China verschärft Kontrollen Kommunikationswege für LGBTIQ+-Menschen gesperrt
Der Druck auf die LGBTIQ+-Community in China nimmt nach Einschätzung von Menschenrechtsorganisationen weiter zu. Seit Mai 2026 wurden mehrere öffentliche WeChat-Kanäle mit queeren Inhalten ohne nähere Begründung gesperrt. Beobachter vermuten einen Zusammenhang mit einem Bericht des Untersuchungsbüros des Obersten Volksgerichts.
Das Wichtigste im Überblick
- In China wurden seit Mai 2026 mehrere öffentliche WeChat-Kanäle mit queeren Inhalten gesperrt.
- Menschenrechtsorganisationen sehen darin eine weitere Einschränkung der Sichtbarkeit der LGBTIQ+-Community.
- Auch internationale Kulturinstitutionen und Botschaften berichten von Behinderungen queerer Veranstaltungen.
- Die Shanghai Pride und das größte LGBT-Center in Peking haben ihre Aktivitäten bereits eingestellt.
- Human Rights Watch fordert China auf, die Rechte queerer Menschen anzuerkennen.
Sperre von queeren Kanälen
Die betroffenen Kanäle hatten darüber informiert, dass das Büro positiv auf eine Online-Petition reagiert habe. Diese forderte einen Schutz vor Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung, der Geschlechtsidentität und des Geschlechtsausdrucks. Im Juni traf die Sperrwelle auch den Kanal von Zhenzhen’s Rainbow. Das Zentrum mit Sitz in Peking unterstützt LGBTIQ+-Personen sowie Menschen, die Opfer geschlechtsspezifischer Gewalt geworden sind. Nach Angaben des sozialen Netzwerks WeChat verstieß der Kanal gegen die Nutzungsbestimmungen der Plattform. Welche konkreten Verstöße vorgelegen haben sollen, teilte WeChat nicht mit.
Weniger Raum für Austausch
Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch erklärte, die Maßnahmen zeigten, dass die Möglichkeiten für Sichtbarkeit und Austausch der LGBTIQ+-Community in China zunehmend eingeschränkt würden. Unter Staats- und Parteichef Xi Jinping hätten die Repressionen deutlich zugenommen. Nach Einschätzung der Organisation bereitet der chinesischen Regierung insbesondere die internationale Vernetzung queerer Gruppen, Organisationen und Veranstaltungen Sorgen. China hat Homosexualität vor rund drei Jahrzehnten entkriminalisiert. Gleichzeitig entwickelten die Behörden inzwischen allerdings eine starke Kontrolle gegenüber sozialen Bewegungen. Homosexuelle und queere Menschen, die auf lokaler Ebene für Gleichberechtigung und mehr Sichtbarkeit eintreten, würden dadurch zunehmend behindert, erklärte Human Rights Watch.
Internationale Veranstaltungen
Auch ausländische Institutionen berichten inzwischen offen von Behinderungen durch Behörden. Das Institut Français in Peking wollte im Juni zum Pride Monat queere Filme zeigen. Nach zwei Besuchen von Behördenvertretern und Problemen für chinesische Mitarbeiter der Kultureinrichtung wurden die Veranstaltungen schließlich abgesagt. Auch die finnische Botschaft in Peking geriet unter Druck. Sie hatte während der Beijing Diversity Week einen Pride Run organisiert. Offenbar versuchte aber die Polizei, Teilnehmer einzuschüchtern, indem Läuferinnen und Läufer fotografiert und verfolgt wurden. Die Behörden erklärten, der Pride Run entspreche nicht den Werten Chinas. Auch das Goethe-Institut in Peking musste Einschränkungen bei einer Veranstaltung zum Thema Geschlechtsidentität hinnehmen.
Menschenrechtler fordern Kurswechsel
Für Human Rights Watch steht fest, dass China mit seiner aktuellen Politik Grundrechte queerer Menschen verletzt. Die Organisation kritisiert Einschränkungen der Meinungs- und Versammlungsfreiheit und wirft den Behörden vor, ausschließlich jene Vorstellungen von Geschlecht und Sexualität zu fördern, die mit den politischen Vorstellungen der chinesischen Regierung übereinstimmen. Die Organisation fordert Regierungen, deren Veranstaltungen in China eingeschränkt oder verhindert wurden, dazu auf, gegenüber der chinesischen Regierung auf die Anerkennung der Rechte von LGBTIQ+-Menschen zu drängen.
Der zunehmende Druck auf die Community hat bereits zu deutlichen Veränderungen geführt. Der Shanghai Pride, die größte Pride-Veranstaltung des Landes, stellte seine Aktivitäten bereits 2020 ein. Drei Jahre später schloss auch das LGBT-Center in Peking, die damals größte queere Organisation Chinas. Damit existieren queere Gruppen und Organisationen in China inzwischen, wenn überhaupt, nur noch eingeschränkt öffentlich oder arbeiten verdeckt.