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Forderungen in Indonesien
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Forderungen in Indonesien Muslimrat will LGBTQ+- unter Strafe stellen

ms - 17.09.2026 - 09:30 Uhr
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Indonesiens oberstes muslimisches Geistlichengremium will den Umgang mit LGBTIQ+-Themen im Land offenbar deutlich verändern. Der Rat der Islamgelehrten Indonesiens (MUI) schlägt vor, die Bezeichnung „LGBT“ durch „LGSP“ zu ersetzen. Damit sollen lesbische und schwule Menschen gemeinsam mit Sodomie und sexueller Unsittlichkeit erfasst werden.

Das Wichtigste im Überblick

  • Der Rat der Islamgelehrten Indonesiens will den Begriff „LGBT“ durch „LGSP“ ersetzen.
  • Damit sollen lesbische und schwule Menschen mit Sodomie und sexueller Unsittlichkeit zusammengefasst werden.
  • Das Gremium arbeitet an einem Gesetzentwurf, der aus seiner Sicht verbotene Verhaltensweisen und entsprechende Interessenvertretung unter Strafe stellen soll.
  • Menschenrechtsorganisationen berichten von zunehmender Diskriminierung und Gewalt gegen LGBTIQ+-Menschen.
  • Eine Präsidialverordnung aus dem Jahr 2025 stuft die Verbreitung der LGBTIQ+-Kultur als nichtmilitärische Bedrohung für den Staat ein.
  • Vertreter indonesischer LGBTIQ+-Organisationen warnen vor möglichen Folgen für Bildungs-, Gesundheits- und Menschenrechtsarbeit.

Umfassende Verbote 

Asrorun Niam Sholeh, Vorsitzender der Fatwa-Kommission des Rates, kündigte den Vorschlag E in Jakarta an. Das Gremium bereite eine wissenschaftliche Grundlage und einen Gesetzentwurf vor, die der Regierung und den Abgeordneten vorgelegt werden sollen. Ziel ist demnach, Verhalten und Formen von LGBTIQ+- zu kriminalisieren, die der Rat als verboten betrachtet. Bereits im August richtete sich der Rat gegen eine in einigen indonesischen Gemeinden verbreitete Tradition. Männer wurden davor gewarnt, während der Feierlichkeiten zum Unabhängigkeitstag Frauenkleidung zu tragen.

In manchen Gemeinden ziehen Männer bei Fußballspielen im Rahmen der jährlichen Feierlichkeiten Kleider und Hijabs an. In einer veröffentlichten Erklärung bezeichnete die Fatwa-Kommission das Tragen von Frauenkleidung als „haram“, also nach islamischem Recht verboten. Zugleich brachte sie die Praxis mit einer von ihr beschriebenen verdeckten Kampagne der „Lesbian, Gay, Sodomy and Obscenity (oder LGSP)“-Bewegung in Verbindung.

Wachsender Druck

Der Druck auf LGBTIQ+-Menschen geht nach Einschätzung von Menschenrechtsorganisationen über religiöse Institutionen hinaus und wächst immer weiter an.  Human Rights Watch berichtete, dass die Angriffe auf LGBTIQ+-Studenten während des Pride Monats im Juni stark zugenommen hätten. Zudem hätten mindestens zehn staatliche Universitäten zuletzt diskriminierende Regelungen eingeführt. Gleichzeitig sei die Berichterstattung studentischer Medien sowie die Diskussion über geschlechtliche und sexuelle Vielfalt in sozialen Netzwerken eingeschränkt worden. Nach Einschätzung der Organisation beeinträchtigen diese Maßnahmen die Meinungsfreiheit und die akademische Freiheit. Als Reaktion auf die Pride-Monat-Veranstaltungen forderte der Rat der Islamgelehrten, dass „sexuelle Abweichung“ mit härteren Strafen belegt werden solle als Ehebruch. Gleichzeitig kündigte das Gremium an, einen Gesetzentwurf zur Kriminalisierung von LGBTIQ+-Verhalten und entsprechenden Kampagnen vorzubereiten.

LGBTIQ--Kultur als Bedrohung 

Auch auf staatlicher Ebene gibt es eine entsprechende Entwicklung. Präsident Prabowo Subianto unterzeichnete im Oktober 2025 die Präsidialverordnung Nr. 111 von 2025. Sie legt die allgemeine nationale Verteidigungspolitik Indonesiens für den Zeitraum 2025 bis 2029 fest. In der Verordnung wird die Verbreitung der LGBTIQ+-Kultur als nichtmilitärische Bedrohung für den Staat eingestuft. Sie wird dabei neben weiteren als Bedrohung wahrgenommenen Entwicklungen aufgeführt, darunter Terrorismus, Radikalismus, Separatismus und die Verbreitung verbotener Ideologien. Öffentlich diskutiert wurde die Regelung erstmals im Juli, nachdem indonesische Medien über die entsprechende Passage berichtet hatten.

 Usman Hamid, Geschäftsführer von Amnesty International Indonesia, warnte, die Regelung könne die Diskriminierung von LGBTIQ+-Menschen institutionalisieren. „Amnesty International Indonesia verurteilt diese Angriffe und Einschüchterungen durch staatliche und nichtstaatliche Akteure aufgrund der vermuteten sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität unmissverständlich. Wir fordern die indonesische Regierung dringend auf, diese Verordnung aufzuheben und ihre verfassungsmäßigen Verpflichtungen sowie die internationalen Menschenrechtsverträge einzuhalten, die sie ratifiziert hat.“

Sex außerhalb der Ehe 

Bereits Anfang Januar dieses Jahres trat in Indonesien ein neues nationales Strafgesetzbuch in Kraft. Es ersetzte das aus der niederländischen Kolonialzeit stammende Strafrecht, das mehr als 80 Jahre gegolten hatte. Das 345 Seiten umfassende Gesetz war von den Abgeordneten nach jahrelangen Debatten und öffentlichen Protesten verabschiedet worden. Umstritten waren vor allem Regelungen zu Moral, Religion und individuellen Rechten. Artikel 411 stellt Geschlechtsverkehr außerhalb einer Ehe unter Strafe. Darauf können bis zu zwölf Monate Gefängnis stehen – damit wird automatisch Sex zwischen homosexuellen Menschen illegal.  Artikel 412 sieht für das Zusammenleben als Ehepaar außerhalb einer rechtlich anerkannten Ehe außerdem eine Freiheitsstrafe von bis zu sechs Monaten vor. Die neuen Regelungen haben auch für homosexuelle Touristen Gültigkeit. 

LGBTIQ+-Vereine warnen vor Folgen

Purba Widnyana, Vorsitzender von GAYa Nusantara, einer indonesischen LGBTIQ+-Menschenrechtsorganisation, sagte dem Washington Blade, die Lage für LGBTIQ+-Menschen in Indonesien werde zunehmend besorgniserregend. Die Entwicklung beschränke sich nicht auf zunehmende Gewalt, so Widnyana. Er verwies auch auf stärkere Anti-LGBTIQ+-Stimmungen im öffentlichen Raum, in sozialen Netzwerken, Bildungseinrichtungen und der Politik. „Die Auswirkungen zeigen sich nicht immer in Form körperlicher Gewalt. Viele LGBTIQ+-Menschen beginnen, berufliche Möglichkeiten zu verlieren, weil sie als ‚Risiko‘ für die Veranstalter angesehen werden. Es gibt auch die Sorge, dass zunehmende Stigmatisierung und Angst Menschen davon abhalten könnten, Gesundheitsangebote in Anspruch zu nehmen, darunter HIV-Tests und Untersuchungen auf sexuell übertragbare Krankheiten, weil sie befürchten, dass ihre Identität oder sexuelle Orientierung bekannt werden könnte.“ Widnyana zufolge belastet die Entwicklung auch die Arbeit von LGBTIQ+-Organisationen. „Wir sind ständig in Alarmbereitschaft“, sagte er. 

Zur geplanten LGSP-Regelung und der Entscheidung, den Begriff LGBTIQ+ durch eine Klassifizierung zu ersetzen, die sexuelle Orientierung mit sexuellem Fehlverhalten verbindet, sagte Widnyana, der Rat vermische grundlegend unterschiedliche Konzepte. „Ich weiß wirklich nicht, wo ich anfangen soll. Sie sind eindeutig verwirrt, weil sie Identitäten – in diesem Fall sexuelle Orientierung – mit sexuellem Fehlverhalten und Handlungen vermischen, die als Verstöße oder Straftaten verstanden werden, also Sodomie und sexuelle Unsittlichkeit. Die Änderung verschiebt die Art und Weise, wie Indonesier LGBTIQ+-Themen verstehen oder wahrnehmen – weg von Identitäten, Rechten und Existenz hin zu Fehlverhalten, Moral und Kriminalität. Wir sehen das auch im Zusammenhang mit einem Narrativ, das sich seit langer Zeit entwickelt und LGBTIQ+ als ‚Produkt des Westens‘ oder als ‚westliche Propaganda‘ darstellt. In diesem Rahmen kann LGSP als ihr Versuch verstanden werden, die Art und Weise abzulehnen, wie LGBTIQ+-Menschen sich selbst definieren, und sie durch eine Kategorie zu ersetzen, die von denjenigen festgelegt wird, die die Existenz von LGBTIQ+-Menschen ablehnen.“

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