. Die Veranstaltungen sollten während des Pride-Monats im französischen Kulturzentrum Institut Français stattfinden. Auch damals soll die Polizei massiven Druck auf die Organisatoren ausgeübt haben. Die Vorfälle zeigen, wie stark öffentliche Räume für queere Kulturveranstaltungen und gesellschaftliche Diskussionen in China eingeschränkt werden. Dabei war das Interesse am Beijing Queer Film Festival zuletzt gestiegen. Für die Ausgabe 2025 hatten sich rund 200 Menschen als freiwillige Helfer beworben. Das waren viermal so viele wie 2024.

Um staatliche Eingriffe zu vermeiden, hatten die Veranstalter in früheren Jahren zahlreiche Filmvorführungen und Diskussionen in ausländischen Botschaften in Peking organisiert, darunter in der niederländischen Vertretung. Dort konnten chinesische Polizeibehörden nicht unmittelbar eingreifen, um die Veranstaltungen zu verhindern. Für die Ausgabe 2026 ließ sich das Festival jedoch auch mit solchen Vorkehrungen nicht aufrechterhalten. Nach den Medienberichten hatte der behördliche Druck erheblich zugenommen.

LGBTIQ+-Rechte stark eingeschränkt

Homosexualität ist in China seit 1997 nicht mehr strafbar. Dennoch bestehen für LGBTIQ+-Menschen weiterhin erhebliche rechtliche und gesellschaftliche Einschränkungen. Gleichgeschlechtliche Ehen werden nicht anerkannt. Zudem fehlen umfassende gesetzliche Schutzbestimmungen gegen Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität. Auch in der Film- und Fernsehbranche greifen die Behörden regelmäßig ein. In den vergangenen Jahren wurden queere und homosexuelle Figuren, gleichgeschlechtliche Küsse und entsprechende Handlungsstränge aus internationalen Produktionen entfernt. Betroffen waren unter anderem die US-Serie „Friends“ und der Film „Bohemian Rhapsody“. Teilweise werden Inhalte inzwischen auch mithilfe künstlicher Intelligenz verändert. So wurde Berichten zufolge in dem Horrorfilm „Together“ ein schwules Paar digital in ein heterosexuelles Paar umgewandelt.

Dating-Apps und Literatur 

Die Einschränkungen betreffen auch digitale Angebote für LGBTIQ+-Menschen. In den vergangenen Jahren wurden zahlreiche Accounts mit entsprechenden Inhalten aus sozialen Netzwerken und dem chinesischen Messengerdienst WeChat entfernt. Zudem verschwanden Dating-Apps für LGBTIQ+-Menschen aus chinesischen App-Stores. Betroffen waren unter anderem Grindr, Blued und Finka, die Apple nach entsprechendem Druck beziehungsweise regulatorischen Vorgaben der chinesischen Behörden aus seinem Angebot nahm. Auch gegen Autorinnen homoerotischer Literatur gingen die Behörden vor. Im Zusammenhang mit sogenannten Danmei-Geschichten, einem chinesischen Literaturgenre über romantische und erotische Beziehungen zwischen Männern, wurden Dutzende Schriftsteller festgenommen. Die Absage des Beijing Queer Film Festival steht damit in einer Reihe staatlicher Maßnahmen, die unabhängige Kulturveranstaltungen und die öffentliche Darstellung von LGBTIQ+-Menschen in China zunehmend einschränken. Ob und wann das Festival nachgeholt werden kann, ist bislang offen.

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